Strasbourg: Das Wunder der Heliane von E.W.Korngold, Französische Erstaufführung 21.1.2026.

Foto: Klara Beck
Es scheint unglaublich, dass diese Oper, neben der TOTEN STADT, die ebenfalls in Strassburg erst 2001 erstaufgeführt wurde, die größte Oper des einstigen Wunderkindes Korngold, in diesen Tagen ihre französische Erstaufführung erlebt. Das hängt aber damit zusammen, dass sie seit ihrer UA Ende der 20er Jahre in Hamburg erst ein Sensationserfolg war, dann aber neben den anderen Erfolgsopern wie „Jonny spielt auf“, Strawinskys Balletten, Brecht-Weil und auch der Schönberg-Berg Richtung ins Hintertreffen geriet, und mit der Machtübernahme der Nazis (Korngold musste als Jude emigrieren) in Vergessenheit geriet. Natürlich kam die Wiederentdeckung in den deutschsprachigen Ländern früher zustande, nun konnte aber auch in Frankreich mit einer fulminanten Wiedergabe dieser mittelalterlich angehauchten Mysterienoper die Wiederentdeckung Korngolds weitgehend abgeschlossen werden.
Die musikalische Leitung hat Robert Houssart übernommen ,ein Niederländer, der in Brüssel und Kopenhagen wirkte und der das Orchestre philharmonique de Strasbourg zu einer glitzernd-gleißenden Wiedergabe dieser Partitur animierte, die ein Gottesgericht über die Königin beinhaltet, die Wiedererweckung eines Fremden, der die Liebe und Freiheit predigte, der vom Herrscher festgenommen wurde, und der sich selbst umbrachte, weil er die physische Liebe der Königin nicht erreichen konnte.
Die Inszenierung fußt auf einer Auseinandersetzung der Nederlandse Reisopera mit dem Werk von 2023, die der Regisseur Jakob Peters-Messer in einer modernen Inszenierung für die Opera du Rhin neu interpretierte. Im 1 Akt sehen wir auf der weitgehend leeren beige-braun ausgeleuchteten Bühne den gefangenen Fremden, dem sein Todesurteil vom Schließer verkündet wird. Herrscher und Königin treten auch auf,und letztere bekennt sich zu ihrer Liebe zu dem Fremden, deshalb sollen im 2.Akt 7 Richter das Urteil über Heliane sprechen. Diese sitzen an einer schräg auf der Bühne placierten Tischreihe mit Mikrophonen (Decors, lumieres, Video von Guido Petzold). Eine Botin tritt auch auf, die das Leben Helianes fordert und im 3.Akt das Volk einpeitscht. Da das Erweckungswunder aber erst mit Verspätung einsetzt, gibt der Herrscher die Königin zur Verbrennung auf dem Holzstoss frei. Die Chöre tragen hier alle weiße Neonröhren. Die modernen Gewänder, Anzüge der Herren, Richterkutten, das körperbetonte raffinierte Kleid für Heliane stammen von Tanja Liebermann. Die Botin erscheint geradezu in einem Business Kostüm.
Ein durchs Geschehen geisternder Engel, die Tänzerin Nicole van den Berg, tanzt in einer Mönchskutte mit Kapuze in eigener Choreographie.
Bei den zum Ende sich ablösenden dramatischen Episoden wir der zerrissene silberne Himmel durchsetzt von feurigen Blitzen und goldenen Flammen.
Die Einstudierung der wuchtigen und oft synkopisch komponierten Chöre hat Hendrik Haas übernommen. Zwei seraphische Stimmen daraus übernehmen Ga Young Lim und Clemence Baiz. Den jungen hassverblendeten Mann singt Massimo Frigato. Der Richter ‚Port-Glaive’/blind mit Sonnenbrille: Paul Mc Namara eher baritonal. Die sechs weiteren Richter sind Glen Cunningham, Thomas Chenhall, Michal Karski, Pierre Romainville, Eduard Ferenczi Gurban und Daniel Dropulja zumeist aus dem Opernstudio. Den Schließer gibt mit markant-feinem Bariton Damien Pass. Die Botin singt Kai Rüütel-Pajula mit glitzernd pointiertem Mezzosopran.
Der Herrscher wird in elegant schwarzem Anzug mit fließendem gleichzeitig prononciertem Bariton oft räsonierend von Josef Wagner vorgetragen, als erkennte er in seiner Macht seine eigentliche Machtlosigkeit. Der fast ein wenig bäuerlich gekleidete Fremde wird von Ric Furman mit angenehmem hell timbriertem Tenor gegeben.
Die Heliane ist in Gestalt der Deutschfranzösin Camille Schnoor eine unaufdringliche Schönheit mit langen strähnig braunen Haaren. Sie ist mit Emphase in die Rolle eingegangen und kann sie stimmlich mit schlankem Sopran wunderbar ausfüllen, auch wenn man noch Rollenvorgängerinnen wie Sally du Rand im Ohr hat.
Friedeon Rosen

