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STUTTGART/ Ballett: „DORNRÖSCHEN“ – mit einem strahlend souveränen Hauptpaar

11.06.2026 | Ballett/Performance

Stuttgarter Ballett

„DORNRÖSCHEN“ 10.6.2026 – mit einem strahlend souveränen Hauptpaar

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In Bestform vereint: Elisa Badenes (Aurora) und Adhonay Soares (Prinz Desiré). Copyright: Roman Novitzky / Stuttgarter Ballett

Bei den letzten Wiederaufnahmen rangierten sie noch als erste Besetzung. Diesmal sind Elisa Badenes und Adhonay Soares aus dispositionellen Gründen an den Schluß der Aufführungsserie gerückt. Mit der Wertung hat dies keineswegs zu tun. Im Gegenteil: was die beiden in dieser letzten Vorstellung gezeigt haben, weist sie erste, ja vorbildliche Meister ihrer Rollen aus. Die Spanierin hat gut zehn Jahre nach ihrem Rollendebut eine solch starke Souveränität erreicht, dank der sie die Partie in allen ihren Spitzen-Herausforderungen wie selbstverständlich beherrscht und mit feinem Gespür für Phrasierungen ausfüllt und so auch ihre Körpersprache ganz in den Dienst der jungen und dann reifenden Aurora zu stellen vermag. Nur ein Beispiel:  im Rosen-Adagio balanciert sie ihre lange Position auf einem Bein mit den von allen vier Prinzen der Reihe nach geführten Drehungen so locker, dass sie mit diesen gelöst und aufmunternd per Blickkontakt kommunizieren kann.

In ebenso guter Form präsentierte sich ihr erweckender Prinz, dessen spezielle technische Fähigkeiten an diesem Abend in aller Großzügigkeit zur Geltung kamen und ihn in diesem Glücksgefühl nach nachdenklichen Momenten zu einem strahlenden Prinzen machten. Geschmeidig im Springen, federnd leicht und gleichmäßig im Drehen, deutlich gewachsen im Geschick am Partnern und bestechend musikalisch dynamisch im Verlangsamen und Wiederanziehen von Tempi – da stimmte alles! Eine Sternstunde des brasilianischen Ersten Solisten!

Jason Reilly, der in Kürze für sein umfassendes erfolgreiches Wirken in John Crankos Choreographien mit dem nach diesem benannten Preis ausgezeichnet wird, wiederholte seine vor allem charakterlich schillernde androgyne Studie als Inkarnation des ewig existenten Bösen in Gestalt der bitter gedemütigten Fee Carabosse.

Die nach ihrem Aurora-Debut im Mai übereilig zur Ersten Solistin beförderte Abigail Willson-Heisel  lenkte die Geschicke als wieder mild lächelnd gebietende und in klassischer Form versierte Fliederfee.

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Funkelnd virtuoses Blaues Vogel-Paar: Riccardo Ferlito und Irene Yang. Copyright: Roman Novitzky / Stuttgarter Ballett

Wie so oft in letzten Vorstellungen drehen Künstler da noch zu besonders großer Form auf. Das gilt hier für Riccardo Ferlito und Irene Yang als Blaues Vogel-Paar. In ihrem vierteiligen Pas de deux läuft jetzt das Rädchen durch alle solistischen und als Paar geforderten Verzierungs-Akzente der Choreographie ohne Ecken und Kanten, die beiden Nachwuchstänzer brachten diese sehr anspruchsvolle Einlage bei der Märchenhochzeit in ihren türkisblau glänzenden Gewändern richtig zum Funkeln.

Von den stets ein gewisses Aufsehen erregenden vier prinzlichen Bewerber aus den verschiedenen Himmelsrichtungen tat sich Adrian Oldenburger als Gesandter des Ostens mit raumgreifend hohen Sprüngen und selbstbewußter Mimik wieder besonders hervor. Der Halbsolist hätte sich spätestens jetzt einen Aufstieg zum Solisten und außer der alternativ mit Bravour verkörperten Carabosse weitere Hauptrollen (z.B. Petrucchio, Basilio) verdient.

Alles in allem ist die Compagnie nun gut gerüstet und in mehrfachen Besetzungen aufgestellt für die nächsten Aufführungen beim Gastspiel im Oktober in Australien.

Nach dieser vorläufigen Derniere zuhause, von Wolfgang Heinz am Pult des Staatsorchesters Stuttgart  herzhaft und mit gelegentlichen Tempo-Differenzen mit den Tänzern geleitet, wurde sogar die Choreographin Marcia Haydée wieder auf die Bühne geholt und in den Jubel für die Tänzer einbezogen.

 Udo Klebes

 

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