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ST. GALLEN/ Theater: LA BELLE HÉLÈNE von Jaques Offenbach

 «Ein Apfel ist ein Apfel. Und eine Birne ist eine Birne»

16.02.2020 | Operette/Musical

 

Jacques Offenbach: La Belle Hélène, Theater St. Gallen, Vorstellung: 16.02.2020

 (12. Vorstellung seit der Premiere am 07.12.2019)

 «Ein Apfel ist ein Apfel. Und eine Birne ist eine Birne»

 «Und Champagner ist Champagner», ist man geneigt die Unterhaltung der beiden Ajaxe zu Beginn des 3. Aktes fortzuführen, «und der perlt so, wie der Offenbach des Sinfonieorchester St.Gallen.» Dirigent Nicolas André entlockt dem in kleiner Besatzung, im Graben fast etwas verloren wirkenden Orchester einen schlichtweg phantastischen Offenbach. Immer leicht, rhythmisch pointiert und perfekt ausgewogen ohne auch nur je einen Augenblick uninspiriert oder akademisch-blutleer zu wirken. Ein besonderes Lob geht an die Solisten der einzelnen Instrumentengruppen.

Die beiden weiteren Kollektive sind ebenfalls zu loben. Sabine Arthold hat den Chor des Theaters St.Gallen (Choreinstudierung: Michael Vogel) und die Tanzkompanie des Theaters St.Gallen absolut stimmig und werkgerecht choreographiert. Die mal mehr, mal weniger bewegten tänzerischen Einlagen passen jeweils bestens zur Musik ohne einstudiert oder übertrieben zu wirken.

Bildergebnis für st. gallen la belle helene
Bild: Andreas J. Etter

Die Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis gibt mit samtenen, vollen Tiefen, bestens sitzenden Höhen und tadelloser Diktion in beiden Sprachen (gesungenes Französisch, gesprochenes Deutsch) eine hervorragende Helena. Gustavo Quaresma hat als Paris einen traumhaften Nachmittag erwischt. Mit seinem technisch bestens ausgebildeten, farbenreichen Tenor braucht er mit strahlenden, kräftigen Höhen nie zu geizen. Riccardo Botta singt den perfekten Menelaos: obwohl er zu weit mehr fähig wäre, ist er, wie vom Libretto intendiert, auch stimmlich ein Waschlappen. Kraftvoll heldisches Singen wäre hier völlig fehl am Platz. Carine Séchaye ist ein sehr jugendlicher Orest und überzeugt mit ausserordentlich lebendigem Spiel. David Maze ist als Kalchas annähernd omnipräsent und eine feste Bank im Ensemble des Theaters St.Gallen.

Das Ensemble, das sich an diesem Nachmittag gegenseitig zu Höchstleistungen antreibt, wird ergänzt durch Shea Owens als Agamemnon, Nik Kevin Koch als Achilles, Eva Zalenga als Leaena, Tatjana Schneider als Parthenis, Anton Leiss-Huber und Bruno Riedl als Ajax Eins und Ajax Zwei und Pascale Pfeuti als Bacchis.

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Bild: Andreas J. Etter

Die Inszenierung von Ansgar Weigner überzeugt auch beim Wiedersehen in ihrer harmonischen Ausgewogenheit. Mit wenigen Versatzstücken auf der Bühne (Jürgen Kirner) und vieldeutigen Kostümen (Kristopher Kempf) erhält der Zuschauer reichlich Freiraum für eigene Assoziationen. Die satirischen Einfälle sind weder schenkelklopferisch-banal noch überdreht.

Weitere Aufführungen:

Montag, 24. Februar 2020, 19:30-22:00; Mittwoch, 26. Februar 2020, 19:30-22:00;

Mittwoch, 4. März, 19:30-22:00; Sonntag, 15. März, 19:00-21:30; Freitag, 22. Mai 2020, 19:30-22:00.

 

16.02.2020, Jan Krobot/Zürich

 

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