Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

ST.FLORIAN/ Basilika: OÖ. Stiftskonzert unter Markus Poschner. Gustav Mahler und seine Musik seid „umschlungen“

01.07.2026 | Konzert/Liederabende

Gustav Mahler und seine Musik seid „umschlungen“

Markus Poschners tiefes Eindringen in einer Umarmung der Welt des Komponisten

3. Sinfonie (Mahler) – Wikipedia

Wenn es für Höhepunkte noch Steigerungen gibt, dann gelang dies am Dienstag, 30 Juni 2026 bei den am 30. Mai eröffneten OÖ. Stiftskonzerten 2026 in der Stiftsbasilika St. Florian. Ein volles Gotteshaus empfing in herzlicher Erwartung das Bruckner Orchester mit seinem Chefdirigenten Markus Poschner. Zum dritten Male in letzter Zeit lag auf seinem Pult die 3. Symphonie in d-moll von Gustav Mahler, die der weltgefragte, bei uns von seinem Publikum besonders geliebte Maestro, offenbar ins Herz geschlossen hat. Noch viel inniger wurde seine Auseinandersetzung mit dem Riesenwerk, das in der Praxis eine nicht einfache Entstehung aufweist. Mahler war gerade in Hamburg mit der Oper beschäftigt, als er ins Salzkammergut nach Steinbach am Attersee kam, um in Ruhe im „Komponierhäuschen“  seine „Dritte“ fertig zu schreiben. Mit Skizzen am Papier aber nicht alle in der Tasche, ließ er sich die fehlenden nachreichen. Eine Natursymponie vor dem Hintergrund seiner Weltanschauung sollte die Novität werden. Weder Anzahl noch Titel der Sätze waren sicher, am Ende wurden es sechs Sätze, begleitet von Erzählungen aus der Natur, den Lebewesen und dem Mensch. Alles gipfelt  am Schluss in der Verherrlichung der Liebe und dem Reich Gottes. Eine musikalische Dichtung also, ein bisher in dieser Art  unbekanntes Genre in der Musikgeschichte. In den Sommermonaten der Jahre 1895 und 1896 war die Arbeit beendet, wurde aber erst 1902 von Mahler selbst uraufgeführt und fand geteiltes Gefallen. Namhafte Dirigenten wie Arthur Nikisch und Felix Weingartner brachten vorher Werkteile an die Öffentlichkeit. Aber restlos von Mahlers Größe überzeugte die Symphonie in ihrer Gesamtheit der Gattin Alma, die für das Werk unter „Glückssträhnen Mahler ihre „dienende Liebe“ beschwor. Die Begeisterung für die „Dritte“ wuchs in der Folge ihrer Aufführungen. Dennoch ist es nicht allen Dirigenten nicht immer geschenkt, ein Idealbild von Mahlers Schaffensspektrum speziell in seiner „Dritten“  restlos erfahrbar zu machen. Markus Poschner bringt alle Besonderheiten und Differenzierungen des Ausnahmewerkes überzeugend zum Ausdruck. Sei es die stilistische Abwechslung oder Ideenvielfalt der seltsamen Musik, ihre verschwenderische Phantasie, die eigensinnige Formenwahl, zuletzt alles zusammen einheitlich verschmolzen zu einer scheinbar von Mahler selbstgenannten „unversöhnlichsten“ Mischung melodischer, rhythmischer und harmonischer Elemente. Poschners gestenreiches Prachtvermögen setzt mit seiner gestalterischen Offenbarung auf Identifikation mit dem schöpferischen Geist Mahlers ohne persönliche Äußerlichkeiten. Da gibt es viel zu  entdecken bis zu geheimnisvollen Gedanken an den Hörer zu bringen. Überhaupt wenn eine akustische Rücksichtnahme bei Kirchenaufführungen – wie diesmal – keine geringe Rolle spielt. Noch kaum jemals habe ich ein Konzert ohne  den sonst unvermeidlichen Nachhall in solchen Räumen erlebt. Bei Poschner fand jeder Ton in jeder Lage seine richtige Stärke, erfahren lenkte er seine Dirigierkunst in allen Sätzen zu einer perfekten Wiedergabe. Vom Anfang an waren absolute Klanghoheit und präzise Artikulation zu entdecken, auch bekannte Lieblingsthemen, Anleihen aus eigenen oder Werken anderer Komponisten und Literaten, auch Nietzsches „Mitternachtslied“ aus „Zarathustra“, der altgriechische „Pan“, das „Bettlerlied“ aus Kinderkehlen( Landestheater Linz) und vom Frauenchor (Linzer Jeunesse und Hard Chor), zu all dem brauchte es und glänzte eine Riesenbesetzung.

Im mit weit über hundert Musiker besetzten Orchester mit acht Hörnern, dreifach besetztem Schlagzeug, zwei Harfen und vielen teils auch solistisch gefordertem Blech- und Holzbläserensemble. Nicht zu vergessen den Posthornbläser, der zum Sonderbeifall auf das Podium geholt wurde. Zum großen Triumph am Ende natürlich auch alle Mitwirkenden, aus denen die deutsche Mahler-Speziealistin Wiebke Lehmkuhl, die das berührende Altsolo „O Mensch! Gib acht!“ im Finalsatz innerlich berührend sang, herausragte. Als nach 17 Takten Musik bis zum anschwellenden D-Dur-Klangbad Poschner mit hochgestreckten Armen das Ende anzeigte, reagierte das Publikum lange still gebannt auf das Erlebte. Das Tor Mahlers in eine bessere Welt tat sich auf zur überirdischen Schönheit in eine bessere Welt. Lange darauf donnerte der Jubel lautstark aus den Kirchenbänken mit nicht Ende wollender Begeisterung.   

Georgina Szeless
Musikjournalistin

 

Diese Seite drucken