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STADTTHEATER BADEN: THE SOUND OF MUSIC von Rogers & Hammerstein am 11.2.2026

13.02.2026 | Operette/Musical/Show

STADTTHEATER BADEN: THE SOUND OF MUSIC von Rogers & Hammerstein am 11.2.2026

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Foto: Robert Quitta)

 Von den drei Produktionen, die Neo-Intendant Andreas Gergen in Baden selbst inszeniert hat, ist. The Sound of Music (nach Wicked und Matilda) wohl die rundum gelungenste.

Und das liegt natürlich auch in erster Linie am Stück. Sound of Music ist – allen jahrzehntelangen anti-amerikanischen Ressentiments (kitschig, schnulzig, nicht realistisch, war gar nicht so) – ein absolutes Meisterwerk. Ein geniales Buch (mit von Anfang bis zum Ende schlüssig gestalteten Motiven – wie zb. den Bergen), witzige Dialoge, in den weltweiten Wortschatz eingegangene Liedtexte und die schon fast gemeingefährliche Ohrwurmhaftigkeit der Songs von Richard Rogers.

Der tieferliegende Grund für den bis heute anhaltenden globalen, Milliarden von Menschen bewegenden, Erfolg scheint mir aber zu sein, dass The Sound of Music eine überwältigende Hymne auf die Kraft der Musik ist: auf ihren Triumph über die pathologische Trauer, das Unglück, das Verbrechen, das Böse und sogar den Tod-

The Sound of Music ? The Sound of Life !

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Foto: Bühne Baden/ Christian Husar

Musikalisch und darstellerisch ist diese Aufführung ein Fest. Katherina Gorgi ist eine vor Lebenslust, Naturverbundenheit und allumfassender Liebe nur so strotzende glockenhelle Maria, Lukas Perman überzeugt als ernster und gefasster Baron von Trapp, Maya Hakvoort als gestrenge, aber mitfühlende Mutter Oberin. Und die sieben Kinder sind überhaupt ein Wahnsinn, vor allem auch die zwei jüngsten, kaum erst geschlüpften. In der Sprechrolle der Haushälterin überrascht ÖBB-Stimme Chris Lohner äußerst positiv. Hervorragend auch die Choreographie vom Kim Duddy und die musikalische Leitung von Michael Zehetner.

Leichte Einschränkung betreffen vor allem das Bühnenbild von Court Watson.Der von Statisten hereingeschobene Plastikgrashügel ist einfach nur lächerlich und abtörnend.

Und der Ansatz, aus dem Film bekannte Kulissen (Treppe im Herrenhaus, ein halber Pavillon etc.) mit weitaus geringeren Mitteln ein bissl nachzubauen, kein glücklicher.

Da hätte man einen eigenen optischen Weg gehen müssen.

Überflüssig bis ärgerlich auch die „zeitgeschichtlichen“ Ergänzungen, auf die Struppeck/Gergen so stolz sind wie z.B. die hinzugefügte Anfangsszene, in der halbbegabte Statisten hinter einem Gaze-Vorhang GIs mimen, die mit Machinengewehrattrappen 1945 Salzburg einnehmen. Liebe Freunde aus dem Norden, sogar wir Ösis haben mittlerweile kapiert, dass die Nazis keine Guten waren. Aber tanzende SA-ler, braune Hemden, Hakenkreuzarmbinden und ein bühnenfüllendes Hakenkreuz fallen ästethisch gesehen nicht unter Aufklärung, sondern unter Wiederbetätigung. Dieses musikalische Meisterwerk trägt das alles ganz allein auch ohne !

Wie man sehr gut auch bei dem hingezügten Schluss-Schluss sehen konnte: denn nach dem tosenden Applaus und den begeisterten Standing Ovations kommt das riesige Ensemble noch einmal auf die Bühne, und Lukas Perman fordert uns Zuschauer auf, gemeinsam mit ihnen Edelweiss zu singen. Was man zuerst für einen populistischen Gag à la Radetzkymarschmitklatschen hält, wird zum abschliessend bewegendsten Moment des ganzen Abends. Das geniale Lied drückt auf subtilste Weise genau das aus, was vorher die Antifa-Mätzchen vergeblich versucht haben zu erreichen. Die Tränen flossen in Strömen. Dieses Finale widmete ihnen Kleenex.

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Foto: Bühne Baden/ Christian Husar

 PS: Es gibt ja die verbürgte Anekdote, dass Rudolf Sallinger, als er bei einem Staatsbesuch Präsident Reagan einen Lipizzaner schenkte, von der anwesenden Militärkapelle mit „Edelweiss“ begrüsst wurde, weil man das für die Österreichische Nationalhymne hielt. Nachdem sich Andy Herzog gerade wieder einmal wortreich darüber beklagt hat, dass wir mit unserer derzeitigen langweiligen keinerlei Chance gegenüber den fetzigeren Hymnen anderer Länder haben, sollte man doch vielleicht ernsthaft überlegen, Edelweiss auch offiziell zur Nationalhymne zu erheben. Unterschreibt das diesbezügliche Volksbegehren!

 Robert Quitta, Baden bei Wien

 

 

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