Sonaten für Geige und Klavier von Beethoven bei Ars
Ludwig van Beethoven (1770-1827) :

– Sonaten Für Violine und Klavier vol.1 : Sonate Für Violine und Klavier in D-Dur Opus 12 Nummer 1 ; Sonate Für Violine und Klavier in A-Dur Opus 12 Nummer 2; Sonate Für Violine und Klavier in Es-Dur Opus 12 Nummer, Sonate Für Violine und Klavier in G -Dur Opus 30 Nummer 3 . Nora Chastain, Geige; Friedemann Rieger, Klavier. 2006. Büchlein in Deutsch und English. 72:53. ARS 38 441.

- Sonaten Für Violine und Klavier vol.2 : Sonate Für Violine und Klavier in A-Moll Opus 23; Sonate Für Violine und Klavier in F-Dur Opus 24 genannt Frühlingsonate; Sonate Für Violine und Klavier A-Dur Opus 47 genannt Kreutzer-Sonate, Nora Chastain, Geige; Friedemann Rieger, Klavier. 31.12.2005. Büchlein in Deutsch und English. 74:18. ARS 38 443

- Sonaten Für Violine und Klavier vol.3 : Sonate Für Geige und Klavier in A-Dur Opus 30 Nummer 1 ; Sonate Für Geige und Klavier in C-Moll opus 30 Nummer 2; Sonate Für Geige und Klavier in G-Dur Opus 96 Nora Chastain, Geige ; Friedemann Rieger, Klavier. 31.12.2005. Büchlein in Deutsch und English. 74:18. ARS 38 443.
Das Plattenlabel Ars veröffentlichte zwischen 2005 und 2006 die Gesamtaufnahme der Sonaten für Violine und Klavier von Beethoven mit der Geigerin Nora Chastain und dem Pianisten Friedemann Rieger. Der größte Vorzug dieser drei CDs ist, dass beide Instrumentalisten gleichberechtigt aufgenommen wurden, sodass man sie ohne Hervorhebung des einen oder anderen hören und sich ganz auf das von Beethoven beabsichtigte harmonische Geflecht konzentrieren kann.
Beethoven komponierte seine Sonaten in seinen Dreißigern, also in relativ jungen Jahren. Der Zuhörer spürt hier deutlich seine Leidenschaft, die zu Virtuosität tendiert, obwohl sich bereits eine gewisse Behaglichkeit abzeichnet, eine Atmosphäre von Brahms‘ Kammermusik avant la lettre, insbesondere in den Sonaten des Opus 12. Dieser Anspruch an Virtuosität, der nach und nach nicht mehr nur glänzt, sondern brennt, entsteht durch die Arbeit an Tempi, Harmonien und Phrasierungen in einem Spiel von einer Mozart würdigen Feinheit.
Es ist nicht allzu gewagt, in der Spielweise der Instrumentalisten zu erkennen, dass sie zum Zeitpunkt dieser Aufnahmen ungefähr im gleichen Alter wie der Komponist waren. Das erklärt eine gewisse Eile in den Tempi von Opus 12, deren Schnelligkeit fast die Atmosphäre zwischen Intimität und Extimität vermissen lässt, eine Leidenschaftlichkeit, die sie dieser Beruhigung im Dialog wie in der Frühlingssonate oder den Sonaten von Opus 30 nahekommen lässt. Sie stört auch ein wenig die Kreutzersonate, die nur durch dieses Gleichgewicht einer diskreten Virtuosität wirklich glänzt.
Die Virtuosität, die sie jedoch bei der Aufführung dieses erfrischenden und schwungvollen Sonatenzyklus an den Tag legen, garantiert dem Zuhörer ein unvergessliches Hörerlebnis. Er wird das klare, kristalline und frische Spiel des Pianisten und die fröhliche Beweglichkeit der Geigerin zu schätzen wissen. Ebenso wird er ihren Dialog wie ein Kinderspiel genießen, das zunächst verspielt ist, dann in der Jugend reift und schließlich fast das Erwachsenenalter erreicht, indem es sich einer häuslichen Glückseligkeit nähert, die Brahms in seinen eigenen Sonaten für Violine und Klavier wieder aufgreift. Wie die Versionen von Oïstrakh mit Orborin oder von Clara Haskil mit Arthur Grumieux, in deren Fußstapfen sie stehen, machen sie jede seiner Sonaten zu einem eigenständigen Universum und umgeben sie gleichzeitig mit ihrem Ensemble. Der Zuhörer taucht also mit jedem Hören mit neuer Freude in diese drei CDs ein. Vielleicht werden sie in einigen Jahren, wenn ihre Hände reifer geworden sind, den Wunsch verspüren, diese Sonaten wieder aufzunehmen, um das gelobte Land zu erreichen.
Andreas Rey

