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STUTTGART/ Ballett: „ONEGIN“ 23. + 24.7. – im Zeichen von Umbesetzungen, Dauereinsatz und Abschied

25.07.2026 | Ballett/Performance

Stuttgarter Ballett: „ONEGIN“ 23. + 24.7. – im Zeichen von Umbesetzungen, Dauereinsatz und Abschied

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Unglücklicher Abschied: Matteo Miccini als Lenski im 2.Akt. Copyright: Roman Novitzky / Stuttgarter Ballett

Das Programm zum diesjährigen Saisonende beim Stuttgarter Ballett ist so geballt, dass Tänzer-Ausfälle nicht vermeidbar sind. Mit der Folge, dass andere deshalb besonders stark belastet werden und dadurch wiederum gefährdet sind, bis zum Schluss durchzuhalten. Vor allem wenn sie in den letzten Tagen noch ein mit außergewöhnlich intensiven Vorbereitungen verbundenes Rollen-Debut als Rudolf in „Mayerling“ vor sich haben und zusätzlich  noch mit Proben für die Gala „20 Jahre Ballett im Park“ beschäftigt sind. So grenzt es an eine Zumutung Marti Paixa an drei aufeinander folgenden Abenden als Onegin auf die Bühne zu schicken, doch der Katalane ist der derzeit flexibelste Partner, um kurzfristig mit einer anderen Dame an seiner Seite eingesetzt werden zu können. An zwei dieser drei Abende jedenfalls zeigte sich der immer präsente Erste Solist in einer best kombinierten Form aus charakterlicher Vertiefung und hoher technischer Zuverlässigkeit. Sein Onegin ist kein strikt geradliniger Snob, mehr ein an unter seelischer Langeweile leidender und liebesbedürftiger junger Mann, der durchaus überlegt handelt, wenn er Tatjanas Schwärmerei als romantische Vorstellung eines Mädchens abtut und spontan im Tanz den Reizen ihrer Schwester Olga erliegt. Sein erwachendes Bewußtsein nach der Duell-Tötung seines einstigen Freundes Lenski ist ebenso ergreifend wie seine spätere Erkenntnis der verpassten Chance. Zuerst im erschütternden Beobachten Tatjanas als Gattin des Fürsten Gremin und dann der verzweifelte Versuch sie reuevoll für sich zu gewinnen. All das transportiert Paixa in seiner starken natürlichen Präsenz auch deshalb so stark über die Rampe, weil er sich in keinem Moment auf technisches Handwerk konzentrieren muss. Seine Soli sind elegant schnittig und zentriert in den Drehungen, die Pas de deux funktionieren reibungslos und mit schwebend leicht erscheinenden Hebeakten.

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Finales Ringen: Elisa Badenes (Tatjana) und Marti Paixa (Onegin). Copyright: Roman Novitzky / Stuttgarter Ballett

Sowohl an einem Abend einspringenderweise mit der ihre rundum stimmige und emotional bewegende Tatjana von der Wiederaufnahme wiederholenden Elisa Badenes, als auch dann wie vorgesehen am Folgeabend mit Miriam Kacerova. Die Slowakin hat sich als langjährige Erste Solistin eine gewisse Jugendlichkeit bewahrt, zeigt eine rührend scheue Tatjana mit großen strahlenden Mädchen-Augen, die beim Geburtstagsfest ein herzbewegendes Solo mit  ganz entschiedenen Akzenten zur Aufmerksamkeits-Gewinnung von Onegin interpretiert und dann eine erstaunliche Wandlung zur gesetzten Ehefrau im großen gesellschaftlichen Rahmen, dazu noch an der Seite ihres noch einmal als Tänzer und erfreulich präsenten Partners zurück gekommenen Mannes im wahren Leben Roman Novitzky. Im Schluss-Pas de deux kämpft auch sie mit einer Entscheidung, doch ihre fingerzeigende Abweisung Onegins ist entschlusskräftig. Mit ihrem versierten technischen Rüstzeug kann auch sie sich ganz in die Rolle fallen lassen.

Der andere, wie eingangs erwähnt über die Maßen eingesetzte Tänzer ist Henrik Erikson, der fast alle Vorstellungen dieser Serie als Lenski bestreiten mußte und am 23.7. wie schon bei der WA als differenziert und tiefst liebender und leidender Dichter für sich einnimmt.

Umsomehr fällt am Folgeabend auf, dass Matteo Miccini sowohl das Gespür für Lenskis Charakter, die emotionale Durchdringung als auch die technische Lockerheit im Partnern und eine gewisse Noblesse fehlt und es somit kein glücklicher Umstand war, sich in dieser Partie vom Stuttgarter Publikum zu verabschieden. Dass seine Stärken in anderen Aufgaben liegen, hat der letzte Spielzeit zum Ersten Solisten avancierte und im Herbst zu Les Ballets de Monte Carlo wechselnde, durchaus mit Ausstrahlung gesegnete Florentiner über viele Jahre erfolgreich bewiesen. Den Dank dafür erhielt er auch an diesem letzten Abend mit einer Solo-Ovation und Blumen.

Als Olga reussierte zuerst Diana Ionescu durch ihre Gleichzeitigkeit von Unbekümmertheit und auch Erschrecktheit angesichts Onegins leichtfertigem Handeln, am Abend darauf Veronika Verterich als überzeugend fröhlich unbedachte Alternative, beide gleichwertig im Einsatz auf Spitze.

Martino Semenzato wiederholte am 23.7.auch einspringenderweise seine rollendeckende Leistung als Gremin. Angelika Bulfinsky als Amme und Joana Romaneiro Kirn als Madame Larina sind stimmig alternative Comprimari zur WA.

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Ein Moment möglichen Glücks: Miriam Kacerova (Tatjana) und Marti Paixa (Onegin). Copyright: Roman Novitzky / Stuttgarter Ballett

Das Corps de ballet erweckte einen rundum geschlossen zum Geschehen beitragenden Eindruck, was auf das Staatsorchester Stuttgart nicht durchgehend zutrifft. Unter der Leitung ihres Flötisten-Kollegen Nathanael Carré gab es an beiden Abenden immer wieder Abstimmungs-Ungenauigkeiten, die vielleicht auch der noch mangelnden Erfahrung des Dirigenten mit diesem Stück geschuldet sind.

 Udo Klebes

 

 

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