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STUTTGART/ Ballett: DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUMG – die Jungen rücken nach

23.05.2022 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett

„DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG“ 22.5. 2022– die Jungen rücken nach

Eine Woche nach der DVD Aufzeichnung stellte sich einiger Nachwuchs den Herausforderungen John Crankos zwischen speziellem technischem Geschick und subtiler komödiantischer Gestaltung und Dosierung.

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Agnes Su, 1. Akt. Copyright: Stuttgarter Ballett

Agnes Su, die jüngste Erste Solistin, hat sich jetzt innerhalb einer Saison nach der Tatjana (Onegin) und dem Dornröschen eine dritte Hauptpartie erarbeitet. Diese Chance haben bisher nur ganz wenige in einem so kurzen Zeitraum erhalten. Eine bis dahin ungeahnte technische Sicherheit hat sie bereits als Aurora bewiesen, somit gab es diesbezüglich auch als Katharina nicht das geringste Problem. Die Amerikanerin würzte attackierende Pirouetten mit spielerischer Emphase und explizite Hebefiguren mit sichtbaren Emotionen. Sie lässt hinter der rabiat auf ihre Umwelt reagierenden älteren Tochter des Baptista das Antlitz einer in ihrer Gesellschaft gefangenen und darunter leidenden Frau erkennen und genau das durchscheinen, was sie zum Tritte und Schläge verteilen geführt hat. Genauso vermittelt sie das Vergnügen an den komödiantischen choreographischen Einfällen wie auch die aufkeimende Zuneigung zu Petrucchio. In Summe eine im Wesentlichen erfasste Debut-Leistung von Format!

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Adhonay Soares da Silva. 1. Akt. Copyright: Stuttgarter Ballett

Bei Adhonay Soares Da Silva steht erst mal die Technik, das Virtuose im Vordergrund, seine besonders markante Rasanz in Drehungen und zunehmend auch in den Sprüngen, mit denen Petrucchio die Bühne erobert. Da bedarf es des Schliffes vom einfach gestrickten, seinen Spaß habenden Jungen zum Edelmann, der doch in allem was er tut auch sichtbar sein sollte. Zur tieferen Menschlichkeit, die in dieser Komödie steckt, fehlt (noch) der Zugang. Sein Spiel demonstriert hauptsächlich Vergnügen und gute Laune, zu wenig Intuition für Zwischentöne. Aber dazu hat der Brasilianer noch hinreichend Zeit.

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Daniele Silingardi, Fernanda Lopes. Copyright: Stuttgarter Ballett

Eine erfreuliche Überraschung bietet Daniele Silingardi als Lucentio. Der Gruppentänzer hatte bislang nur wenig solistisch auf sich aufmerksam machen können. Jetzt stellte er Biancas Auserwählten mit strahlender Erscheinung und im Ganzen gut sitzender Kombination klassischer Parameter auf die Bühne. Da ragte nichts Besonders heraus, aber das Gesamtpaket stimmte. Das gilt auch für Fernanda Lopes als charmante, etwas selbstbewusste und ausgeglichen auf Spitzen agierende Bianca. Mit Flemming Puthenpurayil bekam ein weiterer Gruppentänzer solistische Chancen: sein Hortensio hat Präsenz und die erforderliche Prise Witz im Ausstellen seiner Eitelkeit.

Ballettmeister Marc Ribaud schlüpfte ohne übertriebene Gestik in den gepeinigten Baptista, Alexander Mc Gowan in die Figur des auf Profit bedachten Wirts und des salbungsvollen Priesters.

 

Alessandro Giaquinto, Angelina Zuccarini und Daiana Ruiz wiederholten ihre profilierten Rollenzeichnungen, ebenso das Corps de ballet seinen genauen Einsatz von der Vorwoche und das Staatsorchester Stuttgart unter Wolfgang Heinz seine musikalische Stringenz.

Udo Klebes

 

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