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STUTTGART/ Ballett: „ONEGIN“ 10.07.2026 – ein weiterer Höhenflug im Gewand von Jürgen Rose

11.07.2026 | Ballett/Performance

Stuttgarter Ballett

„ONEGIN“ 10.07.2026 – ein weiterer Höhenflug im Gewand von Jürgen Rose

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Pures Glück: Mackenzie Brown (Olga) und Henrik Erikson (Lenski) im 1.Akt. Foto: Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

Zum Spielzeitende dreht das Stuttgarter Ballett nochmal richtig auf und bietet parallel zwei Handlungsballette, die alle Kräfte fordern. Nach der Wiederaufnahme von „Mayerling“ in der Vorwoche kehrte jetzt auch nach einer längeren Pause John Crankos Puschkin-Adaptation auf die Bühne zurück und erhebt diesen Monat außer großartiger tänzerischer Beiträge auch zu einem Ausstattungsfest, denn auch hier hat Jürgen Rose die ungemein ästhetischen und stilsicheren  Bühnenräume und Kostüme geschaffen, die den handelnden Personen die entsprechende Würde verleihen.

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Verlockend im Traum: Friedemann Vogel (Onegin) und Elisa Badenes (Tatjana) im 1.Akt. Foto: Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

Seinem überwältigend  intensiv verinnerlichten Kronprinz Rudolf acht Tage zuvor läßt Friedemann Vogel einen nicht minder fesselnd überzeugenden Onegin folgen, der nicht auf seinem bisherigen ohnehin schon tief durchdrungenen Niveau stehen geblieben ist, vielmehr in weiter entwickelten Details wie abgewandelten Gesten der Genervtheit wie auch der späteren Erkenntnis eines verpassten Glücks und im verfeinerten „Dialog“ mit seinem Umfeld die Intelligenz eines klugen Künstlers zeigt, der eine Interpretation nie als abgeschlossen betrachtet. Ganz davon abgesehen, dass das Zusammenwirken in den Pas de deux immer noch an aus technischer Erfahrung gespeister Dichte und emotionaler Explosivkraft gewonnen hat. Bei alldem bleibt Vogel ein standesgemäßer, nicht nur negativ betrachtet überkandidelter Snob, vor allem ein feinsinnig empfindsamer, auch Verständnis erweckender Charakter, dessen Reue auch Mitleid zu erregen vermag.

Kein Wunder, dass Elisa Badenes als Tatjana am Ende ihrer letzten Begegnung mit den Tränen zu kämpfen hat, so aufwühlend entwickelte sich dieser dramatisch ans Innerste rührende, im gesamten Repertoire kaum an expressiver Ballung zu toppende Pas de deux. Die Spanierin ist nun genau im richtigen Alter um sowohl die mädchenhaft schwärmerische wie auch die später geborgene und zunächst gefasste Gutstochter glaubhaft zu verkörpern. Dass sie dabei schwebend leicht wirkt und ihre Partner hilfreich unterstützt, und trotzdem eine gewisse Bodenständigkeit aufweist, erhöht bei ihr noch die Freude am tänzerischen Gestalten.

Auf ebenbürtigem Niveau verkörperte auch das zweite Paar seine Rollen: Henrik Erikson ist ein Lenski mit liebevoll schwärmerischer Note im rein technisch betrachtet eher etwas sparsam aber korrekt ausgekosteten Pas de deux, ehe er seine durch Onegins leichtfertiges Verhalten aufkeimende Eifersucht in seinem Gesicht mit wirkungsvoll aufgebautem Zornausbruch sichtbar macht und dann in seinem Solo vor dem Duell auch in musikalischer Hinsicht berührende Wehmut und die Trauer um ein verlorenes Glück in seine Körpersprache legt.

Die ehemalige Erste Solistin Mackenzie Brown verabschiedete sich nach ihrem einjährigen Gastvertrag vom Stuttgarter Publikum mit einer jugendlich unbeschwerten Interpretation von Tatjanas Schwester Olga, der das naive und ganz und gar unerschrockene Eingehen auf Onegins verlockendes Tanzspiel voll abzunehmen ist und im übrigen beste Figur auf Spitze macht.

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Neue eheliche Stütze: Martino Semenzato (Gremin) mit Elisa Badenes (Tatjana) im 3.Akt. Foto: Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

Nach seinem Debut während der USA-Tournee im letzten Herbst präsentierte sich Solist Martino Semenzato nun auch zuhause als Fürst Gremin und zeigt einen Mann mit aristokratischer Haltung und viel partnerschaftlichem Feingefühl, wenn er seine Gattin in die Lüfte hebt. Ins stimmige Ensemble fügten sich auch Sonia Santiago als mütterlich bemüht Larina und Magdalena Dzigielewska als betuliche Amme ein. Und selbstredend auch das Corps de ballet im Wechsel vom knackig zupackenden Bauerntanz über den von Senioren humorvoll durchmischten Geburtstagstänzen bis zum noblen St.Petersburger Ball.

Alles in allem eine Aufführung, die wieder die perfekt ausgewogene choreographische Struktur wie auch die Griffigkeit der Personen bewusst werden ließ und von Wolfgang Heinz in den Tutti-Stellen teils etwas ruppig auftrumpfend, aber insgesamt tanzdienlich ans  Staatsorchester Stuttgart vermittelt wurde.

 Udo Klebes

 

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