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ST.GALLEN/Theater: COSÌ FAN TUTTE. Subtile Deutlichkeit

19.05.2026 | Oper international

Wolfgang Amadeus Mozart: Così fan tutte • Theater St.Gallen • Vorstellung: 17.05.2026 nachmittags

(4. Vorstellung • Premiere am 02.05.2026)

Subtile Deutlichkeit

Die Inszenierung von Barbara-David Brüesch punktet auch beim wiederholten Besuch mit ihrer werkdienlichen Modernisierung. Mozarts Meisterwerk kommt in luftig-leichter Umsetzung auf die Bühne.

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Foto © Edyta Dufaj

Barbara-David Brüesch verortet «Così fan tutte, ossia La scuola degli amanti» in der Gegenwart in einem Doppelhaus in einer gut situierten Wohngegend. Dabei legt sie das Hauptgewicht auf «Cosi fan tutte» («So machen es alle [Frauen]»), die Treueprobe, und weniger auf «La scuola degli amanti» («Die Schule der Liebenden») im Sinne des philosophisch-moralischen Subkontexts. Die Ausblendung dieses Subkontextes wird dadurch kompensiert, dass in der Inszenierung wohltuend subtil deutlich wird, dass es eigentlich «Cosi fan tutti» («So machen es alle» [Frauen und Männer]) heissen müsste. Die beiden Paare, Fiordili und Guglielmo sowie Dorabella und Ferrando, leben in einer Bubble von Doppelverdienern, in der man es sich gut gehen lässt und dieses gute Leben auch gern und intensiv auf den «sozialen Medien» teilt. Don Alfonso, der die beiden Paare zur Treueprobe überredet, kann man sich als Influencer denken. Alle Beteiligten, auch die Männer, sind bereit die Treueprobe als «Abenteuer» einzugehen und setzen diese auch bereitwillig fort, als ihnen klar ist, wer ihr Gegenüber ist. Und diese Klarheit ist eine Sofortige und steht für die Bereitschaft, um des Abenteuers willen dem Partner untreu zu werden. Im Grundzug, die Frage wie weit man dann geht oder gehen will ausser Acht gelassen, also ein sehr menschliches Verhalten. So gelingt es Brüesch die Geschichte sehr zeitgemäss und realistisch (im Sinne von wahr) zu erzählen. Alain Rappaport (Bühne) hat ihr dazu ein im Grundriss symmetrisches Doppelhaus mit zwei Hälften entworfen. Die Einrichtung ist in diesem symmetrischen Grundriss dann doch so individuell gestaltet, dass die Charakter der Bewohner deutlich werden. Die Kostüme von Sabin Fleck sind zeitgemäss elegant und weisen den Paaren (zur leichteren Erkennung) die Farben Rosa und Hellblau zu. Georg Lendorff verdeutlicht mit den Videos (im Hintergrund) die emotionalen Grosswetterlagen und Daniel Weiss setzt das ganze Geschehen in ein gutes Licht.

 

Das Sinfonieorchester St.Gallen unter musikalischer Leitung von Pietro Rizzo spielt ein prächtig satten, farbenreichen Mozart. Die Tempi und Lautstärken sind gut gewählt. Die bei der Premiere festzustellende Dominanz der dunklen Klänge hat wohltuend nachgelassen. Filip Paluchowski hat den Chor des Theaters St.Gallen bestens einstudiert.

 

Olivia Smith gibt die Fiordiligi mit vollem, farbenreichem Sopran und eindrücklicher Bühnenpräsenz. Jennifer Panara punktet als Dorabella mit gut fokussiertem Mezzosopran mit makelloser Technik und guten Höhen. Brian Michael Moores Ferrando ist immer noch von der mit für Mozart zu viel Druck geführten Stimme geprägt. Sein Tenor lässt zweifellos erkennen, dass er mit weniger Druck und mehr Leichtigkeit ein tadelloser «Mozart-Tenor» wäre, der mit feinen Farben und subtiler Stimmführung überzeugen könnte. Vincenzo Neri gibt den Guglielmo mit warm timbrierten, perfekt fokussierten Bariton. Die Krone des Abends gebührt dem herrlich listigen Don Alfonso von Jonas Jud. Sein kerniger Bass ist wunderbar wohlklingend und superb geführt. Mack Wolz gibt als Raumpflegerin wie als Arzt und Notar ein herrlich schräge Despina und kostet alle Möglichkeiten, die die Rolle bietet, genussvoll aus. Ann-Kathrin Adam tanzt, wenn sie nicht gerade über der schwebt, mit eindrücklicher Technik und Anmutung den Amor und ergänzt bestens das Ensemble.

 

Spritziger Mozart in luftig-leichter Inszenierung bietet beste Unterhaltung.

 

Weitere Aufführungen: 22.05.2026 und 26.05.2026

 

22.05.2026, Jan Krobot/Zürich

 

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