Der BLINDE PASSAGIER, ein Schauspiel von Maria Lazar
Österreichische Erstaufführung
Premiere 13.03.2026 – nur 8 Aufführungen geplant!
Dem Landestheater NÖ unter der künstlerischen Leitung von Marie Rötzer ist wieder ein Coup gelungen: die österreichische Erstaufführung von DER BLINGE PASSAGIER, ein Schauspiel von Maria Lazar.
Unbedingt ansehen! Das Thema des Stückes aus 1938/39 ist hochaktuell!
Wie viel Gefahr ist man selbst bereit einzugehen, um einem Fremden zu helfen?
Das ist die zentrale Frage des Schauspiels „Der blinde Passagier“. Kapitän Petersen, seine Tochter Nina, sein Sohn Carl, seine Frau und der Steuermann Jörgen gehen unterschiedlich mit der Herausforderung um.

Julian Tzschentke als Jörgen – Laura Laufenberg als Nina – Tobias Artner als Carl
© Luiza Puiu
Maria Lazar schrieb dieses Theaterstück 1938/39 im dänischen Exil. Kein Theater in Kopenhagen wagte es damals, das Stück aufzuführen. Zu provokant stellte die Autorin die Frage nach menschlicher und politischer Verantwortung!
Die Handlung
Das Stück spielt auf einem dänischen Paketboot, das an deutschen Häfen Geschäfte abwickelt. In die politischen Verhältnisse will man sich nicht einmischen, auch wenn man hautnah miterlebt, wie ein Mann durch die Straßen gejagt wird und sich durch einen Sprung ins Wasser „rettet“! „Wahrscheinlich irgendein Verbrecher.“ Im kalten Wasser wird er nicht lange überleben.
Carl, der Sohn des Kapitäns, zieht ihn aus dem Wasser und versteckt ihn im Frachtraum. Auf dem kleinen Schiff wird der heimliche Gast bald vom Rest der Besatzung entdeckt. Als sich herausstellt, dass der blinde Passagier ein jüdischer Arzt ist, der vor den Nationalsozialisten geflohen ist, eskaliert die Situation. Die Rettung des Fremden bringt alle an Bord in größte Gefahr. Wie gehen die einzelnen Personen mit dem blinden Passagier und ihrer Verantwortung um? Der Selbstmord Hartmanns entbindet alle an Bord von weiteren Entscheidungen!
Die Botschaft
Aus einem „Krimi“ wird plötzlich ein gesellschaftspolitisches Drama, in dem es um individuelle wie auch um kollektive Verantwortung geht. Wie weit würden wir gehen, um ein anderes Leben zu retten? Wie stark ist der Zusammenhalt unserer Gesellschaft vor dem Hintergrund einer nahenden Katastrophe?

© Luiza Puiu
Die Idylle täuscht!
Bettina Kerl als Mutter – Wolfram Rupperti als Kapitän und Vater – Laura Laufenberg als Tochter Nina – Julian Tzschentke als Steuermann Jörgen und Ninas Verlobter – Lukas Walcher als blinder Passagier Dr. Hartmann
© Luiza Puiu
Die Autorin Maria Lazar
Maria Lazar, 1895 in Wien als jüngstes von acht Kindern einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren, besucht die Schwarzwald-Schule, wo ihr literarisches Talent erkannt und gefördert wird. Erste Erfolge erzielt sie mit „Die Vergiftung“ und „Der Henker“. Maria Lazar arbeitet als Journalistin und Übersetzerin, u.a. von F. Scott Fitzgeralds „The Great Gatsby“, und publiziert ab 1930 unter dem Pseudonym Esther Grenen. Im Sommer 1933 emigriert Maria Lazar nach Dänemark, wo sie in direkter Nachbarschaft zu Bertolt Brecht und Helene Weigel lebt. 1939 flieht Lazar nach Schweden. Nach jahrelanger Krankheit begeht sie 1948 in Stockholm Selbstmord. Ihr Nachlass wird erst 2022 geöffnet und kommt als Schenkung an die Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien, wo Albert C. Eibl im Rahmen seines Verlages „Das vergessene Buch“ Pionierarbeit bei der Aufarbeitung leistet.
Die Inszenierung
Mira Stadler gelingt in 1 Stunde und 40 Minuten eine beeindruckende Inszenierung auf der Bühne von Mira König und mit der Musik von Aki Traar. Die Schauspieler und das Leading Team werden mit großem Schlussapplaus vom Publikum gefeiert. Interessant ist, dass auch die Uraufführung von „Der blinde Passagier“ im Mai 2025 im Düsseldorfer Schauspielhaus von einer Frau, Laura Linnenbaum, inszeniert wurde. Die Salzburger Festspiele haben bereits im Sommer 2024 unter dem Titel „Vergessene Stücke“ Texte aus „Der Blinde Passagier“ im Mozarteum zur Aufführung gebracht!
Elisabeth Dietrich-Schulz

