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SONGBOOK MIT JAN VOGLER UND ISMO ESKELINEN / Sony

Mit romantischem Zauber

15.06.2019 | cd

Songbook“ mit Jan Vogler und Ismo Eskelinen bei Sony erschienen – CD-Besprechung

Mit romantischem Zauber

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Es ist ein ganz besonderer Bogenstrich, der die Zuhörer bei Jan Voglers Cellospiel verzaubert. Zusammen mit Ismo Eskelinen (Gitarre) hat er Werke des romantischen und impressionistischen Repertoires sehr einfühlsam und bewegend eingespielt. Schon Niccolo Paganinis Cantabile op. 17 überzeugt hier aufgrund des chromatischen Feinschliffs und geheimnisvollen Klangbilds, das sich konsequent und nahezu sphärenhaft durchzusetzen weiß. Betont spätromantisch geht es dann bei den Drei Nocturnes für Cello und Gitarre von Friedrich Burgmüller zu, wo die beiden Künstler eine eindrucksvolle klangliche Balance halten. Die Nähe zu Chopin mindert die Wirkung nicht. Das „Songbook“ soll auch eine Art musikalische Weltreise sein, die die beiden Künstler bei der wunderbaren Aria aus den „Bachianas Brasileiras“ Nr. 5 von Heitor Villa-Lobos beschwören, wo Elemente der europäischen Musik mit Indianer- und Negermusik in eindringlicher Weise verwoben werden. Der französische Einfluss ist dabei unüberhörbar. Knisternde Synkopen und forsche Rhythmik beherrschen die transparente Wiedergabe von „Histoire du Tango“ von Astor Piazzolla, wo Jan Vogler und Ismo Eskelinen ganz aus sich herausgehen. „Moon River“ von Henry Mancini  überzeugt einmal mehr durch eine intensive, aber ganz und gar unsentimentale Musizierweise. Gleichwohl entstehen die Bilder aus dem Film „Frühstück bei Tiffany“ aufgrund dieser leidenschaftlichen Interpretation wie von selbst. Das fantasieartige Fortspinnen der Motive und wirkungsvolle Aufspüren harmonischer Reizklänge feiert bei der gelungenen Interpretation von Manuel de Fallas „Suite Popular Espanola“ wahre Triumphe. Da sind die beiden Musiker dann ganz in ihrem Element. Ein Stück wie „Nana“ scheint hier beispielsweise die unendliche Weite der spanischen Landschaft in grandioser Weise zu verdeutlichen. Und der melodische Reichtum blüht immer wieder neu auf. „Piece en forme de Habanera“ von Maurice Ravel im Arrangement für Cello und Gitarre zeigt bei dieser Wiedergabe ebenfalls eine große klangliche Faszination, die nicht nachlässt. Entwicklungsdynamik und irisierende Leuchtkraft ergänzen sich gegenseitig. Vor allem die wunderbaren Glissando-Bögen bleiben hier im Gedächtnis. Die Sonate für Gitarre und Cello von Radames Gnattali gefällt in der subtilen Wiedergabe mit Jan Vogler und Ismo Eskelinen mit volkstümlicher Eleganz und Prägnanz. Der Brasilianer mit italienischen Wurzeln komponiert hier im Grenzbereich von U- und E-Musik. Sensible Pizzicato-Akzente verfeinern dieses harmonische Menü. Zum Abschluss überzeugt noch die Gymnopedie No. 1 von Erik Satie, wo beide Musiker mit hintergründiger Ironie agieren. Die parallel laufenden Drei- und Vierklänge entwickeln sich wie von selbst. Und die neoklassizistischen Momente stechen in reizvoller Weise hervor. Es ist ein Musizieren mit viel Tiefsinn, Grandezza und Ausdrucksstärke, das den Zuhörer ganz unmittelbar fesselt. Ein gewisser mystifzierender Zauber lässt sich bei dieser Wiedergabe nicht verleugnen. Doch das Cellospiel Jan Voglers besticht gerade durch seine Seelentiefe und Reife, wobei ihm der versierte Gitarrist Ismo Eskelinen eine starke Stütze ist („Songbook“ mit Vogler & Eskelinen, erschienen bei Sony Classical 19075959762, aufgenommen in Lethe Lounge, New York City, März 2019). 

Alexander Walther

 

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