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STUTTGART/ Ballett: DER NUSSKNACKER – erneuter Personalwechsel an der Spitze

16.12.2022 | Ballett/Tanz

Stuttgarter Ballett

„DER NUSSKNACKER“ 14.12. 2022– erneuter Personalwechsel an der Spitze

nussknacker aleman, giaquinto, kinder 1.akt 14.12.22
 Rocio Aleman (Clara) und Alessandro Giaquinto (Fritz) mit den Kindern im 1.Akt. Foto: Stuttgarter Ballett/Roman Novitzky

Sie haben nicht nur die gleiche Muttersprache, sie sind vor allem ein bemerkenswert attraktives und harmonisches Paar: Rocio Aleman und Marti Fernandez Paixa. Vielleicht berührte auch deshalb Claras zunächst unerklärbare Zuneigung zum von Patenonkel Drosselmeier geschenkt bekommenen Nussknacker bis hin zu dessen befreiter wahrer Natur mit den beiden besonders. Bei ihr überzeugt die völlig ungekünstelte Verwandlung in ein freudenvoll phantasiereiches Mädchen im Umgang mit den Menschen und auch den in ihrem Traum zu großen Tieren erwachsenden Spielsachen wie auch ihr tänzerisch anmutiges, Technik und Spiel organisch verbindendes Profil. Bei ihm blitzt bereits in Gestalt des Nussknackers etwas vom verbannten Neffen Drosselmeiers in den Marionetten angenäherten Sprüngen und Bewegungsmustern durch, ehe er zu einem wahrlich strahlenden Prinzen befreit wird. Im beide vereinenden Pas de deux, in den Edward Clug einige klassische Reminiszenzen eingebaut hat, kommt auch wieder – trotz eines kurzen Hebehängers – seine partnerschaftliche Geschicklichkeit zum Tragen.

Die erste solistische Prüfung wurde Gruppentänzer Martino Semenzato mit seinem Debut als Drosselmeier auferlegt. Technisch bietet die Rolle zwar keine Herausforderung, aber Ausdruck und persönliches Charisma sind hier umso mehr gefragt; und diesbezüglich empfiehlt sich der Italiener mit einem spürbaren Sinn für Humor aber auch skurrile Akzente für größere Aufgaben.

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Rocio Aleman (Clara) und Marti Fernandez Paixa (Nussknacker-Neffe) beobachtet von Martino Semenzato (Drosselmeier). Foto: Stuttgarter Ballett/Roman Novitzky

Neben Alessandro Giaquintos wieder sehr bein-agilem und spielfreudigem Fritz stand jetzt Flemming Puthenpurayil als Vater Stahlbaum auf der Leiter zum Christbaum-Schmücken bzw. vermittelte er einen gütig warmen Charakter. Diverse Umbesetzungen in den Kleingruppen bestätigten nochmals, dass die gemeinschaftliche Leistung hier entscheidend ist und jedenfalls keinen wesentlichen Einfluss auf Qualitätsunterschiede hat.

Es wurde auch nochmal bewußt, wie stimmig Choreograph und Ausstatter zusammen gewirkt und adäquate Alternativen für traditionelle Darstellungen gefunden haben, vor allem auch die heute so in der Kritik stehenden Arabischen und Chinesischen Tänze. Diverse Abstriche beim Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Wolfgang Heinz, z.B. ein wiederholt nicht sitzender Schluss-Akkord des ersten Grand Pas de deux-Satzes, hin oder her – das Publikum schließt auch sie in die allgemeine Begeisterung mit ein.

 

 Udo Klebes

 

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