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St. Margarethen: AIDA

10.07.2014 | Oper

Opernfestspiele  St.Margarethen
AIDA IN MARGARETHEN – MONUMENTALE FILMKULISSE UND BELCANTO-GLANZ (
9.Juli 2014)

Am Anfang wurde gedankt: denn im Römersteinbruch in St. Margarethen ging gestern eine Ära zu Ende – Wolfgang Werner, der als Manager von Pop-Konzerten begonnen hat, musste heuer Konkurs anmelden. Doch eine neue Auffangfirma, in der vor allem die Eigentümer – die Esterhazy-Stiftung – involviert sind , hat sich entschlossen, weiterzumachen. So  wird es auch 2015 Oper in St. Margarethen geben und  wieder mit Robert Dornhelm als Regisseur. Der in Hollywood lebende österreichische  Filmemacher erzielte seinen internationalen Durchbruch mit Ballett-Filmen wie „ Kinder der Theaterstraße“ oder „She dances alone“. Blut geleckt zur Gattung Oper dürfte er bei der Boheme-Verfilmung mit Anna Netrebko und Rolando Villazon haben. Denn  auch sein Einstieg in Margarethen ging  im Vorjahr mit „La Bohéme“ von statten. Heuer also Aida und die Welt der Pharaonen und Pyramiden  in der Deutung durch  Giuseppe Verdi.  Regie oft als monumentale Filmkulisse. Robert Dornhelm, Bühnenbild Manfred Waba (Kostüme Susanne Özpinar) Dieses Werk schwankt zwischen effektvollen Massenszenen und intimen psychologischen Verwicklungen, in die der ägyptische Feldherr Radames gerät. Das Schema ist altbekannt – ein Mann zwischen zwei sozial höchst unterschiedlichen Frauen. Jedenfalls löst Dornhelm souverän diesen Widerspruch! Er liefert – wenn nötig  jede Menge  Chöre und Statisten, ja  sogar echte Pferde: Prawy hätte seine Freude gehabt. Das Psychodrama Aida wertet er durch die optische Vergrößerung des Liebesszenen auf –  Robert Dornhelm enzwickelt so wirklich eine neue Margarethen- Dramaturgie, die vom Wettergott ebenso unterstützt wird wie von einem Belcanto-Ensemble der Sonderklasse. Vor allem die drei Vertreter der Hauptrollen sind hier anzuführen. Die aus den USA –Arkansas stammende Sopranistin Kristin Lewis hat einen großen Abend. Dramatik, Lyrik, Trumph-Akt und Nilszene – alles stimmt. Leider mindert eine problematische Tonanlage etwas die Gesamtwirkung. Man freut sich auf eine Wiederbegegnung in der Wiener Staatsoper. Hervorragend  auch der aus Brasilien stammende Tenor Martin Mühle – dunkle Mittellage, strahlende Höhe, gute Artikulation –Großartig ! Auch die Amneris von Annunziata Vestri ist beeindruckend. Die in Ortona (Italien) geborene Mezzo-Sopranistin kommt erst in der Gerichtsszene an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.. Bis dahin liefert sie gr0ße Oper. Am Pult des St. Margarethener  Festspielorchesters  waltet umsichtig Alfred Eschwé. Recht gut auch die Herren  Alexey Dedov (Amonasro), Luca dall’Amico (Ramphis) sowie Ramaz Chikviladze (König). Recht ordentlich Giorgio Trucco (Bote) und Rosanna Lo Greco(Priesterin). Das Ballett (Choreographie Susanne Özpinaz) war eher unauffällig, der Festspielchor (Leitung  Lucian Viorel Onita)hatte viel zu marschieren. Am Ende des Triumph-Aktes gab’s das obligate Feuerwerk. Das wird es wohl auch in der Ära nach Wolfgang Werner geben. Bei der nächstjährigen Tosca wohl schon nach dem 1. Akt!

Peter Dusek

 

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