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ST. GALLEN/ Theater: DON CARLO von Giuseppe Verdi. Neuinszenierung

26.11.2018 | Oper

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Giuseppe Verdi: Don Carlo, Theater St. Gallen, Premiere: 27.10.2018

Besuchte Vorstellung: 25.11.2018 (5. Vorstellung)

Jedes Haus, das Verdis Grand Opéra auf die Bühne bringen will, steht vor der Entscheidung, welche Fassung es auf die Bühne bringen will. Von den sieben Fassungen, die die Wissenschaft erarbeitet hat, sind drei Fassungen auch zur Uraufführung gekommen: Die Pariser Fassung von 1867, die Mailänder Fassung von 1884 oder die Fassung für Modena von 1886.

Verdi’s Don Carlo stellt in Hinsicht auf die Anzahl der unter Mitwirkung entstandenen Fassungen einen Sonderfall der Musikgeschichte dar. Konsequenterweise sollte dann auch klar und deutlich angegeben werden, welche Fassung gespielt wird oder wie sich die Aufführungsfassung des Theaters dann von den wissenschaftlichen Fassungen unterscheidet. Dies geschieht in St. Gallen leider weder auf dem Besetzungszettel noch im Programmheft. Ebenso unterbleiben Hinweis und Erklärung, dass einige Szenen (die „privaten“ Szenen Elisabettas) auf Französisch gesungen werden.

Regisseur Nicola Berloffa hat sich für seine Inszenierung der Oper für deren Entstehungszeit entschieden. Die beiden anderen möglichen Zeitebenen, die Zeitebene der Handlung und die Gegenwart, sind in den höchst ästhetischen Kostümen Alessandra Facchinettis vereint und weisen mit der üppigen Verwendung von St. Galler Stickerei Lokalbezug auf. Die ausführliche Berichterstattung der Presse hat im Programmheft leider ebenfalls keinen Niederschlag gefunden.

Fabio Cherstich hat, passend zu den Kostümen, für die Inszenierung den Innenraum eines Palasts des 19. Jahrhunderts geschaffen. Dieser Innenraum wird je nach Szene mit einer nur minimal kleineren Kopie dieses Innenraums, der dann eine Art Vorzimmer herstellt, zwei Stufen für den Chor des Theaters St. Gallen und Opernchor St. Gallen (aufs Beste einstudiert von Michael Vogel) oder einem fahrbaren Podest für die Königsfamilie versehen. Durch die herrlichen Kostüme, die hervorragende Lichtführung (Valerio Tiberi) und die aufmerksame Personenführung kommt nie Langweile auf. Die Pause vor dem Autodafe ermöglicht es dieses, die grosse Szene Philipps, die Unterhaltung Philipps mit dem Grossinquisitor und den Auftritt Elisabettas ohne Unterbrechung durchzuspielen. Ist das Auge an statische Inszenierungen mit Lichtpausen nach jedem Bild gewöhnt, zeigt diese Anlage hervorragend die Abwechslung von grosser Staatszene und intimer Szene als Charakteristikum der Gattung Grand opéra. Philipp, eben noch Part grosser Staatsaktion, befindet sich plötzlich allein in dem grossen Palastraum und zerbricht an seinen Aufgaben, die nach seiner Szene mit der Unterhaltung mit dem Grossinquisitor und dem Auftritt einer leicht hysterischen Elisabetta weitergehen. Philipp wirkt verloren, er schleudert Szepter und Reichsapfel weg und bricht zusammen. Langsam wird die Tür zum Nachbarraum geschlossen, das helle Licht lässt nach, es legt sich ein dunkler Schatten über die Szene und Phillips Seele, bis dieser dann, jetzt in „medizinisch“ grellem Scheinwerferkegel zu seinem grossen Monolog, seiner Seelenschau ansetzt.

Chefdirigent Modestas Pitrenas bietet mit dem hervorragend disponierten Sinfonieorchester St.Gallen die musikalische Grundlage für den Erfolg der Inszenierung. An der Spitze des Sängerensembles sind, mit grosser Würde aber auch tiefer Zerbrechlichkeit in der Darstellung, Tareq Nazmi als Filippo II und mit bestens disponierter Stimme Eduardo Aladrén als Don Carlo zu nennen. Alex Penda verkörperte Elisabetta di Valois, Alessandra Volpe die Prinzessin und Ernesto Morillo den Grossinqusitor. Nicola Borchev kam als Posa an die Grenzen seiner Möglichkeiten und blieb ungewohnt blass. Stellvertretend für die Nebenrollen genannt, leiht Tatjana Schneider der Stimme des Himmels eine ungewohnt jugendliche Stimme.

Grosser Erfolg vor fast ausverkauftem Haus!

Weitere Aufführungen: Sonntag, 9. Dezember 2018 17:00-20:15, Sonntag 16. Dezember, 2018 14:30-17:45, Freitag, 28. Dezember 2018, 19:30-22:45, Donnerstag, 28. Februar 2019, 19:30-22:45.

27.11.2018, Jan Krobot

 

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