SPOLETO/ FESTIVAL DEI DUE MONDI/ TEATRO CAIO MELISSO : DEAD AS A DODO am 28.6.2026

Foto: Festival Spoleto
„Dead as a Dodo“ ist, wenn man sich den Kalauer erlauben darf, ein geflügeltes Wort über einen wegen seiner Flugunfähigkeit ausgestorbenen bzw. ausgerotteten Vogel.
Tot wie ein Dodo bedeutet also: töter als tot, töter geht’s nicht.
Die in Oslo und New York ansässige Figurentheatergruppe Wakka Wakka nimmt diese Redewendung und die seit einigen Jahren in Gang befindlichen Versuche, den Dodo aus der DNA eines gefundenen Eis wieder zu klonen, zum Ausgangspunkt eines der faszinierendsten Theaterspektakel, die derzeit zu sehen sind.
Acht Performer in mit Glitzersteinen versehenen schwarzen Overalls gestalten gemeinsam mit dem Projektionskünstler Erato Tzavara einen atemberaubenden Abend, wie man ihn so noch nie gesehen hat.
Die herzergreifende Geschichte eines nur aus ein paar Knochen bestehenden weiblichen Dodos, dem auf wundersame Weise nach und nach wieder alle Knochen nachwachsen und auch Federn und der ganze Rest und der dann am Schluss ein Dodo-Ei ausbrütet, aus dem sogar ein herziger kleiner Dodo schlüpft, wird mit einer solchen Fülle an dramaturgischen und visuellen Einfällen und einer solchen virtuosen Handwerkskunst erzählt, dass man 75 Minuten lang aus dem Staunen nicht herauskommt: da gibt es einen Haufen ausgebuddelter Knochen, einen Knochenkönig, eine Frau Knochendoktor, einen brennenden Fluss, einen gutmütigen Fisch, der dann auch fliegen kann, einen Mandoline spielenden Fischer, eine Familie von hilfreichen Teufeln, einen durchgeknallten Wissenschafter und und und…
Jede Wendung der Geschichte ist überraschend und weder was den Inhalt noch was ihre bildnerische Gestaltung betrifft, in irgendeiner Weise vorhersehbar.
Man sitzt nur noch mit offenem Mund da.
Am Ende stirbt der Tod und Frau Dodo und Klein-Dodo leben.
Dead as a Dodo ist ein überwältigendes Epos über den triumphalen Sieg des Lebens über den Tod. Eine Apotheose des Lebens
Vielleicht sollte das Sprichwort in Hinkunft „Lebendig wie ein Dodo“ heißen.
Robert Quitta, Spoleto

