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STAR TREK INTO DARKNESS

06.05.2013 | Allgemein, FILM/TV

Ab 9. Mai 2013 in den österreichischen Kinos
STAR TREK INTO DARKNESS
USA  /  2013
Regie: J.J. Abrams
Mit: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana u.a.

Jedes Jahrhundert hat seine Mythen, und das 20. hat uns einige beschert. „Star Trek“ zählt da (neben den „Star Wars“) vermutlich zu den stärksten – ob sich diese spezifische Space-Welt so lange halten wird wie König Artus oder die Nibelungen, das wissen wir natürlich nicht, aber die momentane Auferstehung dessen, was in den sechziger Jahren auf den Fernsehschirmen begann,  ist Regisseur J.J. Abrams schon zum zweiten Mal geglückt. Und ziemlich sicher besteht sein Erfolgsrezept darin, nicht das Allgemeine (denn Weltraum-Filme gibt es so viele, wie man schon wieder vergessen hat), sondern das Besondere zu betonen – die Besatzung der „Enterprise“.

Nun sind die Geschichten um das ursprüngliche Raumschiff in den Jahrzehnten nach den Anfängen immer wieder ausgeweitet worden, die daraus entstandenen Filme paraphrasierten die Fernsehserien. Aber 2009 hat Regisseur J.J. Abrams nach längerer Kinopause neu angesetzt – und ging zu den Wurzeln: zu Captain James T. Kirk, zu Mr. Spock (damals schaute – quasi als Zitat – auch der alte Leonard Nimroy als alter Spock noch einmal vorbei), zu Dr. Bones, zu Uhara, Scotty, Sulu, Chekov. Alle da, der Erfolg war bedeutend, Fortsetzung folgte. Und ist nun wieder gelungen. Weil man sich eben wieder an die ursprünglichen Gestalten hielt.

Nun mag zwar Chris Pine (auf den Spuren von William Shanter) nur das brave amerikanische Durchschnittsgesicht für James T. Kirk sein, aber so ist die Figur ja eigentlich angelegt, aufrecht,  doch dazu fähig, sich gegen Vorschriften hinwegzusetzen, wenn es etwa darum geht, das Leben seines Freundes Spock zu retten, der in Lavafluten zu ertrinken droht… Damit beginnt der Film, eine gewaltige vulkanische Feuerschlacht, einleitende Action, bevor sich Kirk dann von seinen Vorgesetzen maßregeln lassen muss.

Aber, wie das Leben so spielt, ist Spock ja nur halb Mensch, halb „Vulkanier“ (in den Star Trek-Kosmos muss man sich schon einleben, das sind Welten für sich, da gibt es auch Spezialisten im Publikum), der immer gnadenlos korrekt (auch politisch korrekt) ist und eigentlich menschliches Fühlen nicht kennt. Besonders nett, wenn er es doch in sich spürt und nicht unterdrücken kann – und Zachary Quinto bringt unendliche darstellerische Sensibilität und großen persönlichen Reiz für die Figur mit.

  

Der Doktor als Temperamentsbündel ist bei Karl Urban bestens aufgehoben, und Simon Pegg als eigenwilliger Schotte „Scotty“ (mit ebensolchem Akzent in der Originalfassung) amüsiert, wann immer er durchs Geschehen düst und sich als ebenso empfindlicher wie unentbehrlicher Technik-Guru erweist. Desgleichen Anton Yelchin mit entsprechendem Akzent als Pavel Chekov, und „Star Trek“ hat eigentlich von Anfang an dem Multi-Kulti-Aspekt der amerikanischen Gesellschaft Rechnung getragen mit der schönen dunkelhäutigen Uhara (Zoe Saldana hat allen nötigen optischen Reiz) und dem Japaner Sulu (John Cho). Bis auf den Letztgenannten, der meist nur an seiner Konsole sitzen darf, bekommen alle anderen die Möglichkeit, sich als Individuen zu entfalten.

Im übrigen hat der wirklich sehr begabt verfahrende Regisseur für eine intelligente Blondine gesorgt (sehr hübsch, auch halbnackt, aber sehr charakterfest: Alice Eve als Dr. Carol Marcus) – und für einen Bösewicht, der sich sehen lassen kann: Seit Benedict Cumberbatch in der Fernsehserie „Sherlock“ über die Bildschirme geirrlichtert ist, kennt man auch hierzulande sein Gesicht, und für einen unberechenbaren Gegenspieler bringt er eine Menge mit (wenn da auch alte Herren im Hintergrund walten, die auch nicht ohne sind, wie Peter Weller als finsterer Admiral).

Worum es geht? Natürlich muss wieder einmal die Welt gerettet werden (so, wie sie halt irgendwann in der Zukunft aussieht, wenn Klingonen und andere Humanoiden an der Tagesordnung sind), aber das System: Die Guten gegen die potentiellen Weltvernichter, ist immer dasselbe, ob James Bond oder Captain Kirk darauf angesetzt sind. Das Ambiente ändert sich eben, die nun schon obligate 3 D-Welt explodiert (vor allem, wenn man durch rote Wälder läuft…), aber am liebsten guckt man doch in die netten Augen von Spock und sucht (und findet) menschliche Regung darin…

Renate Wagner

 

 

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