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ST.PÖLTEN / Kulturhaus Wagram: „RAINER AND FRIENDS“. – Ballettgala mit arrivierten Stars und jungen Talenten

12.07.2025 | Ballett/Performance

ST.PÖLTEN / Kulturhaus Wagram: 10.07.2025: „RAINER AND FRIENDS“. – Ballettgala mit arrivierten Stars und jungen Talenten

Im Rahmen von „Sommer Theater Park“ gab es diesmal ein besonderes tänzerisches Highlight: Rainer Krenstetter, Wiener Tänzer mit internationaler Ballettkarriere – er war u.a. Erster Solotänzer beim Staatsballett Berlin und im Miami City Ballet – brachte die Ballettgala „Rainer and Friends“ nach St.Pölten. Geplant als Open Air-Event in lauer Sommernacht, machte das wechselhafte Wetter mit Wolkenbruch und Gewitter die Verlegung der Vorstellung ins neben der Freiluftbühne gelegene Kulturhaus Wagram nötig. Die Ballettveranstaltung von „Rainer and Friends“ gab es bereits mehrfach in den USA, jetzt ist dieses Ballettereignis erstmals in Österreich zu sehen gewesen.

Nach der Begrüßung durch Anastasia Irmiyaeva, der künstlerischen Leiterin von „Sommer Theater Park“, startete der Abend mit Walzer „Rosen aus dem Süden“ in der Choreografie von Michael Fichtenbaum, getanzt vom Europaballett St.Pölten, dessen Leiter Michael Fichtenbaum ist. Mit dem von acht Tänzerinnen und vier Tänzern getanzten Entrée war damit nicht nur ein schwungvoller Beitrag zum aktuellen Johann Strauß-Jahr gegeben, sondern die junge Compagnie hat sich auch gekonnt präsentiert. Das Europaballett St.Pölten hat sich über die Jahre als wesentlicher und wichtiger Kulturfaktor über die Grenzen von Niederösterreich hinausgehend etabliert – waren doch u.a. Kirill Kourlaev, Karina Sarkissova und Natalie Kush hier in der Ballettausbildung, bevor sie ans Wiener Staatsballett engagiert worden waren, während Anna Yanchuk im Salzburg Ballett und Maria Abashova im Boris Eifman Ballett tanzen.

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Das Ensemble vom Europaballett St.Pölten mit „Rosen aus dem Süden“ (© Europaballett)

In einer abwechslungsreichen Abfolge des von Rainer Krenstetter zusammengestellten Programms waren Pas de deux aus bekannten klassischen Balletten ebenso zu sehen wie es interessante Begegnungen mit zeitgenössischen Choreografien gab.

Der Einladung zur Gala sind u.a. Tricia Albertson (Miami City Ballet), Rachele Buriassi und Esnel Ramos (Les Grands Ballets Canadiens), Simone Messmer und Lucas Erni (Ballett am Rhein), Krasina Pavlova und Arshak Ghalumyan (Staatsballett Berlin) sowie Denys Cherevychko (Internationaler Gastsolist) und Kyoka Mochizuki (Unblanche; Japan) gefolgt.

Rachele Buriassi und Esnel Ramos reüssierten im ersten Teil mit dem innig getanzten Pas de deux „Dans ma Main“ (Choreografie: G. Baars; Musik: J.M. Blais) und übertrafen diesen feinen Auftritt nach der Pause noch mit dem fulminant getanzten Pas de deux aus „Spartacus“ in der Choreografie des kürzlich verstorbenen Yuri Grigorovich zur bekannten Melodie von Aram Khatchaturian. Grandios, wie die beiden diese emotionale Szene aus dem Ballett voll intensiver Gefühle auf die Bühne brachten, ging es hier doch um den Abschied voneinander, weil er in den Kampf gegen die Römer ziehen muss.

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Grandios getanzt mit starken Emotionen: Rachele Buriassi und Esnel Ramos im Pas de deux aus „Spartacus“© @ljanosz)

Der Pas de deux „Maaleene D.“, den Arshak Ghalumyan zu einer Komposition von Sergei Rachmaninoff choreografiert hatte, wurde von ihm mit Krasina Pavlova sehr eindringlich getanzt. Der gebürtige Armenier hat bereits viele Choreografien für verschiedene Ballettcompagnien geschaffen und berührte die Zuschauenden mit seinem Anti-Kriegsstück. Ebenso schön anzusehen war dann noch der innige Pas de deux „Herrumbre“ von Nacho Duato zur Musikcollage (P. Alcalde, S. Caballero und D.Darling).

Den klassischen Schlusspunkt vor der Pause setzten Simone Messmer und Lucas Erni mit dem Grand Pas de deux aus „Dornröschen“ in der Choreografie von Marius Petipa zur Komposition von P.I. Tschaikowsky. Im zweiten Teil gefiel Simone Messmer mit der Schlangen-Variation der Nikia aus „La Bayadère“ (Choreografie: Marius Petipa; Musik: Ludwig Minkus), während Lucas Erni mit Kyoka Mochizuki den Grand Pas de deux aus „La Esmeralda“ (Choreografie: Jules Perrot; Musik: Cesare Pugni) präsentierten.

Stark im Ausdruck und charismatisch präsent: Denys Cherevychko brillierte im Solo „Voyage“ von Renato Zanella zur Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Der ehemalige Erste Solotänzer vom Wiener Staatsballett interpretierte dieses Solo besonders eindrucksvoll.

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Berührend getanzt: Denys Cherevychko in „Voyage“ © Frank Dominguez)

Schon während seiner aktiven Zeit als Tänzer hat sich Rainer Krenstetter stark in der Förderung von Ballettnachwuchs engagiert, da er damals selbst nach seinem Erfolg beim Prix de Lausanne erlebt hat, wie wichtig die Unterstützung für junge Tänzer ist. So war es ihm ein großes Anliegen, hier neben den arrivierten Gaststars auch der Ballettjugend eine Gelegenheit zum Auftritt als Sprungbrett für die Karriere zu bieten. Aleksandra Treimane fiel Rainer Krenstetter beim Baltic Ballet Competition auf, als er dort in der Jury saß und so lud er sie als Sonderpreis im Wettbewerb zu seiner Gala nach St. Pölten ein. Die großgewachsene Tänzerin präsentierte sich zunächst mit der Monolog-Variation der Gamzatti aus „La Bayadère“ (Choreografie: Natalia Makarova; Musik: Ludwig Minkus) sowie mit dem zeitgenössischen Solo „A Walk with Chalk“ (Choreografie: A. Freimans; Musik: Eldeerbrook).

Elisa Murg von der Ballettakademie des Wiener Staatsballetts hatte im Jänner den Grand Prix beim Youth America Grand Prix (YAGP) in Faro (Portugal) gewonnen und war danach im Finale der besten 12 Teilnehmenden vom YAGP in Tampa (Florida), so bekam sie ebenfalls von Rainer Krenstetter die Einladung zum Gala-Auftritt. Die 17jährige Tänzerin überzeugte mit ihrer technisch perfekten Darbietung und mit dem voll frischem, sprühendem Temperament getanzten Solo aus „La Esmeralda“ (Choreografie: Jules Perrot; Musik: Cesare Pugni).

Von den jungen Tanztalenten im Europaballett St.Pölten zeigte Nichika Shibate das Solo „Out of the Woods“ zum gleichnamigen Song von Taylor Swift in der Choreografie von Florient Cador, der auch „We Walk Fast“ für zehn Mädchen vom Education Programme des Europaballett St.Pölten kreiert hat zum Musikstück selben Namens von Saycet.

Vom Tanzzentrum Ballet Point in Wien zeigten elf Mädchen „Brusii e Battibecchi“, choreografiert von Gabriele Aime, Tänzer im Wiener Staatsballett, zu einer Musikcollage von M.Monk und Balkan Beat Box.

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Rainer Krenstetter mit Tricia Albertson in „Adagietto“ © Admill Kuyler)

Rainer Krenstetter, der den Ballettabend zwischen den Auftritten auch moderierte, demonstrierte seine Vielseitigkeit mit drei Beiträgen. Zunächst war er mit Kyoka Mochizuki im stilvoll interpretierten Adagio aus „Schwanensee“ zu sehen (Choreografie: Marius Petipa; Musik: P.I. Tschaikovsky). Seine Versiertheit im Balanchine-Stil demonstrierte er souverän mit Tricia Albertson, mit der er im Miami City Ballet oft und gern getanzt hatte, in „The Man I Love“ aus „Who Cares?“ von George Balanchine zur Komposition von George Gershwin. Als Abschluss des Programms folgte ebenfalls mit Tricia Albertson als Partnerin ein Auftritt in Renato Zanellas „Adagietto“, komponiert von Gustav Mahler (5.Sinfonie), sensibel und stimmig-harmonis getanzt von den beiden.

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Alle Gäste der Gala „Rainer and Friends“ beim Schlussapplaus (© Petra Werbowsky)

Im Finale zeigten dann noch einmal alle Mitwirkenden der Gala in rascher Abfolge kurze Sequenzen aus ihren Piecen. Das Publikum war begeistert und applaudierte minutenlang.

Ira Werbowsky

 

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