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SAVONA/ Teatro dell‘Opera Giocosa : DELITTO ALL‘ISOLA DELLE CAPRI von Marco Taralli

15.10.2023 | Oper international

SAVONA/Teatro dell‘Opera Giocosa : DELITTO ALL‘ISOLA DELLE CAPRI von Marco Taralli am 14.10.2023

Das kleine, aber feine Teatro dell’Opera Giocosa in der ligurischen Hafenstadt Savona hat in den letzten Jahrzehnten immer wieder durch äußerst interessante und ungewöhnliche „Stagione“ aufhorchen lassen (so wurde hier zum Beispiel – lange vor Pesaro – Rossinis lange vergessene Oper „Sigismondo“ wieder-entdeckt, und das von keinem Geringeren als Sir Richard Bonynge!).

Auch heuer wartete der Präsident und künstlerische Leiter Giovanni Di Stefano wieder mit Überraschungen und mutigen Entscheidugen auf : so programmierte er – neben der vorhersehbaren „Cavalleria rusticana“ – ein „Sequel“, eine Fortsetzung desselben Stoffes mit dem schönen Titel „Dodici anni dopo“, in der Alfio eben zwölf Jahre später nach Vizzini zurückkehrt, um die Vergebung seiner Mitbürger zu erbitten.

Und als Clou zur Eröffnung der Saison präsentierte er Marco Tarallis neues Auftragswerk: „Il delitto all‘isola delle capre“ (Das Verbrechen auf der Insel der Ziegen). Der 1967 indem Abruzzen geborene Taralli ist neben Marco Tutino derzeit einer der gefragtesten zeitgenössischen italienischen Komponisten. Das „Delitto“ beruht auf einem Theaterstück des in Italien sehr populär gewesenen Autors Ugo Betti und erzählt psychologisch, um nicht zu sagen: psychoanlytisch hochraffiniert von einem emotional komplexen Beziehungswirrwarr zwischen einem Mann und drei Frauen auf einer einsamen Insel (der In Wirklichkeit nicht existierenden Ziegeninsel).

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Drei Frauen und ein Mann auf einer einsamen Insel. Foto.Teatro Giocosa

Ich habe schon lange keine soo rundum gelungene Opernproduktion erlebt (und sie ganz ehrlicherweise in Savona auch nicht erwartet). An dieser „Isola“ stimmt einfach alles: das geniale konzise Libretto des 95jährigen Emilio Jona (der schon für Berio und Nono Libretti geschrieben hat, Marco Tarallis rhythmisch raffinierte Musik für ein 10köpfiges (perkussionslastiges) Kammerorchester, das Dirigat des jungen Marco Attura, das sängerisch wie darstellerisch keinen Wunsch offenlassende Emsemble – Sofia Janelidze(Agata), Federica Vinci (Pia), Irene Celle (Silvia) und Michele Patti (Angelo) -, das wunderbare Bühnenbild von Josephin Capuzzi, die einfühlsame Personenregie von Matteo Manzoni und die subtile Lichtregie von Marco Scattolini.

Was soll ich sagen: einfach alles ist detailreich und detailverliebt gestaltet – und passt auch noch perfekt zusammen….

Nach eineinhalb packenden Stunden ist man von dieser (wie sich schon vom Titel her denken lässt, nicht gerade happy ausgehenden) Geschichte dermaßen aufgewühlt, dass man dringend ein paar Grappa zur Beruhigung benötigt. Aber nach dieser Pause wäre man sofort bereit gewesen, sich diese neue Oper da capo alla fine noch einmal anzuhören (so wie es Schönberg bei seinen Uraufführungen zu tun pflegte).

Denn „Il delitto all‘isola delle capre“ ist ein Meisterwerk, das eine weitere Verbreitung verdienen würde.

Robert Quitta, Savona

 

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