ST.PÖLTEN / SommerTheaterPark
12.07.2926: „RAINER & FRIENDS“. – Ballettgala mit internationalen Gästen und jungen Talenten
Im Rahmen von „SommerTheaterPark“ gab es als besonderes Highlight eine Neuauflage der Ballettgala „Rainer & Friends“: wie bereits im Vorjahr brachte Rainer Krenstetter, Wiener Tänzer mit internationaler Ballettkarriere – er war u.a. Erster Solotänzer beim Staatsballett Berlin und im Miami City Ballet – seine Veranstaltung nach St.Pölten. Machte im Vorjahr das wechselhafte Wetter mit Wolkenbruch und Gewitter die Verlegung der Vorstellung ins neben der Freiluftbühne gelegene Kulturhaus Wagram nötig, so schickte diesmal der Wettergott einen lauen Sommerabend, sodass trotz wolkenverhangenem Himmel der Ballettabend wie geplant als Open Air-Event stattfinden konnte.
Schon während seiner aktiven Zeit als Tänzer hat sich Rainer Krenstetter stark in der Förderung von Ballettnachwuchs engagiert, indem er seine Erfahrung gern an den Ballettnachwuchs weitergibt und an vielen Orten weltweit unterrichtet. Seit mittlerweile 13 Jahren arbeitet er mit Michael Fichtenbaum und dem Europaballett St.Pölten zusammen. Rainer Krenstetter gibt hier gern im Sommer bei den dortigen Ballettworkshops als einer der Pädagogen Training; auch heuer war er wieder beim „Dance Flash“ Teil des Teams. Die rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieses Sommerworkshops durften dann auch bei der Gala ihr Können zeigen.

Die jungen Tanztalente vom Dance Flash-Workshop im peppigen Jazztanz (© Europaballett / W. Mayer)
Nach der Begrüßung durch Anastasia Irmiyaeva, der künstlerischen Leiterin von „SommerTheaterPark“, startete der Abend mit einer Choreografie von Rainer Krenstetter als Opening passend für alle unterschiedlichen Altersgruppen der Mitwirkenden im Dance Flash zu Marschmusik, u.a. von John Philip Sousa, am Klavier begleitet von Noriko Kawase Schmidt. Die jungen Talente tanzten dann noch eine flotte Tarantella (Choreografie: Kristina Krylova). Als Beispiele für unterschiedliche Tanzstile gab es die zeitgenössische Kreation „It Must Have Been Love“ von Florient Cador zum bekannten Song von Alex Goot und Andie Case sowie das dynamisch getanzte Jazz-Stück „What is Jazz“ von Artur Kolmakov (Musik: Club de Belugas) für die jungen Teilnehmenden vom Dance Flash-Workshop.
In seinen kurzen Ansprachen hat Rainer Krenstetter erläutert, warum er für diesen Anlass von „Rainer & Friends“ für sich drei ganz besondere Piecen ausgewählt hat: er tanzte das von Renato Zanella für ihn kreierte Solo „Barocco“ zu Musik von Georg Friedrich Händel. Vor 15 Jahren in St.Pölten uraufgeführt, hat Rainer Krenstetter das Stück seinem Vater, dem ehemaligen Staatsopernballetttänzer Gottfried Krenstetter gewidmet, der damals trotz seiner schweren Erkrankung noch in der Vorstellung sein konnte – entsprechend emotional war für Rainer Krenstetter dieser Auftritt jetzt erneut. Durch sein Engagement im Miami City Ballet, in dem vor allem Werke von George Balanchine im Repertoire sind und wo dieser besondere Stil des neoklassischen Balletts große Tradition hat, war es Rainer Krenstetter ein großes Anliegen, bei dieser Gala nun einen Ausschnitt aus der Choreografie zu tanzen, mit der er sich vor vier Jahren in Miami von seinem dortigen Publikum verabschiedet hat, um nun als Pädagoge, Trainingsleiter und Tänzer überall tätig sein zu können. Mit Emily Bromberg, die damals im Miami City Ballet seine Partnerin war, tanzte er stilvoll den Pas de deux aus „Diamonds“ aus „Jewels“ von George Balanchine © The Balanchine Trust. Eine persönliche Premiere gab es für ihn mit dem letzten Beitrag im Programm: „Le Parc“ von Angelin Preljocaj kannte er aus seiner Zeit im Berliner Staatsballett, hat es dort aber nie getanzt. Ähnlich wie bei Balanchine-Kreationen muss auch hier die Aufführung genehmigt sein und so kam Claudia De Smet für vier Tage zur Einstudierung vom Pas de deux aus dem zweiten Teil dieses Ballettes zu Musik von Wolfgang Amadeus Mozart: gefühlvoll interpretiert und sensibel getanzt – so begeisterten Emily Bromberg und Rainer Krenstetter durch ihre Bühnenpräsenz das Publikum.

Emily Bromberg und Rainer Krenstetter im Pas de deux aus „Le Parc“ (© Europaballett / W. Mayer)
Aber auch die internationalen Gäste reüssierten mit ihren Auftritten.
Olga Chelpanová (Slovak National Theatre), Nina Fernandes (Czech National Ballet) und Kleber Rebello (Ballet du Capitole de Toulouse) überzeugten im mit Verve getanzten Pas de trois aus “Paquita“ (Musik: Ludwig Minkus; Choreografie: Joseph Mazilier); drei weitere Variationen aus diesem Ballett wurden von den jungen Talenten Rino Kawanishi, Valeria Tisanova und Maho Ogawa gezeigt.

Nina Fernandes, Kleber Rebello und Olga Chelpanová im Pas de trois aus „Paquita“ (© Europaballett / W. Mayer)
Während Olga Chelpanová und Kleber Rebello noch mit einem mitreißend dargebotenen Pas de deux aus „Die Flammen von Paris“ (Choreografie: Vasily Vainonen; Musik: Boris Asafjew) sehr gefielen, überzeugte Nina Fernandes als fragiles Vogelwesen, das sein Leben aushaucht mit dem bekannten klassischen Solo „Der Sterbende Schwan“ in der Choreografie von Michail Fokine zur Komposition von Camille Saint-Saëns, feinfühlig am Klavier von Elzbieta Wiedner-Zajac intoniert.
Nina Noč und Kenta Yamamoto – beide vom Slovenian National Ballet – gefielen außerordentlich gut mit dem innig getanzten Duett aus „Dr Zhivago“ in der Choreografie von Jiři Bubenicek zu Musik von Dmitri Schostakowitsch sowie dem harmonisch dargebotenen Adagio aus „Le Corsaire“ (Musik: Léo Delibes, Choreografie: José Carlos Martinez). Zwei Variationen aus diesem beliebten Klassiker tanzten hier Anita Porelli und Jozefina Andela Špicková.

Nina Noč und Kenta Yamamoto im Duett aus „Dr Zhivago“ (© Europaballett / W. Mayer)
Natürlich durfte auch ein Auftritt vom Europaballett St.Pölten nicht fehlen: die Compagnie der niederösterreichischen Landeshauptstadt reüssierte mit „Adiemus“ von Michael Kropf zur Musik von Karl Jenkins.
Das Publikum war vom Dargebotenem sehr angetan und spendete den jungen Talenten und den arrivierten internationalen Gästen reichlich Beifall – die zweite Gala „Rainer & Friends“ war wieder ein voller Erfolg und man darf sich bereits auf den kommenden Galaabend 2027 freuen.
Ira Werbowsky

