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STUTTGART/ Ballett: MAYERLING – mit Wahnsinn in die neue Saison

29.09.2019 | Ballett/Tanz


Starke Wesensverwandtschaft:  Friedemann Vogel (Rudolf) und Elisa Badenes (Mary). Foto: Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett: „MAYERLING“ 28.9. 2019– mit Wahnsinn in die neue Saison

So wie die letzte Spielzeit geendet hat, startete das Stuttgarter Ballett in die zweite Saison von Ballettintendant Tamas Detrich mit Sir Kenneth MacMillans Historienballett über die Tragödie des österreichischen Kronprinzen Rudolf. In einer neuen, bis ins kleinste Detail liebevoll nachgezeichneten und hochästhetischen Ausstattung und Kostümen von Jürgen Rose, die die komplexe Choreographie transparenter offenlegen als die überladene und mittlerweile viel Patina angesetzt habende Uraufführungsversion von 1978, erlebte das Werk im Mai dieses Jahres einen geradezu triumphalen Einstand ins Stuttgarter Repertoire.

Wie schon bei der Premiere und der letzten Vorstellung vor der Sommerpause sorgte bis auf eine Ausnahme die gleiche Besetzung nun für einen optimalen Start nach den Ferien – selbstredend vor ausverkauftem Haus. Es ist wirklich Kritik auf höchstem Niveau, wenn diesmal hie und da ein nicht ganz so flüssiger Ablauf anzumerken ist.

Die Bewunderung für einen Interpreten Rudolfs kann nicht oft genug wiederholt werden, stellt sich doch jedes Mal wieder die Frage, wie ein Mensch diese gleichzeitig psychologisch und choreographisch konditionell in höchstem Maße fordernde, angesichts des beängstigend belasteten Rückens um den Tänzer bangenden lassende Partie überhaupt bewältigen kann. Friedemann Vogel lässt diesbezüglich wirklich keine Wünsche offen, beide Parameter finden zu einer hoch spannenden Deckung, die einen den zunehmend zerrisseneren Geisteszustand Rudolfs erschütternd nachvollziehen lassen. Gebannte Stille herrscht nach dem letzten Aufschwung Rudolfs und seiner Geliebten Mary, wenn die beiden am Boden liegen und aufgrund der für einige Sekunden verstummenden Musik nur ihr erschöpfter Atem zu hören ist, ehe sie zur gemeinsamen Erlösungstat schreiten.

Elisa Badenes ist die ideale Mary, sowohl in der Physiognomie der historischen Person als auch in der sich kompromisslos hergebenden Todesbereitschaft, den zuletzt fast blinden Sprüngen in Rudolfs Arme.

Hyo Jung Kang  ist abgesehen von einer etwas unterbelichtet bleibenden Intrigranz eine sehr engagierte und mit viel Poesie agierende Gräfin Larisch. Miriam Kacerova (Elisabeth), Anna Osadcenko (Mizzi), Diana Ionescu (Stephanie) und Vittoria Girelli (Louise) sind die weiteren sich um Rudolf rankenden Frauen. Vom weiteren fast unverändert gebliebenen Personal waren Alexander Mc Gowan, Flemming Puthenpurayil, Adrian Oldenburger und Daniele Silingardi wieder als sprung- und dreheloquente Ungarische Offiziere zu sehen, Adhonay Soares Da Silva stellte seine exzellente Technik in den Dienst der Unterhaltung Rudolfs.

Die Vertreter der weiteren kleinen Solorollen sowie das Corps de ballet trugen ebenso zum stimmigen Gesamtbild bei wie das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung des künftigen Ballett-Musikdirektors Mikhail Agrest. Das musikalische Material von Franz Liszt erweist sich nach mehrmaligem Hören als allen Situationen gerecht werdendes Tongemälde zwischen Konvention und Ausbruch, so wie es die dramaturgische Anlage der Choreographie nahe legt.

Rauschende Begeisterung lag auch diesmal wieder in der Luft.

  Udo Klebes

 

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