Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/ Ballett: „MAHLER X DREI MEISTER“ – zwei Säulen und ein Aufsteiger

03.03.2025 | Ballett/Performance

Stuttgarter Ballett : „MAHLER X DREI MEISTER“ 2.3.2025(nachm.) – zwei Säulen und ein Aufsteiger

mei
Henrik Erikson (vorne) und Martino Semenzato (hinten) in „Lieder eines fahrenden Gesellen. Copyright: Roman Novitzky/Stuttgarter Ballett

Zwei Erste Solisten haben diese Nachmittagsvorstellung des anspruchsvollen, ausschließlich zu Musik von Gustav Mahler getanzten Programmes im Wesentlichen getragen. Ladies first: Anna Osadcenko unterstrich ihre Primaballerina-Qualität zuerst als zentrale namenlose Frauen-Gestalt in Sir Kenneth MacMillans „DAS LIED VON DER ERDE“ in einer anrührenden Kombination aus starker körperlicher Spannkraft und leichten Bahnen auf Spitze, gipfelnd in einem Pas de deux mit dem stets ein überzeugendes Rollenverständnis vermittelnden und als Partner sicherst versierten Marti Paixa.

Sodann profitierte die Partie der ebenfalls namenlosen Frau in John Crankos teil-rekonstruierten „SPUREN“, die zwischen den Schrecken der Vergangenheit und der Liebe zu einem neuen Partner hängen bleibt, von Osadcenkos Lebenserfahrung und dadurch gereiften Ausdruckskraft. So bildete sich dieses Dilemma sowohl in ihrem Bände sprechenden Gesicht als auch in einem expressiven technischen Einsatz ab – flankiert von Jason Reilly als wild impulsiv gezeichnete Gestalt der Vergangenheit und Satchel Tanner als fürsorglich korrektem Mann ihrer Zukunft.

meis
Marti Paixa, Henrik Erikson, Anna Osadcenko (v.l.) und Ensemble in „Das Lied von der Erde“. Copyright: Roman Novitzky/ Stuttgarter Ballett

 Die zweite Stütze der Aufführung war Henrik Erikson. Der dank seines glückvoll kombinierten Profils recht schnell zum Ersten Solisten avancierte Schwede verfügt für die durchgehende Figur des Ewigen in MacMillans auch nach mehrmaligem Betrachten noch viele Geheimnisse verschlossen lassender Choreographie über die erforderliche Würde, aber auch Bestimmtheit und Genauigkeit im Setzen seiner Aktionen sowie auf der anderen Seite eine Gelöstheit und Beweglichkeit, die ihm dann in Maurice Béjarts „LIEDER EINES FAHRENDEN GESELLEN“ als Titelheld noch verstärkt zugute kommt. Die reich nuancierten Gesänge des zwischen Glück und Enttäuschung pendelnden Wanderers erfüllt Erikson mit einer wie zwischen Himmel und Erde schwebenden Sensibilität und einem wie schon beim Debut an der Premiere traumverloren berührenden Abschiedsgang samt letztem Blick zurück.

Inzwischen hat er noch ein neues Alter Ego, dunklen Schatten oder wie auch immer dieser Doppelgänger gesehen bzw. interpretiert werden mag,bekommen. Halbsolist Martino Semenzato hat sich nach einigen größeren Aufgaben zu einem Darsteller mit viel Gesicht und gut ausbalancierten Körperhaltungen entwickelt und kann so diesem Mister X viel Kontur und Sicherheit im Detail geben. Der Aufstieg zum Solisten dürfte bald anstehen.

 Im übrigen komplettierten die bereits bewährten kleinen Soli und Gruppen bei MacMillan ebenso die Vorstellung wie die en gros guten, aber nicht restlos genügenden Vokal-Solisten Airam Hernandez (Tenor), Anna Werle (Mezzosopran) und Pawel Konik (Bariton) und das von Mikhail Agrest kompetent und klar strukturiert geführte Staatsorchester Stuttgart.

  Udo Klebes

 

Diese Seite drucken