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SPOLETO/Festival dei due mondi/Teatro Menotti : VANESSA von Samuel Barber

30.06.2026 | Oper international

SPOLETO/FESTIVAL DEI DUE MONDI/TEATRO MENOTTI: VANESSA von Samuel Barber am 28.6.

vanes 
Foto: Festival Spoleto

Der neue künstlerische Leiter des Festival dei due Mondi in Spoleto wählte als Eröffnungspremiere die Oper VANESSA von Samuel Barber. Eine äußerst intelligente und respektvolle Entscheidung: denn nicht nur stammt das Libretto vom Festivalgründer Giancarlo Menotti (der lange Zeit Lebensgefährte von Barber war), sondern auch die Oper ist auch Teil der gloriosen Festivalgeschichte, weil sie 1961 hier uraufgeführt worden war.

Und um es gleich vorwegzunehmen: die Wieder-Aufführung dieses selten gespielten Werkes in Spoleto (in englischer Originalsprache) gestaltete sich zu einem verdienten Erfolg.

Vanessa ist eine Gothic Story über die systemische Einsamkeit dreier Generationen (Mutter, Tochter, Nichte) von Frauen. Regisseur Leo Muscato (der auch Konsulent des Festivals für Oper und Theater ist) inszeniert sie im Vintage Style und siedelt das Geschehen in einem alten Herrenhaus an, in dem die Spiegel verhangen sind und in das der Wald und der Schnee langsam eindringen.

Barbers Musik wurde zur Entstehungszeit heftig kritisiert, weil sie sich nie dem Diktat der Avantgarde-Ideologen gebeugt hat. Das kommt ihr jetzt zugute, weil sie dadurch im Abstand zeitlos geworden ist.

Minottis Libretto ist äußerst kultiviert und raffiniert und – im Gegensatz zu Barbers doch eher schwermütig-depressiver Partitur – streckenweise auch von großem Humor geprägt.

Das Sängerensemble ist einfach großartig und durchgehend Weltklasse.

Den meisten Applaus erhielt völlig verdient Kayleigh Decker, die als junge Erika eine unglaubliche gesangliche und schauspielerische Leistung vollbringt.

Gleich nach ihr sammelte Rod Gilfry als alter Doktor, der sich selbst für einen schlechten Arzt hält und lieber Poet geworden wäre, die meisten akustischen Lorbeeren ein.

Die anderen Protagonisten haben zwar die undankbareren Rollen, stehen den beiden aber in nichts nach: Lauren Fagan als 20 Jahre vergeblich wartende unglückliche Vanessa und Helene Schneiderman als alle anschweigende ehrfurchtsgebietende und furchterregende Baronesse.

Ein geniales Licht von Alessandro Verazzi, ein tolles Dirigat von Sora Elisabeth Lee.

Insgesamt: ein Triumph !

Ein besserer Einstieg in die Ära Cipriani/Muscato ist kaum denkbar…

 

Robert Quitta, Spoleto

 

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