Ralph Benatzky: Im weissen Rössl • Theater Orchester Biel Solothurn im Stadttheater Solothurn •
Dernière in Solothurn: 07.02.2026
(18. Vorstellung • Premiere am 05.12.2025)
«S’ist einmal im Leben so, andern geht es ebenso; was man möcht’ so gern, liegt so fern!»
Olivier Tambosis «Im weissen Rössl» überzeugt auch bei der Solothurner Dernière mit musikalischer wie szenischer Frische.

Foto © Joel Schweizer
Olivier Tambosi (Inszenierung und Bühnenbild) zeigt in seiner Inszenierung eine «im Wandel begriffene moderne Gesellschaft im Gegensatz zu der nostalgischen Verklärung einer Vergangenheit, in der alles besser war». Für die dahingehende Schlüsselszene versucht er, das Spiel mit Geschlechterrollen mit der performativen Geschlechterkonstruktion nach Judith Butler anzureichern. So wird nicht nur Professor Hinzelmann in zweideutiger Weise von derselben Schauspielerin gespielt, welche gleich darauf auch die Rolle von dessen Tochter Klärchen innehat – sein Klärchen trägt zudem Männerkleider, während Otto über Frauenkleider performativ zu Ottilie wird. Tauschen nun das männlich gelesene Klärchen und Ottilie ihre Kostüme, entsprechen diese dem Geschlecht der herkömmlichen Figuren: Klärchen im Rock und Otto im Hemd. So wird aus dem anfänglich als Professor Hinzelmann auftretenden Klärchen, wenn sie ein langes Kleid trägt, die brave Professorentochter, und aus Gieseckes Frauenkleider tragenden sich mal weiblich, mal männlich gebenden Nachwuchs, der brave Sohn. Ihr Ausruf «Vergesst die Etiketten: Ihr liebt, wen Ihr liebt!» verbalisiert eine Haltung, die Giesecke sich schon stillschweigend angeeignet hat. So kann ihn dann auch nicht mehr erschüttern, wenn zum Schluss Klärchen, Otto/Ottilie und Dr. Siedler zu dritt leben wollen. Dazu passen die ausgesprochen farbenfrohen Kostüme (Kostüme: Anna-Sophie Lienbacher) des Chors, während sich die von Josepha, Leopold, Giesecke, Dr. Siedler, Gustl und dem Kaiser in eher klassischen Bahnen bewegen. Samuele D’Amico setzt das Geschehen ins richtige Licht.
Das Sinfonieorchester Biel Solothurn TOBS! unter musikalische Leitung von Francis Benichou mit wunderbar schmissigem und trotzdem differenzierten Klang. Der Chor TOBS! (Chorleitung: Valentin Vassilev) begeistert mit grosser Spielfreude.
Die Stimmen der Solisten werden, wie schon in der Premiere verstärkt: entsprechend ist die gesangliche Leistung nur eingeschränkt zu beurteilen und wenig Neues zu berichten: Christiane Boesiger gibt eine anfänglich resolute Josepha Vogelhuber, die sich dann überzeugend entwickelt und am Schluss doch zu ihrer Liebe stehen kann und ihren Leopold auf Lebenszeit als Ehemann engagiert. Christian Manuel Oliveira überzeugt als Leopold Brandmeyer mit grosser Leidenschaft und guter Bühnenpräsenz. Adrian Burri gelingt als Ottilie der Wechsel zwischen den Geschlechtern ausgesprochen einfühlsam und mit sympathischer Bühnenpräsenz. Atemberaubend gelingt die Tanzeinlage mit Klärchen, der früheren Schweizermeisterin im Eistanzen Nora von Bergen. Christoph Wettstein als Wilhelm Giesecke überzeugt als Berliner und Tourist, der überall «sein» Ahlbeck (Lieblingsbadeort der Berliner an der Ostsee) oder den Müggelsee (grösster Berliner See) und «seinen» «Grüner Aal» (traditionelle Spezialität der Berliner Küche) vermisst. Alexander Kaimbacher glänzt in der Rolle von Gieseckes «Gegner» Dr. Siedler und Konstantin Nazlamov gibt den Gustl und einen eindrücklich würdevollen Kaiser.
Eine überzeugende Vorstellung.
Auswärtige Vorstellungen:
Do. 26.02.2026, 19:30 – 22:15, Casino Theater Burgdorf;
So. 01.03.2026, 17:00 – 19:45, Théâtre du Jura, Delémont
09.02.2026, Jan Krobot/Zürich

