Giovanni Battista Pergolesi: La serva padrona • Stadttheater Solothurn • Premiere: 15.08.2025
Gala der Dino Arici-Stiftung
In Zusammenarbeit mit Stiftung Schweizer Orchesternachwuchsförderung SON
Im Rahmen der Solothurner Barocktage
Ein herrlich frischer Abend

In Zusammenarbeit mit Stiftung Schweizer Orchesternachwuchsförderung SON bringt die Dino Arici Stiftung im Rahmen der Solothurner Barocktage Giovanni Battista Pergolesis Opernintermezzo in zwei
Teilen «La serva padrona» zur Aufführung. Die Produktion macht musikalisch wie szenisch deutlich, warum das Werk so bedeutend für die Operngeschichte ist.
Larissa Copetti-Campi (Szenische Einrichtung und Ausstattung) hat Ubertos Wohnzimmer zeitlos geschmackvoll und absolut stimmig eingerichtet. So ist den Protagonisten ein ideales Umfeld für ihr Spiel gegeben. Die Solisten nutzen dieses Umfeld. Und wie! Ein so hohes Mass an Zusammenspiel ist nur ganz selten zu erleben und gehört zu den grossen Erlebnissen, die die Oper bieten kann.
Chelsea Zurflüh begeistert als Serpina mit perfekt fokussiertem Sopran. Die Stimme trägt perfekt, die Höhen rein und klar, die Mittellage voll und rund und die Tiefen beeindrucken mit wunderbaren Farben. Ihr Spiel ist überragend, sei es als mit Kopfhörern Musik hörende und dabei (mit begleitendem Cembalo) einen Popsong zum Besten gebende Serva, sei als würdevolle und mitfühlende Padrona. Die Arie («A Serpina penserete») mit der sie Uberto im zweiten Teil um Mitgefühl bittet, wird zum emotionsgeladenen Höhepunkt des Abends. Leonardo Galeazzi als Uberto ist Zurflüh an diesem Abend ein idealer und würdiger Partner. Sein prächtiger Bariton spricht in allen Lagen perfekt an, ist ideal fokussiert und begeistert anfänglich, als Uberto noch das Selbstbewusstsein hat gegen Serpina aufzubegehren, mit strahlendem Metall. Später fügt er sich seinem Schicksal ohne die Figur der Lächerlichkeit preiszugeben. So wird seine Arie «Son imbrogliato io già» zu einem weiteren Höhepunkt. Die Erfahrung einer im Vergleich zu Zurflüh langen Karriere prägt sein souveränes Spiel. Er wäre wohl ein idealer Don Pasquale. Vincent Guihéneuf (Schauspieler und Akrobat) komplettiert als Vespone (stumme Rolle) den Besetzungszettel. Er fungiert als Verstärker der ihm jeweils zugeordnet Hauptrolle und kombiniert dies wohltuend mit seinen akrobatischen Fähigkeiten. Mit dem zweiten Teil wird dann auch klar, warum jeder Gegenstand in Ubertos Zimmer ein Preisetikett trägt: er tritt als «Capitano tasse», Hauptmann der Steuern, als Science-Fiction Krieger im rauchenden schwarzen Umhang mit Rechenmaschine auf. Er droht damit, die geforderte Mitgift aus den Gegenständen in Ubertos Besitz zusammenzustellen. Als sich abzeichnet, dass Serpina und Uberto zusammenfinden, bringt er einen Hometrainer, damit sich Uberto auf das vorbereiten kann, was ihm nun bevorsteht.
Wie die Solisten trotzt auch das Sinfonieorchester Biel Solothurn unter musikalischer Leitung von Riccardo Fiscato der drückenden Hitze. Das Orchester spielt historisch informiert herrlich frisch auf
und legt den idealen Klangteppich für die Solisten.
Ein herrlich frischer Abend, der die Hitze vergessen lässt und Freude auf die kommende Saison macht.
Weitere Aufführung: Sa. 16.08.25 um 20:00 im Stadttheater Biel.
15.08.2025, Jan Krobot/Zürich

