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SIENA/CHIGIANA INTERNATIONAL FESTIVAL(Verschiedene Spielorte) FOCUS HENZE

14.07.2026 | Konzert/Liederabende

SIENA/CHIGIANA INTERNATIONAL FESTIVAL(Verschiedene Spielorte) FOCUS HENZE vom 7.7.- 12.7.2026

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 Seit Nicola Sani künstlerischer Leiter des Chigiana International Festival ist, rückt er jeden Sommer einen bedeutenden zeitgenössischen Komponisten in den Focus.

Nach Pierre Boulez, Luigi Nono, György Kurtag und Luciano Berio ist das heuer Hans Werner Henze. Das ist einerseits eine naheliegende Wahl, weil Henze am 1.Juli seinen 100.Geburtstag gefeiert hätte, andererseits hat das außer Sani niemand auch nur annähernd gemacht, weder in Italien noch in Deutschland.

Eröffnet wurde mit seinem Requiem, einem ebenso außergewöhnlichen wie nahezu nie aufgeführten Werk.

1990 anlässlich des Tods seines Freundes Michael Viner (Leiter der London Sinfonietta) geschrieben, enthält es keine gesungenen Texte, sondern nur reine Instrumentalmusik.

Das Orchestra della Toscana unter Kai Röhring performten dieses Unikum in der wunderbaren Chiesa di Sant‘Agostino mit grosser Bravur. Besonders hervorzuheben natürlich Emanuele Arciuli (Klavier) und Jeroen Berwaerts (Trompete).

Am Tag darauf folgte im Cortile des Palazzo Chigi Saracini ein von Stefano Jacovielli hervorragend gestalteter Round Table mit lauter ausgewiesenen Henze-Experten und – Weggefährten, die verschiedene Aspekte seines Oeuvres beleuchteten: sein langjähriger Mitarbeiter Gastón Fournier-Facio, die Salzburger Musikwissenschaftlerin Vera Grund, der römische Kritikerpapst Sandro Cappelletto und der Vorsitzende der Henze-Stiftung Michael Kerstan. Äußerst interessant und anregend.

Nicht so begeisternd hingegen die von Guido Barbieri gestaltete Lesung aus dem Briefwechsel von Ingeborg Bachmann (die heuer auch 100 geworden wäre) mit Hans Werner Henze. Die beiden lebten ja lange Zeit zusammen, und Ingeborg schrieb ihm einige wunderbare Libretti( Der junge Lord, Der Prinz von Homburg etc.)

Die beiden hätten auch fast geheiratet, was angesichts der Tatsache, dass Inge eine männermordende Kärntner Blondine war und Hans Werner ein nicht ganz so attraktiver deutscher Homosexueller doch zumindest bemerkenswert ist. Solche Fragen nach dem Charakter ihrer Beziehung stellte der Abend auch nicht annähernd. Im Gegenteil: auch durch die unklare Struktur der Briefauswahl, durch die so etwas wie ein tatsächlicher Dialog der beiden bei einem Glas Rotwein in einer Villa in Ischia konstruiert werden sollte, wurde das Ganze hoffnungslos romantisiert, verklärt und verkitscht. Astra Lanz piepste wie ein junges, unschuldiges Mädchen, das die Bachmann nun wirklich nicht war. Den Rest gab dem Abend die völlig überflüssige, öde, eintönige, immergleiche Zwischenmusik des Yvette Duo. Schade. Kann man besser machen, m u s s man besser machen.

Wieder aufbauend dafür das nächste Konzert in Sant‘Agostino. Auf dem Programm standen diesmal gleich zwei Werke von Henze: La Cantata della fiaba estrema und Le miracle de la Rose.

Le Miracle, nach dem gleichnamigen Roman von Jean Genet, ebenfalls wie das Requiem ganz ohne Worte auskommend, überzeugte weitaus mehr, denn in jedem Takt spürte man die Leidenschaft, ja die Passion im wahrsten Wortsinns, mit der sich Henze mit dem Schicksal Genets, des anderen homosexuellen Aussenseiters, innigst identifiziert. Packend. Emotional aufrüttelnd.

 Hochinteressant auch ein anderer Abend mit – man höre und staune ! – Henzes Orchesterfassung der Wesendonck-Lieder von Richard Wagner. Bei keinen Millionen-Quiz der Welt würde jemand in dieser Instrumentierung die Handschrift des Meisters erkennen können…Spannend! Schade nur, das Laura Polverelli in einer nicht erkennbaren Sprache sang. Man verstand kein einzelnes Wort.

 Noch ärgerlicher die Projektion des Dokumentarfilms „La Musica, L‘Amicizia, Il Gioco“ von Nina di Majo. Ein typischer Dokumentarfilm halt, mit „Zeitzeugen“-Interviews vor Bücherwänden vermischt mit „Originalmaterial“, hier allerdings auch noch chronologisch kunterbunt zusammengemischt, ohne roten Faden und vor allem ohne Kenntnis der Materie und Liebe zum Komponisten. Am Ende verstand man nur noch Henze, aber nicht, warum man sich für die Musik dieses Menschen interessieren sollte.

Buuh !

 Das Festival geht noch bis August und bietet sage und schreibe 42 ! Konzerte von Henze an. Da sind sicher noch viele viele weitere Höhepunkte dabei. Aber wenn man kein Appartment in Siena hat…

 Von den Konzerten, die wir erleben durften, stellte für mich persönlich die Aufführung von Minotaurus Blues (1996) in der unfassbar grandiosen Chiess di SS. Annunziata den absoluten Höhepunkt dar. Ein Stück für 6 Perkussionisten mit Instrumenten wie Tam-Tams, Boo-Bams, Vibraphon, Marimba, Tom-Tom, Guiro, Marimba, thailändischer Gong (und viele andere mehr), das von den (hauptsächlich aus Süditalien stammenden) Studenten der Chigiana auf virtuoseste Weise dargeboten wurde. Was der zu diesem Zeitpunkt doch auch schon 70jährige Henze da an jugendlicher Energie, unbändiger Lebenslust und grenzenlosem Lebenswillen entfesselt, ist einfach unglaublich. Überraschend. Überwältigend. Berauschend.

 Robert Quittaa

 

 

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