30.08. 2026: Semmering, Hotel Panhans : Sebastian HOLECEK- „A bisserl Herz für`n Himmelvater – A bisserl G`sang für die Seele“

Sebastian Holecek
…..so treffend betitelte der erfolgreiche Bariton seinen diesjährigen Solo-Abend im Rahmen des „Kultursommer Semmering“ im Festsaal des – leider noch immer „ehemaligen“ – Grandhotels Panhans am Semmering. Begleitet wurde er dabei von Jimmy Chiang, den in Hongkong geborene Österreicher, der sich nicht nur als großartiger Musiker erwies, sobndern als ein feinfühliger Begleiter und vor allem, als einer, der das Herz und das „G`spür“ für die österreichische Seele verinnerlicht hat! Mit Solonummern, etwa der brillant vorgetragenen Walzerfolge aus dem „Rosenkavalier“, von „Wiener Blut“und Musik von Franz Schubert demonstrierte er das nachhaltig.
Der Protagonist, Sebastian Holecek, Träger eines großen Namens – sein unvergessener Vater Heinz galt als Parade – Papageno und Figaro und quasi „Matador“ des Wienerliedes – hatte ein sehr reichhaltiges Programm zusammengestellt, das er mit Texten von Anton Krutisch, Josef Weinheber und anderen anreicherte, die er gekonnt und mit Humor vortrug – das Wienerische liegt ihm sowieso, aber er kann auch köstlich den Dialekt der deutschen Brüder nördlich des „Weißwurstäquators“ imitieren. Mit „I trag`im Herzen drin ein Stückerl altes Wien“ begann er einen Bogen zu spannen, der tatsächlich für die Seele einiges bereit hielt: man schwelgte in Erinnerungen („Vor meinem Vaterhaus steht eine Linde“), war dankbar hier leben zu dürfen („Was Österreich is`“), war fröhlich („Schön is so a Ringelspiel“), nachdenklich („Du guada Himmelvater“), wurde in Heurigenlaune versetzt ( Weil i a oider Drahra bin“, „Stiller Zecher“) und so weiter. Holecek fand für jedes Lied die richtigen Nuancen, fing wunderbar die Stimmung jeder kleinen kompositorischen Kostbarkeit ein. Und das mit einem auch nach vielen dramatischen Opernpartien frischen, unverbrauchten Bariton, dem unglaublich viele Schattierungen zu Gebote stehen! Klangvoll seine gestützten piani, vital und raumsprengend seine Ausbrüche – Wotan beim Heurigen kam mir da in den Sinn – eine ungemein breite Palette, die aber nie als Selbstzweck, sondern so natürlich und werkdienlich verwendet wurde – Chapeau!
Er lebte diesen Nachmittag geradezu mit, mit vollem Körpereinsatz – beim „Drahrer“ etwa, wo er aufstampft tanzt, sogar beim Zuhören, wenn er mit dem von Jimmy Chang elegant servierten „Ballsirenenwalzer“ sich in die Musik mit „hineinlegt“- ein „Vollblutmusiker“, den das Publikum zu Recht ausgiebigst gefeiert hat! Auch den Papageno hatte er im Programm – ein „Ur-Wiener“ , wie er anmerkte – und auch „Non piu andrai“ hatte er – ganz gut passend „hineingeschwindelt“ in dieses erbauliche Konzert. Die Leute verließen glücklich und bester Laune einen Nachmittag der Spitzenklasse. Mir war es nachher noch unbegreiflicher, daß sich die Opernhäuser nicht um diesen virilen Bariton „reissen“ – immerhin kommt im November nun Heerrufer am „Teatro Verdi“ in Triest ( eigentlich vor der Haustüre ) und danach Don Pizarro in Lissabon.
Michael Tanzler

