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STUTTGART/ Ballett: „DER NUSSKNACKER“ – mit neuem Solisten-Quartett

08.12.2022 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett: „DER NUSSKNACKER“ 7.12.2022 – mit neuem Solisten-Quartett

der nussknacker afshar, soares da silva 1.akt 7.12.22
Timoor Afshar als Drosselmeier und Adhonay Soares Da Silva als Nussknacker. Foto: Stuttgarter Ballett/ Roman Novitzky

Die sechste Vorstellung dieses Repertoire-Lückenfüllers bestätigte, dass Edward Clugs liebevoll ironisch durchsetzte Choreographie in der Ausstattung von Jürgen Rose beim bunt gemischten Publikum angekommen ist und begeistert aufgenommen wird – unabhängig von der Besetzung der vier Solopartien. Sicher aber auch weil deren Anteil am Gesamtwerk nicht so erheblich ist wie bei den anderen klassischen Erzählballetten und die Hauptlast auf dem Ensemble liegt. Einem großen Ensemble, das allen TänzerInnen der Compagnie die Gelegenheit gibt dabei zu sein und an diesem Abend z.T. mit neuen Gesichtern bestückt war (Toreros, Harlekins, Kosaken und Matroschkas, Eichhörnchen, Hirsche, Schmetterlinge, Freunde und die wiederum allen anderen die Show stehlenden Kamele). Am markantesten von Matteo Crockard-Villa als mimisch kämpferisch wildem und am Ende doch versöhnlich gestimmtem Mäusekönig sowie dem köstlich humorigen Großelternpaar Magdalena Dziegielewska und Daniele Silingardi.

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Agnes Su (Clara) mit den (Star-)Kamelen. Foto: Stuttgarter Ballett/ Roman Novitzky

Im Zentrum als Clara stand jetzt Agnes Su. Für die mit fast sämtlichen bedeutenden Hauptrollen schnell aufgestiegene Erste Solistin innerhalb kurzer Zeit ist die weihnachtliche Traumwanderung zu ihrem Glück in technischer Hinsicht fast wie ein Spaziergang. Sie macht sowohl auf Spitze als auch in geerdeter Form gute Figur und lässt in ihrem Gesicht durchaus die erwünschte kindliche Freude im Umgang mit den Spielsachen aufblitzen, die bei dieser Rolle dazu gehört. Andererseits findet sie auch einen gewissen Ernst im Bemühen um ihren geliebten Nussknacker. Diesen gestaltet Adhonay Soares Da Silva zuerst passend hölzern wie gefangen in seinen Schritten, dann fast unbekümmert, gelöst nach der Befreiung und mit schöner harmonischer Linie im vereinenden Pas de deux. Gelenkt wird dieses Glück auf märchenhaft realen Umwegen jetzt vom Halbsolisten Timoor Afshar mit einer würzigen Note aus onkelhaftem Wohlwollen und verwunderlichem Gebaren, die auch in seinen tänzerischen Passagen bestimmend ausdrucksvoll bleiben.

Die von Clug sehr gewinnend, mit dankbaren Details gezeichnete Rolle von Claras Bruder Fritz hat jetzt Alessandro Giaquinto übernommen. Er ist weniger der herzhaft strahlende und knackig tanzende Bub wie sein Premierenkollege, mehr ein lustvoll quirliger junger Mann, der lässig lockere Beinarbeit mit berührendem Zugetansein zur Schwester verbindet.

Neben den bereits erwähnten Kamelen standen vor allem die Käfer in Gestalt von Kindern aus den unteren Jahrgängen der John Cranko-Schule am höchsten in der Gunst des Publikums. Und auch das Staatsorchester Stuttgart unter der wie immer animierenden Leitung von Wolfgang Heinz bekamen gehörig viel Begeisterung ab.

 Udo Klebes

 

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