SALZBURG / Landestheater: 15.02.2025: „INTERNATIONALE BALLETTGALA“. – grandioses Benefiz-Ballettereignis
2011 von Salzburgs langjährigem Ballettchef Peter Breuer erstmals initiiert, fand heuer die Internationale Ballettgala bereits zum 14. Mal im Salzburger Landestheater statt (sie musste nur im Pandemie-Jahr ausgesetzt werden). Mittlerweile bestens etabliert, hat sich in der Musikstadt Salzburg durch das hier vorhandene Ballettpublikum auch eine sehr große Anzahl an Interessierten für den Besuch der Gala gefunden, sodass dieses großartige Benefiz-Ballettereignis zugunsten der Salzburger Aids-Hilfe seit zwei Jahren mit einer Nachmittags- und einer anschließenden Abendvorstellung angeboten wird. Auch heuer waren erneut beide Aufführungen wieder restlos ausverkauft; alle Tanz-Gäste hatten zugunsten des guten Zweckes auf ihre Gagen verzichtet. Wie üblich waren die Mädchen der Salzburger SIBA-Ballettschule mit ihren Zylinder-Hüten in der Pause im Theater unterwegs und waren bereit für die zu erhoffende Spendenfreudigkeit der Zuschauenden.
Nach der Begrüßung durch den Intendanten des Salzburger Landestheaters Carl Philip von Maldeghem führte diesmal das aktuelle Ballett-Leitungsteam Reginaldo Oliveira und Armin Frauenschuh durch die Gala, die auch diesmal ein gut abgestimmtes und abwechslungsreiches Programm bot. Zahlreiche internationale Tänzerinnen und Tänzer waren wieder der Einladung für die gute Sache gefolgt und zeigten klassische Variationen sowie zeitgenössische Piecen – natürlich war auch das Ballett des Salzburger Landestheaters mit zahlreichen Beiträgen vertreten. Als Schirmherr der diesjährigen Gala fungierte Prof. Peter Breuer, der in dieser Funktion nicht nur einen Beitrag für das Programmheft verfasst hatte, sondern auch auf der Bühne zu Wort kam.
Valbona Bushkola (Mitte) und das Ensemble im Finale aus „Fridas Welt“ © Tobias Witzgall
Als Gastgeber-Compagnie boten die Tänzerinnen und Tänzer vom Ballett des Salzburger Landestheaters den Rahmen für diese Veranstaltung: eröffnet wurde durch den ein amüsantes Geschichtchen erzählenden Walzer „Rosen aus dem Süden“ (Walzer Opus 388) von Johann Strauß Sohn in einer Choreografie von Reginaldo Oliveira, kreiert für das Salzburger Silvester-Konzert mit Gala Lara im Mittelpunkt des Ensembles. Dass kreatives Potenzial in ihnen steckt, bewiesen Dafne Barbosa und Mikino Karube mit dem von ihnen gestalteten und spritzig gezeigten „Galopp“ (Musik: „Alpenkönig-Galopp op. 7, Nr. 1 und 2 von Johann Strauß Vater). Den schwungvollen Abschluss gestalteten dann Valbona Bushkola und das Ensemble mit dem mit Verve getanzten Finale aus „Fridas Welt“ in der Choreografie von Reginaldo Oliveira zu Musik von Natalia Lafourcade. Chigusa Fujiyoshi vom Salzburg Ballett und Gasttänzer István Simon bestritten einen Pas de deux aus „Flammen von Paris“ (Choreografie: Vasily Vainonen; Musik: Boris Asafyev). Bereits 20 Jahre Zugehörigkeit zum Salzburger Ballett feierte kürzlich Anna Yanchuk – sie war mit dem bekannten Solo „Der Sterbende Schwan“ in einer Choreografie nach Michel Fokine zur Musik von Camille Saint-Saëns zu erleben.
Österreichische Beteiligung steckte diesmal auch in weiteren Beiträgen. Von Kiyoka Hashimoto und Masayu Kimoto (beide Erste Solisten im Wiener Staatsballett) wurde der Pas de deux „Mozart á 2“ (Musik: Wolfgang Amadeus Mozart; Choreografie: Thierry Malandain) poetisch feinsinnig getanzt. Jakob Feyferlik – Erster Solotänzer im Bayerischen Staatsballett München – begeisterte mit Partnerin Maria Baranova mit einem Pas de deux aus „Le Parc“ von Angelin Preljocaj (Musik: „Adagio“ aus dem Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur, KV 488 von W.A. Mozart), wobei besonders durch den „fliegenden Kuss“ die gezeigte hoch emotionale Gefühlswelt wunderbar sichtbar gemacht wurde. Maria Yakovleva – Prinzipal Dancer im Ungarischen Nationalballett – erzeugte ebenfalls große Begeisterung mit Louis Scrivener als Partner. Im fulminant getanzten Pas de deux aus „Don Quixote“ (Musik: Ludwig Minkus; Choreografie: Marius Petipa) zirkelte sie perfekt ihre (doppelten) Fouettés, und sprengte er mit seinen raumgreifenden Sprüngen fast die Bühne – beide überzeugten durch feuriges spanisches Temperament im furiosen Tanz.
Maria Baranova mit Jakob Feyferlik in „Le Parc“ © Gherciu Serghei
Choreografin Valentina Turcu war gleich mit zwei Piecen vertreten: Iva Vitić Gameiro und Guilherme Gameiro Alves (beide vom Kroatisches Nationalballett Zagreb) gefielen außerordentlich gut mit dem ausdruckstark und sensibel interpretierten Stück „Leave“ zur Arie „Lascia chi´io pianga“ von Georg Friedrich Händel. Catarina Meneses und Ionut Dinita (beide vom Slowenischen Nationalballett Maribor) interpretierten sehr gefühlsintensiv die Balkonszene aus „Romeo und Julia“ (Musik: Sergej Prokoffjev).
„Nocturne“ von Christian Spuck zur gleichnamigen Komposition von Frédéric Chopin wurde für Cohen Aitchison-Dugas kreiert, das dieser gemeinsam mit Leroy Mokgatle als erste*r nicht binäre*r Balletttänzer*in im Staatsballett Berlin verkörperte – die beiden berührten durch ihre feinfühlige wunderbare tänzerische Umsetzung.
Mit der Darbietung „Pyramid“ (Choreografie: Maurice Béjart) zum Musikstück „Jour et Nuit“ von Munir Bashir entführten Valerija Frank und Oscar Frame vom Béjart Ballett Lausanne in Anklängen in fernöstliche Sphären. Vom Ballett am Rhein Düsseldorf/Duisburg kommend, beeindruckten Balkiya Zhanburchinova und Joan Ivars Ribes ganz besonders durch das sehr stimmig getanzte Duett „On the Nature of Daylight“ von David Dawson zu Musik von Max Winter.
Auch eine Uraufführung durfte nicht fehlen: Vincenzo Veneruso erarbeitete mit Frederico Pinto vom Opernballett Sofia und mit Gastsolistin Giulia Neri „Scarlatti´s Dance“ zu „Fandango in D-Moll“ von Domenico Scarlatti. Machohaften Charme versprühte Ramiro Gómez Samón vom Ballet de l´Opéra Nationale du Capitole de Toulouse mit dem entsprechend nonchalant getanzten Solo „Les Bourgeois“ von Ben Van Cauwenbergh zu einem Chanson von Jacques Brel.
Die Tänzerinnen und Tänzer zeigten in diesem Nachmittags-Event der Extraklasse vielfältige Tanzstile und Bewegungssprachen von klassisch bis zeitgenössisch und wurden vom enthusiasmierten Publikum heftig und lang anhaltend beklatscht – die Internationale Ballettgala war ein voller Erfolg! Fortsetzung folgt nächstes Jahr.
Ira Werbowsky