Salzburg / Landestheater:
„DIE SEELE AM FADEN: SALZBURG BALLETT TRIFFT FRIEDEMANN VOGEL“. – 6.9. 2026 eine exzeptionelle Begegnung mit einem Ausnahmetänzer und dem Salzburg Ballett
In der neuen Serie „Salzburg Ballett trifft… “ war der erste Gast ein international gefeierter Startänzer: Friedemann Vogel, Erster Solotänzer im Stuttgarter Ballett gastierte mit dem Solotanzstück „Die Seele am Faden“. Der Ausnahmetänzer, der im Juli in Stuttgart zu Saisonende – in Baden-Württemberg beginnen die Sommerferien erst im August – sowohl in den tänzerisch wie ausdrucksmäßig sehr herausfordernden Partien als Kronprinz Rudolf sowie auch als Onegin reüssiert hatte, demonstrierte seine hohe tänzerische Kunst gepaart mit Körperbeherrschung, Ausdruckskraft und Charisma bei einem zweitägigen Gala-Gastspiel in Salzburg. Auf eine Abendvorstellung am Samstag folgte ein Auftritt zum Matinee-Termin am Sonntagvormittag. Das Interesse war enorm, beide Aufführungen im Landestheater waren restlos ausverkauft. Eine Autogrammstunde im Logenfoyer nach der Matinee ermöglichte zusätzlich eine direkte Begegnung mit diesem Ausnahmekünstler.

Vollkommene Beseeltheit in der tänzerischen Bewegung bei Friedemann Vogel (© Stuttgarter Ballett)
In den beiden Werkeinführungen 45 Minuten bzw. 30 Minuten vor Beginn der Matinee war das Logenfoyer im ersten Rang jeweils übervoll. Armin Frauenschuh als Managing Director vom Salzburg Ballett begrüßte Florian Vogel, seit 2016 der künstlerische Leiter des Kleist Forums in Frankfurt (Oder), dessen Produktion hier präsentiert wurde. Die Namensgleichheit mit dem Ballettstar ist keine zufällige, den Florian Vogel ist ein älterer Bruder von Friedemann Vogel (von den insgesamt fünf Brüdern war Roland Vogel Solotänzer ebenfalls in Stuttgart, die beiden anderen Brüder sind Musiker und Florian Vogel wurde Schauspieldramaturg).

Friedemann Vogel als Marionette (© Stuttgarter Ballett)
Von Florian Vogel stammte auch die Idee zu „Die Seele am Faden“, diese Produktion wurde 2024 im Rahmen der Kleist-Festtage im Kleist Forum in Frankfurt (Oder) uraufgeführt. Basierend auf dem Essay „Über das Marionettentheater“ von Heinrich von Kleist, das die Gedanken des Dichters zu Bewusstsein und Bewegung, Vollkommenheit und Anmut beinhaltet, wurden diese Reflexionen durch den Choreografen Thomas Lempertz (von dem auch die Kostüme stammen) zu einem Tanzstück geformt, umgesetzt von Friedemann Vogel, für den als Tänzer Disziplin und Präzision, Technik und Ausdruck zählen. Aber hier geht es um mehr, es geht um das, was durch jede Bewegung darüberhinausgehend mitgeteilt wird, es geht um die Seele, die hinter jeder Bewegung steckt. Diese Beseeltheit zeichnet die Auftritte von Friedemann Vogel aus, ganz besonders hat er dies in dieser Performance sichtbar und erlebbar gemacht: Friedemann Vogel spiegelt mit seinem Körper als Instrument die Spannung von Marionette und Mensch, von Kontrolle und Freiheit wider: in 45 spannungsgeladenen Minuten lässt er die Zuschauenden teilhaben an dieser Menschwerdung der Marionette, an der Verschmelzung von Bewegung und Geist. Musikalisch wird er auf der Bühne live begleitet von Alisa Scetinina. Für die Metamorphose von der Marionette zum Mensch kommen auch Videoeinblendungen eines Avatars von Friedemann Vogel zum Einsatz (Digital Artist: Timo Kreitz, Lichtdesign: Henry Winter). Standing Ovation und jubelnder minutenlanger Beifall für diese außergewöhnliche Präsentation.

Prägnantes Ensemble: das Salzburg Ballett in „Boléro“ (© Christian Krautzberger)
Nach der Pause wird mit „Boléro“ von Maurice Ravel in der Choreografie von Yonggeol Kim fortgesetzt. Eine kurze Erläuterung zu diesem Stück gab Armin Frauenschuh in der Werkeinführung. Ursprünglich für 50 Tänzer konzipiert, hat der Südkoreaner für das Salzburg Ballett eine Version für sieben Tänzerinnen und sieben Tänzer sowie eine zentrale Frauenfigur geschaffen, die gleichsam wie eine Schamanin das Ensemble anführt. Diese Kreation war in der vorigen Saison Teil des Programmes „Carmen – Rosa – Bolero“ und bildet jetzt bei „Salzburg Ballett trifft Friedemann Vogel“ eine thematische Fortführung, geht es hier doch auch hier um den Menschen und seine Bewegung, um Bewusstes und Unbewusstes entlang einer Zeitlinie (musikalisch durch das durchgängige Trommelmotiv begleitet). Im sich in steter Wiederholung steigernden Musikduktus folgt das Ensemble einerseits wie in einem rituellen Akt dem Rhythmus der Komposition, um sich ihm zugleich auch zu widersetzen, angeleitet von einer im Zentrum der Aktion stehenden Tänzerin, hier sehr präsent von Chigusa Fujiyoshi verkörpert. Dynamische Spannung auch hier in dieser tänzerischen Auseinandersetzung der Frage nach dem sich bewegenden Menschen und seiner tänzerischen Ausdruckskraft.

Chigusa Fujiyoshi als Anführerin der Gruppe (© Christian Krautzberger)
Ein glanzvoller Saisonauftakt mit dem Salzburg-Ballett und Friedemann Vogel – bejubelt vom begeisterten Publikum.
Ira Werbowsky

