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ST. GALLEN/Theater: LES CONTES D’HOFFMANN. Premiere

13.09.2026 | Oper international

Jacques Offenbach: Les Contes d’Hoffmann • Theater St.Gallen • Premiere: 12.09.2026

Gesungen in französischer Sprache, Deutsche Dialoge

On est grand par l’amour et plus grand par les pleurs!

Mit einer wohltuend puristischen Inszenierung von «Les Contes d’Hoffmann» eröffnet das Theater St.Gallen die Saison. Die Produktion ist ganz auf den Interpreten des Hoffmann zugeschnitten.

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Foto © Edyta Dufaj

Guta Rau (Inszenierung) fokussiert, ganz im Sinne des Saison-Mottos «Grenzgänge», ihre Sicht auf den Gegensatz von «Leben» und «Kunst», auf das Ringen des Dichters zwischen den Kräften von Himmel (Muse) und Hölle (Lindorf) und folgt dabei eng der Geschichte, oder besser den Geschichten des Librettos. Hoffmann ist Schriftsteller und so ereignen sich seine Geschichten, durch die die Muse ihren Dichter führt, in einem aufgeschlagenen Buch. Dafür hat Isabelle Kittnar (Bühne) ein aufgeschlagenes Buch, das die ganze Höhe der Bühne einnimmt, entworfen. Im Innern enthält dieses eine manchmal surreal erscheinende Treppenlandschaft, die den Solisten den nötigen Raum für ihre Rollenporträts bietet. Vor den Buchdeckeln entsteht mit den Zeichnungen von Dietgard Brandenburg (Videodesign und Illustration), ein paar Stühlen und Fässern die Weinstube «Lutter und Wegener». Hier beginnt das Ringen von Himmel und Hölle um den Dichter, der sich, jetzt am Ende seines Lebens angekommen, weder für das Eine noch das Andere entscheiden kann. Der Übergang zwischen diesen beiden Welten erfolgt, den Kampf als Ringen um das Innere eines Menschen betrachtend durch Tapetentüren, rahmenlose Türen, die für den Zugang zu der dunklen (als Gegensatz zur Erleuchtung der Aufklärung zu verstehenden), die Romantik besonders faszinierenden inneren Welt des Menschen stehen. Die stilsicher historisierenden Kostüme hat Mara Lena Schönborn kreiert, das Licht Andreas Enzler.

Gespielt wird in St.Gallen die Fassung von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck. Gesungen wird auf Französisch. Die Dialoge werden in der vom Verlag bereitgestellten deutschen Übersetzung gesprochen. Die wenigen, mit dem Verlag abgesprochenen Kürzungen, greifen die Substanz nicht an und lassen den Abend nach dreieinviertel Stunden enden.

Das Sinfonieorchester St.Gallen zeigt sich unter der musikalischen Leitung von Michael Zlabinger in bestechender Form. Zlabinger wählt rasche Tempi, hat aber doch die «Geduld» die besonders «romantischen» (melodiösen) Momente auszukosten, baut gute Spannungsbögen und setzt dabei auf einen sehr präsenten Klang. Der Chor des Theaters St.Gallen und der Opernchor St.Gallen (Choreinstudierung: Edward Mauritius Münch und Filip Paluchowski) sind nicht minder bestechend in Form und beeindrucken mit wunderbar homogenem, sattem Klang.

Die Produktion ist ganz auf Rolando Villazón (Hoffmann) und sein singuläres schauspielerisches Talent zugeschnitten. Dieses stellt er wohldosiert in den Dienst des Werks. Die Stimme klingt an diesem Abend baritonal, wird zum Grenzgänger in den Sphären von Tenor und Bariton: vielleicht eine Referenz an Offenbachs ursprüngliche Idee die Rolle des Dichters mit einem Bariton zu besetzen? Jennifer Panara gibt die Muse/Nicklausse mit schlankem, agil geführtem Mezzo und kann einen persönlichen Triumph feiern. Andrew Foster-Williams gibt den Lindorf/Coppélius/Dr. Miracle/Dappertutto mit beeindruckender stimmlicher Autorität, dramatischem Einfühlungsvermögen und Finesse. Eva Langeland Gjerde überzeugt als Olympia und Giulietta mit kräftigen, strahlenden Höhen und stupender Technik. Sylvia D’Eramo gibt die Antonia mit vollem, dramatischem Sopran. Etwas weniger Vibrato könnte mehr sein. Von Riccardo Bottas (Wilhelm/Cochenille/Franz/Pittichinaccio) Indisposition nach einer schweren Erkältung ist kaum noch etwas zu bemerken. Auch die übrigen Partien sind mit Jonas Jud als Lutter/Crespel, Felix Gygli als Hermann/Schlemihl, Mziwamadoda Sipho Nodlayiya als Nathanael/Spalanzani und Gloriela Villalobos als Stimme aus der Gruft absolut stimmig besetzt.

«Gross ist man durch die Liebe, grösser durch den Schmerz!» („On est grand par l’amour et plus grand par les pleurs!“; Apotheose Hoffmanns im 5. Akt) – Welches Prinzip siegen soll, oder vielleicht besser siegen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Weitere Aufführungen:

19.09.2026, 19:00; 27.09.2026, 17:00; 18.10.2026, 19:00; 27.10.2026, 19:30; 30.10.2026, 19:30; 25.05.2027, 19:30; 28.05.2027, 19:30; 13.06.2027, 14:00.

14.09.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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