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ST. PÖLTEN/ NÖ: Die Umarmung der Welt“ mit barocken Armen. St.Pölten feierte triumphal das 20jährige Barock Festival auf historischem Boden

12.06.2026 | Konzert/Liederabende

Die Umarmung der Welt“ mit barocken Armen

St.Pölten feierte triumphal das 20jährige Barock Festival auf historischem Boden

Konzerte mit Alter Musik häufen sich in letzter Zeit in unserem Lande. Barockkonzerte an so passenden Orten wie St. Pölten zu hören, verhilft aber doch zu nicht alltäglichen Erlebnissen. Seit 40 Jahren Hauptstadt von Niederösterreich, besinnt sich die Stadt dankenswerterweise ihres Kulturbewusstseins und bietet ein verstärktes Musikangebot für ihre Bewohner und Gäste. Ein besonders einträgliches Jubiläumsjahr gilt es 2026 zu feiern. Das Festspielhaus mit einem auffallend vielfältigen Programm gibt es seit dreißig Jahren, und das Barock Festival in St. Pölten feiert dieser Tage sein bereits 20 jähriges Jubiläum. Gerade am richtigen Ort, umgeben vom historischen Erbe verschiedener Barockbaumeister und Barockmaler, deren Gedenktafeln an den Häusern der Stadt im Vorbeigehen an ihre Bedeutung erinnern. Fast könnte man St. Pölten zu einer Barockstadt per se ernennen. Da lebten und wirkten etwa der Baumeister Jakob Prandtauer oder die Maler Bartolomeo Altomonte (Hohenberg), Joseph Muggenast und Martin Johann Schmidt (Kremser Schmidt) als Zeitgenossen der barocken Komponisten mit der Musik und schufen auch eine Raum-Klangkunst für passende Aufführungsorte. Der Dom von St. Pölten, in den zahlreiche Besucher strömten, erwies sich nicht von ungefähr als ideal für das Eröffnungskonzert. Dieses gelang insgesamt als ein barockes Gesamtkunstwerk mit einem symmetrischen Aufbau des Programms. Der Titel lautete fast geheimnisvoll AEIOU (Amor Electis Iniustis Ordinor Ultor) nach Kaiser Friedrich III und galt als Symbol für das Haus Habsburg. Man könnte diesen Wahlspruch auch als „meine Liebe gilt den Auserwählten, aber den Ungerechten mein Zorn“ deuten. Die Verbindung zur Sakralmusik der Hofmusikkapelle jener Zeit ergibt sich von selbst. Die großartige Auswahl an Stücken lüftete das Geheimnis. In zehn Tagen bis zum Jubiläumsfinale wird also die Barockwelt in St.Pölten umarmt von hochrangigen Musikern, von denen man jeden für sich am liebsten umarmen wollte. Die Protagonisten des außergewöhnlichen Projektes waren Festivalintendant Alois Mühlbacher und dessen geistiger Ziehvater Dirigent Franz Farnberger, der seinen einstigen Florianer Sängerknaben zu einem inzwischen international gefragten Countertenor führte. Eine technisch so brillant geführte Stimme, dass man für diese ein eigenes Fach erfinden müsste. Eine Stimme wie vom Himmel gefallen, die auf der Erde einen hellen virtuos gezauberten Sopranglanz entfaltet, wie man ihr diesmal besonders beim Vortrag von kaiserlicher Musik begegnete. Mühlbacher hat gemeinsam mit Farnberger auch schon ein eigenes Ensemble gegründet. Es nennt sich PALLIDOR nach dem Pseudonym des Dichters Christian Lehms (1684-1717) und musizierte natürlich mit der gleichen Leidenschaft wie seine Vorbilder. Das sakrale Programm spielte es auf eine nach Regeln Alter Musik faszinierende Art gestalterischer Größe. Auf den Orgeln im Presbyterium und auf der Empore zeigte sich Erich Traxler als unentbehrlicher Großmeister für die Werke von Georg Muffat und Johann Kaspar Kerll, letzterer im weiteren Programm auch mit einer Streichersonate vertreten. Antonio Caldara, Marc Antonio Ziani und als große Überraschung Werke von Kaiser Joseph I (Großvater Maria Theresias) steigerten noch den Genuss von Sakralmusik aus dem höfischen goldenen Zeitalter. Ein Barockkonzert ohne ein Bach-Vorkommen, ja das konnte es auch geben. Lag doch bei der Programmwahl wohl mit Absicht der Fokus auf bekannten, aber doch nicht oft zu hörenden Komponisten. Erst nach zwei Zugaben trennte sich das Publikum von dem Exklusivabend, nachdem Mühlbachers Ansage „das ist das letzte Alleluja“ das Finale verkündet hatte. Gratulation und noch viele Erfolge den Jubiläumskünstlern.

 Georgina Szeless
Kulturjournalistin

 

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