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STUTTGART/ Ballett: DORNRÖSCHEN – die Erwartungen erfüllt

08.07.2022 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett

„DORNRÖSCHEN“ 7.7.2022 – die Erwartungen erfüllt

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Eine neue Perle in der Titelpartie: Mackenzie Brown (mit den vier Prinzen). Copyright: Stuttgarter Ballett

Einen Großteil seines Nachwuchses holt sich das Stuttgarter Ballett seit vielen Jahren aus der dem Staatstheater angegliederten John Cranko-Schule. Ansonsten wird nach vielversprechenden Talenten in diversen anderen bedeutenden Ballettschulen Ausschau gehalten. Oder wie im Fall von Mackenzie Brown bei Wettbewerben. Im Jahr 2019 hat die Amerikanerin beim renommierten Prix de Lausanne mit gleich drei Preisen richtig abgeräumt. Die Verpflichtung ins Corps de ballet nach Stuttgart war ein Volltreffer, wie sich nach dem schnellen Aufstieg zur Halbsolistin schon bald in diversen Solo-Rollen gezeigt hat. Noch bevor sie ab Herbst bereits eine Stufe höher zu den Solisten klettert, wurde ihr jetzt die Aurora anvertraut.

Die in sie gesetzten Erwartungen hat sie erfüllt, wenn nicht hinsichtlich einer bei einem solchen Debut nicht selbstverständlichen Lockerheit sogar übertroffen. Für die nicht ganz zierliche Tänzerin scheint keine Arabesque zu hoch und weit, keine Pirouette zu kompliziert und keine Spitzenbalance zu ausgreifend sein. Wie eine Eins durchsteht sie das Rosen-Adagio und gewährt den sie umwerbenden vier Prinzen (Timoor Afshar, Fabio Adorisio, Noan Alves, Clemens Fröhlich) lebhaften Augenkontakt und einen Funken kindlicher Neugier. Sehr souverän wie in Trance entspricht sie im zweiten Akt auch einer Traumerscheinung und durchstrahlt schließlich die schwierigsten Phasen des Märchenhochzeit-Pas de deux.

Als ihr Erwecker bleibt David Moore vergleichsweise reserviert und mimisch steril, gibt aber das klassische Bild eines Prinzen mit Understatement und untadeliger klassischer Linie sowie sauberer choreographischer Ausführung – an diesem Abend mit etwas knapp ausfallenden Arabesquen.

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Faszinierend und berührend: Ciro Ernesto Mansilla (Carabosse). Foto: Stuttgarter Ballett

Trotz dem unvergessenen Richard Cragun gab es in der hier sehr aufgewerteten Rolle der Carabosse immer wieder überzeugende Nachfolger. Der in der essentiellen Vermittlung der Rolle fundierteste ist Ciro Ernesto Mansilla, der seine attackenreiche Sprungkraft mit einer sehr fein dämonischen, ins Innere einer nicht wirklich bösen, nur abgrundtief verletzten Frau blickenden Profilierung kombiniert. Eine faszinierende und gleichzeitig berührende Interpretation!

Neben Miriam Kacerova als gestandener Fliederfee sind in solistischer Hinsicht noch Christian Pforr als durchwachsen flatterleichter Blauer Vogel, Fernanda Lopes als seine apart leichtfüßige Prinzessin und Adrian Oldenburger als trotz idealer körperlicher Voraussetzungen nicht wirklich zündender Ali Baba zu erwähnen. Maria Seletskaja leitet das Staatsorchester Stuttgart einiger kleiner Einsatz-Divergenzen zum Trotz mit spürbarem Aplomb und als ehemalige Ballerina entscheidendem Einfühlungsvermögen für tänzerische Bedürfnisse.

Udo Klebes

 

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