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SALZBURG (Großes Festspielhaus): COSÌ FAN TUTTE

11.08.2020 | Oper

Marianne Crebassa, Elsa Dreisig. Foto: Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

SALZBURG (Großes Festspielhaus): COSÌ FAN TUTTE am 9.8.2020

 Nicht alles Ungeplante ist von vornherein schlecht. NIcht jede „Notproduktion“ muss ein Misserfolg sein. Im Gegenteil.

Die ersten Salzburger Festspiele hätten 1920 ja bekanntlich mit Hofmannsthals „Grossem Welttheater“ eröffnet werden sollen. Da der Meister damit nicht rechtzeitig wurde, kramte Max Reinhardt seine alte „Jedermann“-Inszenierung aus Berlin (1911) hervor. Der Rest ist Geschichte – bis heute.

Ob Christof Loys „Così fan tutte“-Version noch in 100 Jahren gespielt werden wird, sei dahingestellt, aber ein Glücksfall ist diese ungeplante, nur aufgrund der Covid-19-Not entstandene Produktion allemal.


Foto: Salzburger Festspiele/ Monika Rittershaus

Eigentlich war man ja misstrauisch, als nach der Premiere fast ausschliesslich in den höchsten Tönen jubelnde Kritiken erschienen. Selbst die sonst giftzüngigsten, boshaftesten, in jeder Suppe ein Haar finden müssenden deutschen Kritiker überschlugen sich hier mit ihrem Lob und wetteiferten unisono miteinander darum, die ultimative Così-Hymne geschrieben zu haben.

Aber sobald man das Grosse Festspielhaus betrat, war man sofort selbst diesem eigenartigen Zauber erlegen, von der ersten bis zur letzten Sekunde.

Diese Aufführung ist eine Sternstunde, diese Aufführung ist ein Wunder, diese Aufführung ist – man kann es nicht anders sagen – perfekt.

Woran das liegt? Schwer zu sagen. Es passt einfach alles zusammen, es gibt einfach nichts an diesem Abend auszusetzen.

Dass Christof Loy der grösste Personenregisseur unserer Zeit ist, weiss man. Wie er mit scheinbar leichter Hand psychologische Beziehungen in räumliche Konstellation umsetzt, das macht ihn derzeit keiner nach. Aber dazu braucht er natürlich ein Ensemble, das ihm darin folgt. Und das ideale Sängersextett gebildet aus Elsa Dreisig (Fiordiligi), Marianne Crebassa (Dorabella), Andrè Schuen (Guglielmo), Bogdan Volkov (Ferrando), Lea Desandre (Despina) und Johannes Maria Kränzle (Don Alfonso) tut dies in jedem Augenblick. Alle wissen immer genau, was sie tun, sie sind emotional durchlässig wie eine hauchdünne Membran und sie drücken ihre Emotionen in Mimik und Gestik mit einer schauspielerischen Präzision aus, die gelernte Schauspieler vor Neid erblassen müssten.


Foto: Salzburger Festspiele/ Monika Rittershaus

Singen tun sie sowieso himmlisch, sowohl einzeln als auch zusammen und ihre Stimmen harmonieren – auf Händen getragen von der mit der Eleganz einer Primaballerina die Wiener Philharmoniker dirigierenden Joana Mallwitz – vollkommen miteinander.

Ich weiss, das Wort haben vor mir schon andere verwendet, aber es ist nun einmal zutreffend:

Diese Così ist überirdisch.

Man entschwebt dem Grossen Festspielhaus auf Wolke 7,8 oder 9 (mindestens)…

 Robert Quitta, Salzburg

 

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