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SPOLETO: TEATRO LIRICO SPERIMENTALE: Stagione Lirica 2015

28.09.2015 | Oper

SPOLETO/TEATRO LIRICO SPERIMENTALE: Stagione Lirica 2015 von 11.-22.9. 2015

Seit nunmehr 69 Jahren veranstaltet das „Teatro Lirico Sperimentale“(das entgegen seinemNamen gar kein eigenes Theater hat, sondern an verschiedenen Veranstaltungsorten gastiert) inder schönen umbrischen Stadt Spoleto seine renommierte „Stagione lirica“.

Dank seines neugierigen künstlerischen Leiters, der italienischen Musikkritikerinstitution Michelangelo Zurletti, wartet es auch immer wieder mit einem interessanten Programm voller Überraschungen auf.

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A Christmas Eve. Foto: Riccardo Spinella

Die kühnste Unternehmung des heurigen Festivals war sicher die Auftragsoper „A Christmas Eve“ (Ein Weihnachtsabend) an das Hardcore-Avantgardetheaterduo Ricci/Forte. Irgendwie schienen die beiden von dem ihnen fremden Genre etwas eingeschüchtert worden zu sein, denn so eine zahme, wortreiche und statische Produktion war man von ihnen bisher eigentlich nicht gewohnt.

Auch das Thema (Vater missbraucht zwei Töchter), das Setting(ein Spitalzimmer) und selbst der Titel(ja, klar, zu Weihnachten kommt alles raus) wirkten für ihre Verhältnisse doch arg herkömmlich und déjà vu- mäßig. Die äußert selten eingesetzte Musik Andrea Ceras erweckte auch nicht gerade den Eindruck, die Zukunft der Oper darzustellen. Aber sei’s drum: man hat’s wenigstens durchaus mutig versucht.

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La finta tedesca. Foto: Riccardo Spinella

Einen Blick in die Vergangenheit der ehrwürdigen Gattung erlaubten hingegen die drei komischen Intermezzi „Carlotta und Pantaleone“ von Johann Adolf Hasse, hier unter dem Titel „La finta tedesca“ zusammengefasst.

1728 in Neapel für das dramma serio „Attalo, re di Birmania“ entstanden, erlebten sie jetzt in einer historisch-kritischen Fassung ihre erste Wiederaufführung in modernen Zeiten. In der Tradition der Commedia dell’Arte stehend, sind das drei durchaus vergnügliche Petitessen. Allerdings hätte man doch bevorzugt, ihnen im originalen Rahmen – eben als „Intermezzi“ einer tragischen Oper – zu begegnen.

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La Bohème. Foto: Riccardo Spinella

Als „Cashcow“ des Festivals fungierte die unvermeidliche „Bohème„, die außer für Schulen auch noch in verschiedensten umbrischen Städten gegeben wird. Sehr alte Bühnenbilder, dafür sehr junge und begabte Sänger. Achtbar, aber letztlich uninteressant.

Weitaus interessanter hingegen das konzertante Rahmenprogramm : eine multimediale „Schubertiade“ und ein der Musik der Futuristen gewidmeter Abend mit dem programmatischen Titel „Tarataratarataratara“.

Robert Quitta, Spoleto

 

 

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