Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ST.GALLEN/ Theater: LES CONTES D’HOFFMANN. Eine rundum überzeugende Repertoire-Vorstellung

28.09.2026 | Oper international

Jacques Offenbach: Les Contes d’Hoffmann • Theater St.Gallen • Vorstellung: 27.09.2026
(3. Vorstellung • Premiere am 12.09.2026)

Eine rundum überzeugende Repertoire-Vorstellung

gal
Foto © Edyta Dufaj

Guta Raus Inszenierung punktet, so paradox das klingen mag, mit Schlichtheit und Opulenz (Kostüm: Mara Lena Schönborn; Licht: Andreas Enzler) und bietet der Regisseurin die Möglichkeit differenzierter Charakterzeichnung. In der Summe ergibt sich so eine frische, klassische Umsetzung von Offenbachs einziger, unvollendet gebliebener Oper. Zentrales Element der Bühne (Bühne: Isabelle Kittnar) ist ein portalhohes, aufgeklapptes Buch. Prolog wie Epilog spielen vor den Buchdeckeln und rahmen so die drei Erzählungen, die jeweils einen Akt bilden. Bevor der jeweilige Akt beginnt, ist auf dem Vorhang das aufgeklappte Buch zu sehen und eine Hand notiert den Titel und fertigt Skizzen an (Videodesign und Illustration: Dietgard Brandenburg). Nach dem abschliessenden Giulietta-Akt wird im Buch zurückgeblättert, das Buch zugeklappt und «entschriftet» (der Titel entfernt), denn was im Epilog verhandelt wird, die Apotheose des Künstlers („On est grand par l’amour et plus grand par les pleurs!“), gilt nicht nur für Hoffmann, sondern allgemein.

Gespielt wird in St.Gallen die Fassung von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck. Gesungen wird auf Französisch. Die Dialoge werden in der vom Verlag bereitgestellten, deutschen Übersetzung gesprochen, was in der Schweiz nicht unbedingt nötig wäre, die Verständlichkeit (für das Publikum aus dem nahen Deutschland und Österreich) aber natürlich erheblich vereinfacht.

Michael Zlabinger (Musikalische Leitung) kostet mit dem Sinfonieorchester St.Gallen Offenbachs herrliche Melodien genüsslich aus, baut gute Spannungsbögen und setzt dabei auf einen präsenten und direkten Klang. Der Chor des Theaters St.Gallen und der Opernchor St.Gallen (Choreinstudierung: Edward Mauritius Münch und Filip Paluchowski) sind bestechend in Form und beeindrucken mit wunderbar homogenem, sattem Klang.

Brian Michael Moore kann früher als geplant als Hoffmann debütieren, denn er muss in der ganz auf diesen zugeschnittenen Inszenierung für den auf Grund einer schweren Bronchitis indisponierten Rolando Villazón einspringen. Und er liefert, gleichentags aus Italien eingeflogen, ein überzeugendes Rollendebüt ab und glänzt mit gut fokussiertem, leicht metallisch glänzendem Tenor und kluger Disposition seiner Kräfte. In der szenischen Darstellung könnte er an Neil Shicoff erinnern. Jennifer Panara gibt seine treue Begleiterin Nicklausse mit einem schlank geführtem, farbenreichem Mezzosopran und überzeugender Bühnenpräsenz. Andrew Foster-Williams gibt die Gegenspieler von Hoffmann und Nicklausse (Lindorf, Coppélius, Dr. Miracle, Dappertutto) mit beeindruckender stimmlicher Autorität, dramatischem Einfühlungsvermögen und Finesse. Eva Langeland Gjerde triumphiert mit kristallklarem Klang und strahlenden Höhen als Olympia/Giulietta. Sylvia D’Eramo gibt die Antonia mit vollem, dramatischem Sopran, aber etwas gar viel Vibrato. Riccardo Botta als Wilhelm, Cochenille, Franz und Pittichinaccio, Jonas Jud als Lutter und Crespel, Felix Gygli als Hermann und Schlemihl, Mziwamadoda Sipho Nodlayiya als Nathanael und Spalanzani und Gloriela Villalobos als Stimme aus der Gruft ergänzen das überzeugende Ensemble.

Eine rundum überzeugende Repertoire-Vorstellung.

Weitere Aufführungen:

18.10.2026, 19:00; 27.10.2026, 19:30; 30.10.2026, 19:30; 25.05.2027, 19:30; 28.05.2027, 19:30;

13.06.2027, 14:00.

30.09.2026, Jan Krobot/Zürich

 

Diese Seite drucken