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ST.GALLEN/ Theater: THE FAIRY QUEEN. Barockoper von Henry Purcell

05.03.2026 | Oper international

Henry Purcell: The Fairy Queen • Theater St.Gallen • Vorstellung: 01.03.2026

(3. Vorstellung • Premiere am 07.02.2026)

So lebendig hat man Barockoper kaum je erlebt

Anna Bernreiter kombiniert in St. Gallen das bestehende Konzept und Kostümbild mit einem neuem Bühnenbild zum Gesamtkunstwerk. Die «Feenkönigin» wir dabei mit zu einer Art Barock-Musical.

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Foto © Ludwig Olah

Die Ausgabe 2024 der St. Galler Festspiele brachte, da der der Regierungsrat die Konzession für den Klosterhof (als Veranstaltungsort für die Opern-Aufführung der Festspiele) nur noch alle zwei Jahre vergibt, Purcells «The Fairy Queen» outdoor im Flumserberg zu Aufführung. Da der damaligen Ausgabe kein Wetterglück beschieden war, bringt man «The Fairy Queen» nun erneut und diesmal indoor im Grossen Haus (im normalen Spielplan) zur Aufführung.

Anna Bernreiter (Inszenierung) hat das bestehende Kostümbild von Hannah Oellinger und Manfred Rainer mit einem Bühnenbild desselben Teams kombiniert. In ihrer eigenen Spielfassung hat Bernreiter das Original-Libretto mit Dialogen aus William Shakespeares «Ein Sommernachtstraum» und «Wie es euch gefällt» ergänzt und so ein Stück mit durchgehender Handlung geschaffen, das uneingeschränkt funktioniert und bestens unterhält (gesungen wir in Englisch, gesprochen auf Deutsch). Das eher klassische Kostümbild mit seinen leicht historisierenden Kostümen harmoniert (trotz der fast uniformen, an Heavy Metal-Rocker erinnernden Langhaar-Mähnen der Herren) mit dem modernen Bühnenbild, das etwas von Tarzan oder dem Dschungelbuch hat.

Ganz wesentlich zum Eindruck unbändiger Frische und musicalartiger Lebendigkeit tragen die Leistungen des Orchester, des Chores und der Solisten bei.

Das Sinfonieorchester St.Gallen begeistert unter der musikalischen Leitung von Robert Howarth mit ungemein farbenreichem, quecksilbrig lebendigem Musizieren und rhythmisch höchst akkurater, überbordender, so bei nur ganz wenigen Orchestern zu entdeckender Spielfreude. Diese Kombination führt, so paradox es klingt, zu einer barocken Pracht, die nur wenig mit dem gemein hat, was man gemeinhin als barockem Klang empfindet.

Filip Paluchowski hat den Chor des Theaters St.Gallen perfekt einstudiert. Der Chor bewegt sich mit einer Körperbeherrschung, als hätte jeder Einzelne ein Tanz-Ausbildung (Choreographie: Steffi Wieser), und begeistert(trotzdem) mit sattem, perfekt austariertem Wohlklang. Ein gross Kompliment!

Gleiches gilt uneingeschränkt für das Ensemble: Es wird sich mit grösster Spielfreude so intensiv und lebendig bewegt und dabei so perfekt gesungen, dass der Eindruck entstehen könnte, es sei eine Musical-Truppe am Werk. Olivia Smith gibt die Helena mit wunderbar vollem, runden Sopran; Robert Bartneck steht ihr mit kräftigem, wohlklingendem Tenor als Demetrius zur Seite. Kali Hardwick neigt als Hermia leicht zum szenischen Outrieren (wohl von der Regie so gewollt) und fasziniert mit ihrem klaren Sopran. Jonas Jud triumphiert mit herrlichem Bass als Lysander. Théo Imart gibt den Jaques als besondere Bereicherung des Ensembles mit perfekt fokussiertem, ausgesprochen farbenreichem und wohlklingendem Countertenor. Die Schauspieler Chantal Dubs als Titania und Christian Hettkamp als Oberon und die Tänzer Mario Venanzi als Puck Nachtspuk und Wassilissa Serafin als Puck Morgentau sind ein veritable Ergänzung des rundum überzeugenden Ensembles.

So lebendig hat man Barockoper kaum je erlebt.

Weitere Aufführungen: DI 24.03.2026, 19:30 – 21:45 und SO 12.04.2026, 19.00 – 21.15.

04.03.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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