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STUTTGART/Ballett: DORNRÖSCHEN – ein perfektes Märchen

07.01.2020 | Ballett/Tanz

 

STUTTGART

 „DORNRÖSCHEN“ 05.01. 2020 – nm – Ein perfektes Märchen   

 Mit dem Paradestücke „Dornröschen“ von Marcia Haydée, das kurz vor Weihnachten wieder ins Repertoire aufgenommen wurde, ist das Stuttgarter Ballett auch in das neue Jahr gestartet. Auch wenn die Ferien hier nur kurz ausgefallen sind (war noch die letzte Vorstellung vor den Feiertagen erst am 30.12) und sie bereits am ersten Wochenende gleich drei Vorstellungen zu tanzen hatte, wirkte die gesamte Compagnie frisch und zeigte sich von der besten Seite, von den Soli bis in den kleinen Rollen, stets tadellose Technik und genaue Formationen, wichtig für dieses Stück, das vom gesamten Ensemble lebt.

Allen voran Elisa Badenes als Prinzessin Aurora und Friedemann Vogel als Prinz Desiré: die nun aufgrund von verletzten Kollegen öfters als erwartet eingesetzte erste Besetzung erweist sich als neues Traumpaar, das sichtlich Freude miteinander und an der Rolle hat in der es bereits bestens abgestimmt ist. Die technisch für ihn kaum herausfordernde Rolle tanzt Vogel mit der gleichen Konzentration, Genauigkeit und auf den Punkt wie anspruchsvollere Partien, keine Geste, kein Sprung fällt zu weit aus und beides sind dennoch komplett ausgestaltet. Wo erforderlich erfüllt er die Rolle mit der nötigen Reife und Intensität, während er sonst spielerisch und mit jugendlicher Frische strahlt. Es ist vielleicht auch Vogel zu verdanken, dass Elisa Badenes in dieser Rolle ebenso ihr Potenzial voll ausschöpfen kann, wenn sie auch bereits vor seinem Auftritt auf der Bühne ihre Stärke u. a. in dem für viele Solistinnen als Zitterpartie gefürchtete Rosen-Adagio unter Beweis stellen kann: die Attitude unbewegt bis zum Schluss haltend, kann sie dabei natürlich entspannt wirkend die ihr Halt gebenden, wechselnden Partner, anlächeln und sich majestätisch verabschieden. Wach geküsst durch Vogel glänzt sie anschließend auch in den weiteren Soli und Pas de deux mit ihm, stets mit dem richtigen Gefühl und Feinheit für die jeweilige Szene.


Traumpaar: Friedemann Vogel als Prinz Desiré und Elisa Badenes als Prinzessin Aurora. Foto: Stuttgarter Ballett

Davor strahlen konnten an dem Abend auch die fünf Feen bei Aurora’s Taufe (Alicia Garcia Torronteras mit klaren Bewegungen und bezauberndem Lächeln, Angelina Zuccarini mit flotten Schritten auf Spitze, Veronika Verterich mit anmutig-weichen Gesten, Fernanda De Souza Lopes wie ein schneller Wirbelwind und Daiana Ruiz mit der nötigen Kraft), die teils später auch in weiteren Rollen zu sehen waren. Etwas verwunderlich blaß wirkte hingegen Rocio Aleman als Fliederfee, sollte diese eigentlich alle anderen Feen überstrahlen. Die junge Solistin aus Mexico, die demnächst als Aurora Rollendebüt haben wird, darf nicht nur für letzteres wieder um einiges mehr an Bühnenpräsenz zulegen.  

Als Verursachers des Dramas (der hundertjährige Schlaf), gilt der vergessliche Haushofmeister Catalabutte (Rollendebüt für Shaked Heller, wunderbar als eleganter sowie erschrocken-ertappter Präsentator), der die Fee Carabosse nicht auf die Gästeliste eingetragen hatte. Als letztere wirkte Roman Novitzky, der bereits einige Erfahrung in der Rolle hat, etwas zu brav, gerne darf er seiner Carabosse noch mehr Temperament und Dynamik verleihen, vor allem in den Sprüngen, die u. a. die Besonderheit dieser Rolle ausmachen.


Das Unheil beginnt mit einer unvollständigen Gästeliste: Roman Novitzky als Carabosse Foto: Stuttgarter Ballett                       

Unter den Festgästen bei Aurora’s Hochzeit sind u. a. die Rollen des blauen Vogels mit seiner Prinzessin als vierteiliger Pas de deux hervorzuheben, wobei Agnes Su mit neuem Partner Christian Pforr auftritt. Eine echte Herausforderung für den jungen Corps de ballet-Tänzer, der sich dafür technisch noch steigern darf, um in der Rolle zu „fliegen“, vor allem die vielen Changements am Anfang scheinen ihm wenig zu liegen. Positiv überraschte hingegen Alexander McGowan als Ali Baba: tadellose akrobatische Sprünge und Pirouetten, Dynamik und ein Feuer, die man beim U. S. Amerikaner gerne öfters sehen würde.              

Viel Applaus gab es vom in dieser Nachmittagsvorstellung vor allem jungen Publikum auch für die weiteren Figuren der Märchenhochzeit sowie für das Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Wolfgang Heinz. Zusammen mit Jürgen Roses wunderschönen, farbenprächtigen Kostümen und dem Bühnenbild, über das immer wieder auch Wellen eines schwarzen Vorhangs fallen, symbolisch für den Fluch und das Böse, das stets begleitet und auch nach der glücklichen Hochzeit weiterhin besteht, ließen sie dieses Meisterwerk zu einem perfekten Ballettmärchen werden.                                                                                

Dana Marta

 

 

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