Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SANTA CRUZ DE TENERIFE: ORFEO ED EURIDICE – Premiere

25.01.2026 | Oper international

SANTA CRUZ DE TENERIFE: ORFEO ED EURIDICE – Premiere am 22. Januar 2026

Musikalisch gut, szenisch zu flach

sant
Foto: Klaus Billand

Die Ópera de Tenerife hat mit einer Neuinszenierung von „Orfeo ed Eurydice“ den großen Opernklassiker von Christoph Willibald Gluck vor einem ausverkauftem Auditorio Ádán Martín in Santa Cruz neuinszenieren lassen. Ein weiterer Premierenabend des mondänen Hauses unter der Leitung von Intendnat José Luis Rivero, der hier wahrhaftig ein Feuerwerk an neuen Stücken und Produktionen abzieht. Er stellt dabei auch diverse Inszenierungsstile vor, von traditionell, aber nie altbacken, über etwas modernere Ansätze, die aber stets unter der Schwelle zum Regietheater bleiben, sowie auch weniger opernhafte und schon ins Halbszenische weisende Regieformen.

Auf dieser Ebene bewegte sich die Neuinszenierung von “Orfeo ed Eurydice” an diesem Abend, diesmal nicht ganz so überzeugend wie hier am Hause üblich. In der Regie und mit der Choreografie von Pep Ramis und María Muñoz (Compañia Mal Pelo), die einmal mehr auf eine regelrechte Überflutung mit Videos auf einer bühnengroßen weißen Wand setzten, kam das Opernhafte des Stückes viel zu kurz. Diese weiße Wand ist also eine Videofläche, und gerade im Vorspiel hatten die Videos, die da zu sehen waren,

sehr abstrakte Formen von Blumen, von angedeuteten Figuren, also auch relativ

wenig mit dem Stück an sich zu tun. Es wirkte optisch alles gewissermaßen im ständig weißen Flachbild aseptisch unengagiert.

Das Regieteam wollte vor allem mit einer Tanzperformance als seinem spezifisch künstlerischen Code den Mythos hinter der Geschichte von Orpheus und Eurydike, der großen Liebe und ihres Verlustes nahekommen. Man setzte dazu auf Bewegung als einem wesentlichen Narrativ der Interpretation sowohl im Hinblick auf die szenischen wie auf die körperlichen Dimensionen. Damit spielte also der Tanz – mit dem kommentierenden Chor meist im Hintergrund – die entscheidende Rolle in der Inszenierung und konnte durchaus nicht immer überzeugend, vor allem die dramatischen Momente des Stücks, wie beispielsweise den Auftritt der Furien, adäquat und mitnehmend abbilden. So blieb doch szenisch und auch dramaturgisch allzu viel im Ungefähren und nahm der Oper, die sie letzten Endes trotz aller Lichtbild-Aufführungen immer noch ist, viel von ihrer dramatischen Kraft. Da konnten auch die Kostüme von Lluc Castells und das im weißen Umfeld wenig variierende Licht von Luis Martí keine großen Akzente setzen. Im Finale, wenn es den Lobgesang auf die Liebe gibt, waren die Videos doch passender.

Hervorragend gesungen haben jedoch Teresa Iervolino (Mezzo) als Orpheus in der Hosenrolle, Ana Vieira Leite (Sopran) als Eurydike und Mira Alkhovik (Sopran) als Amor. Iervolino sang den Orpheus mit einem schön aberdunkelten farbigen und charaktervollen Klang und harmonierte bestens mit den beiden Sopranstimmen.  

Jordi Francés leitete kompetent und auf die vielen Farben der Partitur bestens eingehend das Orchester Concerto München. Es ist ein Barockorchester, welches an diesem Abend aber keine historische Wiedergabe anstrebte, sondern auf eine performative Art und Weise den musikalischen Code des 18. Jahrhunderts auf unsere heutigen Hörgewohnheiten zu übertragen beabsichtigte. Das gelang sehr eindrucksvoll und bekam auch großen Applaus. Der von Miguel Ángel Arqued geleitete Coro Titulatur Ópera de Tenerife-Intermezzo trug das Seine zum musikalischen Erfolg bei. Die karge Optik schien die Begeisterung des Publikums im ausverkauften Haus nicht zu beeinträchtigen. Es gab für alle Akteure großen Applaus.

santa

Schlussapplaus. Foto: Klaus Billand

 

Klaus Billand

 

Diese Seite drucken