Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

Salzburg:/Festspiele „Hotel Metamorphosis“ 15.8. Wiederaufnahme einer Produktion der Pfingstfestspiele 2025

16.08.2025 | Oper in Österreich

Salzburg: „Hotel Metamorphosis“ 15.8.2025

Wiederaufnahme einer Produktion der Pfingstfestspiele 2025

Ein Pasticcio mit Musik von Antonio Vivaldi in zwei Akten

Texte von Ovid in der Übersetzung von Hermann Heiser

Gedichte von Rainer Maria Rilke

Fassung von Barrie Kosky und Olaf A. Schmitt

meta1
Lea Desandre (Echo) – Angela Winkler (Orpheus) – Il Canto di Orfeo –  Tänzer:innen
© SF / Monika Rittershaus

Wie sagt Barrie Kosky im Gespräch mit Olaf A. Schmitt: „Eines der Vergnügen beim Kreieren eines Pasticcios ist, dass es uns erlaubt, nur sehr gute Stücke von Vivaldi auszuwählen. … Wir stellen aus sämtlichen Arien, Duetten und Instrumentalstücken etwas Neues zusammen und können so dem Publikum ein Meisterstück nach dem anderen bescheren.“

Ähnliches gilt für die Texte: „Ovid ist zeitlos. … Mit den Metamorphosen hat Ovid ein umfangreiches Werk mit etwa 250 Geschichten geschrieben …Für unser Pasticcio haben wir fünf Geschichten ausgewählt …Wir benutzen eine zeitgemäße deutsche Prosa-Übersetzung, aber wir aktualisieren oder adaptieren Ovid nicht. Ich wollte die Klarheit seiner Erzählungen Vivaldis Musik gegenüberstellen.“ (Programmheft, S. 20 + 21)

In einem dreijährigen Prozess hat das Team Barrie Kosky und Olaf A. Schmitt dasHotel Metamorphosis“ entwickelt und eine faszinierende Theater-, Opern- und Tanzproduktion bestehend aus den folgenden Teilen geschaffen:

Prolog

Erster Akt
Erste Szene: Pygmalion
Zweite Szene: Arachne
Dritte Szene: Myrrha

Zweiter Akt
Erste Szene: Echo und Narcissus
Zweite Szene: Eurydice in der Unterwelt

Dauer: 4 Stunden mit einer Pause

Auf der Bühne ist ein Hotelzimmer zu sehen, „das sich überall auf der Welt befinden und worin alles Mögliche passieren kann. Hier lässt sich der Gedanke von Schlaf, von Warten, Verlust, Flucht, Erinnerung oder Halluzination interessanter vermitteln, als wenn man die Geschichten bloß illustriert. Und ich finde es reizvoll, nicht zu wissen, ob etwas nun tatsächlich oder im Unbewussten passiert – oder beides zusammen.“ (Barrie Kosky, Programmheft, S. 24)

Die Salzburger Produktion „Hotel Metamorphosis“ will zur Wiederentdeckung und Neubewertung von Vivaldis Opernschaffen beitragen. Das ist zweifellos gelungen: der Erfolg bei den Pfingstfestspielen und die Wiederaufnahme bei den Festspielen im Sommer mit fünf ausverkauften Vorstellungen und jeweils frenetischem Schlussapplaus beweisen das.

Inhaltlich sind Themen wie Genderfluidität und die Rechte von Transpersonen aktuell, aber bestimmt nicht neu, sondern vor allem in der Kunst verschiedenster Kulturen seit Jahrtausenden präsent.

meta2
Nadezhda Karyazina (Minerva, Nutrice und Juno) – Cecilia Bartoli (Eurydice und Arachne)
© SF / Monika Rittershaus

Angela Winkler, geb. 1944, führt durch die Geschichten Ovids. Sie ist Orpheus. Sie erzählt von Pygmalion, der eine Figur erschafft, in die er sich verliebt, von Arachne, die in einen Wettstreit der Webkunst mit Göttin Minerva tritt und mit ihrem Sieg den Zorn der Göttin weckt, von Myrrha, die ihren eigenen Vater so liebt, dass sie unerkannt mit ihm ins Bett geht und von ihm schwanger wird, von Narcissus, der sich unsterblich in sein eigens Spiegelbild verliebt und deshalb die heftigen Annäherungsversuchen der schönen Nymphe Echo nicht einmal bemerkt. All diese Menschen, Göttinnen und Künstler, die zwischen Eros und Thanatos, zwischen Liebe, Erotik und dem Tod hin und her geschleudert werden, packt Barrie Kosky in ein Hotelzimmer, erzählt von ihren Schicksalen, lässt sie in der Anonymität des Hotels lieben, leiden und träumen. Die beeindruckenden Videozuspielungen kommen von Rocafilm.

meta3

Tänzer:innen
© SF / Monika Rittershaus

 

Die musikalische Gesamtleistung des Abends ist außergewöhnlich und unglaublich homogen.

Wer sind die Protagonistinnen und Protagonisten?

Die Mezzosopranistinnen Cecilia Bartoli (Eurydice und Arachne), Lea Desandre (Pygmalions Statue, Myrrha und Echo) und Nadezhda Karyazina (Minerva, Nutrice und Juno), der Countertenor Philippe Jaroussky (Pygmalion und Narcissus), der Chor „Il Canto di Orfeo“ (Leitung: Jacopo Facchini), das hervorragende Tanzensemble (Choreografie: Otto Pichler, Kostüme: Klaus Bruns), das Orchester Les Musiciens du Prince-Monaco (Dirigent: Gianluca Capuanao).

Cecilia Bartoli leitet höchst erfolgreich die Salzburger Pfingstfestspiele seit 2012 und wurde Ende Juli 2025 als deren Intendantin bis 2031 wiederbestellt. Seit 2023 ist sie Direktorin der Opéra de Monaco. Das Merker-Team gratuliert und wünscht „ad multos annos“.

 

Elisabeth Dietrich-Schulz

 

Diese Seite drucken