Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SELCUK CARA: ZUSAMMENARBEIT MIT DEM KLANGFORUM WIEN (neue zeitgenössische Oper im Entstehen)

04.04.2018 | Themen Kultur

SELCUK CARA: ZUSAMMENARBEIT MIT DEM KLANGFORUM WIEN (neue zeitgenössische Oper im Entstehen)
 
Regisseur und Autor Selcuk Cara freut sich über die Zusammenarbeitmit einem der angesehendsten, zeitgenössischen Orchestern der Welt – dem Klangforum Wien.
Wir dürfen eine interessante zeitgenössiche Oper erwarten.

Bildergebnis für im kopf von bruno schulz: ein brief an thomas mann
Die Vorlage für das Libretto von Selcuk Cara
 
IM KOPF VON BRUNO SCHULZ
– Ein Brief an Thomas Mann –
Kammeroper in 9 Bildern

Bildergebnis für selcuk cara
Libretto / Regie: Selcuk Cara
nach der Novelle „Im Kopf von Bruno Schulz“ von Maxim Biller

Komponist: Sascha Janko Dragićević
Bühnenbild: Magdalena Gut
Originalsprache: deutsch
Spieldauer: ca. 100 Minuten

Innere Handlung
Im Mittelpunkt unserer Inszenierung steht Bruno Schulz. In seinem Kellerverlies schreibt er einen Brief an Thomas Mann, während Kinderstimmen, ihm Mut zusprechend, zu trösten versuchen. Der Bühnenraum ist verdichtet auf den Brief, der auf dem Schreibtisch liegt. Die ganze Welt Bruno Schulz ́dreht sich um diesen Brief. Der Adressat ist Thomas Mann, der Nobelpreisträger. Er soll ein gutes Wort für ihn einlegen, ihm einen Verlag finden, ihn aus dieser Stadt herausholen, der breiten Öffentlichkeit bekannt machen. Erfolgreich will er sein, keine unbegabten Kinder im Zeichenunterricht mehr ertragen. In meiner Inszenierung sagen seine Körpersprache und seine Stimme jedoch etwas ganz anderes: Der Brief wird niemals den Großschriftsteller erreichen. Ein innerer Monolog getarnt als Bittbrief, die letzte Ehrerbietung vor seinem einstigen Messias, dem Schöpfer von „Joseph und seine Brüder“. Bruno Schulz ahnt sein Ende, womöglich ersehnt er das Ende. Das erste Mal stellt er sich seiner Angst. Sind Thomas Mann und dessen Doppelgänger im Grunde nicht ein und dieselbe Person – der Deutsche / das Deutsche an sich? Bruno Schulz kennt längst die Antwort. Seinen eigenen, neuen Roman „Messias“ wird er niemals schreiben, denn die Zeit, in der er lebt, hat ihn sprachlos gemacht. All die äußeren Stimmen, die in meiner Inszenierung auf ihn eindringen, sind auch als innere Stimmen zu verstehen. Was wir sehen werden, ist das wohl Traurigste, was einem Künstler, einem empfindsamen Menschen wie Bruno Schulz, widerfahren kann. Wir werden Zeuge seines langsamen Verstummens. Er wird ein einziges Mal tief einatmen, seine Welt/ das Bühnenbild immer weiter ausdehnen, wir werden einen kurzen Einblick in seine Welt gewinnen; die Menschen, die in seinem Leben eine Rolle gespielt haben, werden ihm ein letztes Mal begegnen. Sie werden zu ihm sprechen und er wird durch sie zu sich sprechen. Dann wird sich seine Welt wieder zusammenziehen und über dem Brief verdichtend verschwinden.

Ein Leben – ein Atemzug:
„Haben Sie keine Angst.
Ausgestopfte Vögel fallen bald
wie Sterne vom gemalten Himmel.
Das Märchen ist noch nicht beendet.
Durchsichtiger wird bald der geflügelte Nebel.
Keine Angst – Keine Angst – Keine Angst … “
(aus dem Libretto, Selcuk Cara)

 

Diese Seite drucken