Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

STUTTGART/Ballett im Opernhaus: „NEW / WORKS“ 25.7. – Abschied von Hyo-Jung Kang

27.07.2021 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett

„NEW / WORKS“ 25.7.2021 – Abschied von Hyo-Jung Kang

blake works kang, moore i 2
Hyo-Jung Kang, die nach Wien wechselnde Koreanerin, hier in Forsythes „Blake Works“ mit David  Moore. Foto: Stuttgarter Ballett

Die letzte Vorstellung der schon wieder zu Ende gegangenen extrem verkürzten Saison stand im Zeichen des Abschieds von der Ersten Solistin Hyo-Jung Kang. Natürlich wäre ihr dafür eine tragende Rolle in einem Handlungsballett zu wünschen gewesen, doch das Finale dieses im Juni ur- bzw. erstaufgeführten Programms, William Forsythes anspruchsvoll unterhaltsame „BLAKE WORKS“ rückte die Koreanerin auch intregriert in ein Ensemble und speziell in einem Pas de deux mit David Moore, mit der Spitzentechnik lässig spielend, so weit ins Zentrum, dass noch einmal sichtbar wurde, was die nach Abschluss in der John Cranko Schule zur Spielzeit 2003/2004 ins Stuttgarter Ballett aufgenommene Koreanerin besonders auszeichnet: eine jederzeit spürbare Freude an tänzerischer Bewegung, egal ob auf Spitze oder in Schläppchen. Ihr wechselnder Einsatz in der enormen Bandbreite des Stuttgarter Ballett-/Tanzrepertoires war immer hoch beglückend, weil sie Klassik und Moderne mit der gleichen Selbstverständlichkeit auf der Basis einer exzellenten Technik bedient hat. Ganz besonders bleibt sie als mädchenhaftes und bombensicher balancierendes Dornröschen in Erinnerung, ebenso als zunehmend in die dramatisch-charakterliche Gestaltungs-Anforderung hinein gewachsene Tatjana, als ungewöhnliche Nymphe in Sidi Larbi Cherkaouis „Faun“ oder an vorderster Front in Demis Volpis mit den Spitzenschuhen experimentierendem „Aftermath“ – um nur einige Beispiele ihres Rollenradius zu erfassen.

Ein herber Verlust für die Stuttgarter Compagnie und gleichzeitig ein Gewinn für das Wiener Staatsballett unter seinem neuen Direktor Martin Schläpfer, wohin sie mit Beginn der neuen Saison wechselnd wird.

Die sonstigen Eindrücke des Programms von der Premiere am 19. Juni wurden an diesem Abend im Großen und Ganzen wiederholt. Mackenzie Brown und Henrik Erikson servierten Marco Goeckes faszinierend konzentriert auf den Punkt gebrachten Pas de deux „NACHTMERRIE“ wieder mit einer Kombination aus Perfektionismus und spontaner Spannung, die erneut auf begeisterte Zustimmung stieß.

Edward Clugs „SOURCE“ steigerte ihre Aussagekraft durch das jetzt noch besser eingespielte und die Bewegungen langsam steigernd weiterreichende Ensemble, gewisse Löcher oder Schwachstellen wurden damit geschlossen.

Und „CASSIOPEIA’S GARDEN“ von Christian Spuck vermittelte leider auch bei der zweiten Begegnung keine wesentlich greifbarere Sinnhaftigkeit, seine unverkennbaren Bewegungsmuster beginnen trotz eines ausgeglichen besetzten Ensemble keinen Reiz zu entfalten, ermüden eher in ihren vielfachen Wiederholungen.

 

Am Schluss dieses Abends steht zurecht der wieder am meisten anregende Forsythe und schließlich nur noch Hyo-Jung Kang, die mit einem Abschieds-Gruß auf Leinwand, einem bunt glitzernden Papierregen, Blumen von vorherigem und jetzigem Intendant sowie viel Begeisterung vom Publikum und dem zuletzt komplett auf der Bühne versammelten Ensemble lange jubelnd gefeiert wird.

                                                                                                                      Udo Klebes

 

Diese Seite drucken