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SALZBURG/Festspiele: ARIADNE AUF NAXOS – Premiere am 2. August 2026

05.08.2026 | Oper in Österreich

SALZBURG/Festspiele: ARIADNE AUF NAXOS – Premiere am 2. August 2026

Gescheitertes Regiekonzept!

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Copyright: Thomas Aurin/ Salzburger Festspiele

Große, nach seiner gescheiterten Inszenierung der „Perlenfischer“ an der Wiener Staatsoper wohl allzu große Erwartungen wurden an ein auf den ersten Blick mutiges innovatives Regiekonzept des allzu sehr gehypten Regisseur Ersan Mondtag gestellt. Er zeichnete auch für Bühne und Kostüme verantwortlich. Till Briegleb gab dramaturgische Unterstützung, Franck Evin war für das meist spärliche Licht und Alexander Pannier für einige Videos verantwortlich.

Mondtag hatte im Mai die „Perlenfischer“ von George Bizet an der Wiener Staatsoper mit einem zwar weit hergeholten, aber nicht ganz abwegigen Regiekonzept, jedoch mit vielen handwerklichen Fehlern und sonstigen szenisch-dramaturgischen Entbehrlichkeiten in den Sand gesetzt. Es gab dort wie nun in Salzburg allgemeine Ablehnung des Publikums und der Kritik bei einem erneuten Regiekonzept-Fehlgriff. Als er mit seinem Team vor den Vorhang kam, wurde er mit einem starken Buh-Orkan empfangen, ungewöhnlich für das Salzburger Publikum, leider Normalfall in Bayreuth, und reckte als Reaktion eine Faust in den Saal. Man sollte etwas mehr Demut haben als Künstler! Man inszeniert letztlich für das Publikum und nicht für sich selbst!

Aber bitte, was war denn zu sehen als „Ariadne auf Naxos“, ein Meisterwerk von Richard Strauss! Im Prinzip wählte der Regisseur wie in Wien ein unkonventionelles Ausgangskonzept. Mondtag meint, dass in unserer zerstörten Welt, die von der Globalisierung, aber auch ökologisch zerstört sei, was in dieser verallgemeinernden Form ja gar nicht stimmt, die Ultra-Reichen auf den Mars geflogen sind und sich dort von der bekannten Welt abgekapselt haben. Nicht einmal auf den Mond, den man ja immerhin schon etwas kennt und der auch näher liegt. Nein, gleich auf den Mars à la Elon Musk! Zubringerdienste sind ja bereits vorhanden.

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Copyright: Thomas Aurin/ Salzburger Festspiele

Also gut, diese „Ariadne“ spielt auf dem sonnennahen Planeten, womit der Bezug zum Stück im Sinne von Richard Strauss natürlich verloren geht. Aber das kalkulieren die Apologeten des aus dem Ruder laufenden Regietheaters, die die Regie über die beiden Hauptkomponenten der Kunstform Oper, Musik und Gesang, stellen, immer gern ein. Da fehlt dann natürlich jeglicher Wiener Schmäh, ja, er kann sich in der Einöde des Mars auch wirklich nicht einstellen. Dies ist aber ein wichtiger Aspekt, der mit diesem Regiekonzept total verloren geht.

Elina Garanča, die als Ariadne mit Rollendebut ganz groß angekündigt wurde und sicher einen Publikumsmagneten darstellte, ist wohl abgesprungen, als sie von den Details der Produktion erfuhr. Das war in Salzburg aus berufenem Munde zu hören.

Man sieht also in ein Einheitsbühnenbild, welches an das Hauptportal des Karl-Marx-Hofes in Wien-Heiligenstadt erinnert, sogar mit seiner karmesinroten Färbung. Das war also gar nicht so planetarisch, sondern außerordentlich irdisch. Im Vorspiel wird natürlich gleich wie wild herumgelaufen, auch von gar nicht vorgesehenen Statisten, einer Art Mars-Wache mit Stahlhelmen in Ocker. Und natürlich turnen vier Mars-Tänzer in hautengen weiß-roten Tights herum. Sie vollführen in der Choreografie von Ashley Alexandra Wright alle möglichen, bisweilen nur entfernt an Tanz erinnernde Verrenkungen.

Der Komponist irrt als bedauernswertes androgyn wirkendes menschliches Wesen in schwarzer Kutte mit hellbraunen Haaren herum, scheinbar vom Wüstensand eingefärbt. Die sich langsam und subtil anbahnende Beziehung zwischen ihm und Zerbinetta wird nicht klar herausgearbeitet, wie es überhaupt einmal wieder bei Mondtag an stringenter Personenregie mangelt. Die „Ariadne“ war auch hier in Salzburg schon viel gekonnter zu erleben. Es zeigt sich halt immer wieder, dass Mondtag noch viel zu wenig Erfahrung mit Opernregie hat.

Und dann die Oper nach der Pause. Wir sind also wieder im Karl-Marx-Gewölbe und erleben spastische Tänze von den vier Tänzern. Ariadne, die junge Christina Nilsson, ist ein Pin-Up-Girl mit knallroten überlangen Haaren. Sie singt wunderschön, kennt die Partie schon länger, spielt hier aber bei weitem nicht die Rolle, die sie nach Richard Strauss spielen müsste. Sie geht bedauerlicherweise mehr oder weniger unter im allgemeinen Gewusel.

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Copyright: Thomas Aurin/ Salzburger Festspiele

Denn es wird viel und fast dauernd gewuselt – Aktivismus, aber keine Personenregie! Es gibt auch einigen Schwachsinn. Um die ach so kaputte Natur unserer Welt zu zeigen, liegen auf dem Boden der Mars-Station ein riesiger toter Elefant, ein toter Gorilla und ein toter Löwe, alle schon halbverwest. Man fragt sich: Wie kommen diese Tiere auf den Mars? Eine allzu platte Dokumentation vermeintlichen terrestrischen ökologischen Untergangs…

Durch ein großes ovales Fenster im Hintergrund sieht man in die rote Mars-Wüste. Mal kommen Kometen vorbei, riesige Roboter scheinen die Topografie im Sinne der neuen Erdbewohner zu verändern. Vor allem aber saust ein Raumschiff nach dem anderen à la Star Wars vorbei, ja, bleibt manchmal über dem Fenster stehen zu näherer Betrachtung. Es kommt auch einmal ein See zustande, obwohl man weiß, dass es kein Wasser auf dem Mars gibt, zumindest nicht auf der Oberfläche und nicht in solcher Abundanz.

Einen dramaturgischen Tiefpunkt erreicht das Geschehen, wenn während des Liedes des Harlekin ihm einer der Tänzer einen angedeuteten Blow Job verpasst und die anderen drei bei seinen Kollegen kopulative Aktivitäten entfalten, freilich alles in voller Rüstung! Und dass das Quintett beim gemeinsamen Auftritt an Redepulten stehen muss, ist ein weiterer inszenatorischer Offenbarungseid oder ebenfalls einfach nur geschmacklos.

Es ist alles vordergründig, platt, banal, und es fehlt an überzeugendem musiktheatralischem Handwerk. Es geht sich nichts recht aus, wie man in Österreich sagt. Man merkt im Laufe des Geschehens auch gar nicht mehr so recht, dass die Oper auf dem Mars stattfindet. Was hier besonders fehlt, ist der reiche Mann, hier wohl der reichste Mann der Welt. Man hätte vielleicht – wie zuvor in Salzburg und Wien – eine Gruppe von Opern-Besuchern eben dieses Ultra-Reichen zeigen können oder gar sollen. Dann wäre alles ein bisschen klarer geworden und die Idee der Oper „Ariadne“ nicht so stark verloren gegangen. Gut, das war also alles recht bedenklich.

Neben der sehr guten Christina Nilsson agierte Kate Lindsay als ebenso wie die Nilsson szenisch benachteiligter Komponist in wirrem Aktivismus, aber mit ihrem klangvollen, relativ hohen Mezzo. Einen Vogel der Überraschung schoss in diesem Damen-Trio die Chinesin Ziyi Dai ab, die eine einnehmende Zerbinetta gab, mit einem lyrischen Koloratursopran, der auch zu leichten dramatischen Ausbrüchen fähig ist. Auch darstellerisch konnte Dai mit großer Intensität voll überzeugen.

Eric Cutler schien als Bacchus, vor allem wenn man den Weingott mit der Figur assoziiert und nicht einen Kosmonauten mit entsprechendem Anzug und Helm – allerdings in für den Berufsstand ungewöhnlichem Gold – etwas fehlbesetzt zu sein. Sein Tenor klingt zumal für diese Rolle zu spröde, hat zu wenig Wärme und Wohlklang. Auch darstellerisch wirkte Cutler etwas zu unbeteiligt. So passte diese Rolleninterpretation aber zur sterilen Ästhetik des Geschehens auf dem vermeintlichen Mars. Mit Wehmut dachte man sofort an den Bacchus von James King in Wien in den 1980er Jahren!

Der junge Kroate Leon Košavić sang einen ausgezeichneten Harlekin mit geschmeidigem Bariton. Christoph Pohl war als Musiklehrer ebenso wie Jonas Hacker als Tanzmeister vokal sehr ansprechend. Durch das ständige Gewusel auf der Bühne konnten sie ihre Rollen aber nur begrenzt realisieren. Michael Porter als Scaramuccio, Lukas Enoch Lemke als Truffaldin und Theodore Brown als Brighella konnten ebenfalls voll überzeugen. Selten, wenn überhaupt hat man die Najade, Dryade und das Echo noch nie in hässlicheren Kostümen bestaunen können als in dieser Produktion. Dafür sangen Jasmin Delfs, Anja Mittermüller (Teilnehmerin des Young Singers Project), und Marlene Metzger sehr klangschön und harmonisch. Blaz Stajnko (Teilnehmer des Young Singers Project) war ein Perückenmacher, Fabian-Jakob Balkhausen ein Lakai und Fabio Dorizzi ein Offizier.

Manfred Honeck dirigierte die Wiener Philharmoniker und wurde mit dem erstklassigen Ensemble zur tragenden Säule und – wenn man so will, zur musikalischen Zuflucht – des Abends. Man hörte in der Tat die „Ariadne“ von Richard Strauss, so, wie die zu hören sein sollte und sie die meisten auch hören wollen. Leider gab es keinerlei Korrespondenz mit dem Geschehen auf der Bühne.

Am Schluss hält der Regisseur noch einen – allerdings wenig Sinn machenden – Knalleffekt im wahrsten Sinne des Wortes bereit. Johannes Silberschneider als Haushofmeister holt einen Koffer mit einer Zündanlage hervor und lässt das Raunschiff, in dem Ariadne mit Bacchus kurz zuvor den Mars verlassen haben, in einem riesigen Feuerball in die Luft gehen. Was sollte das nun wieder?! Wohl kaum mehr als ein platter Knalleffekt!

Die Frage bleibt nach dieser „Ariadne“: Was passiert, wenn Ersan Mondtag, wie in Wien und Salzburg zu vernehmen ist, tatsächlich vom Staatsoperndirektor für den neuen „Ring des Nibelungen“ an der Wiener Staatsoper als Regisseur beauftragt wird. Dass er in letzter Zeit von verschiedenen Opernmagazinen unverhältnismäßig gehypt wurde, obwohl er kaum Opernerfahrung hat, kann wohl kaum der Grund sein, ihm eine solch große Aufgabe zu übertragen.

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Copyright: Thomas Aurin/ Salzburger Festspiele

Mondtag ist ein deutscher Theaterregisseur und bezeichnet sich als „Interdisziplinärer Künstler, insbesondere auf dem Feld der bildenden Künste, dem Theater und der Oper“. Er inszenierte bisher an zum Teil durchaus bedeutenden Schauspiel-Theatern, allesamt alle keine Opernhäuser. Zu lesen ist auch, dass er 2021 am Berliner Ensemble eine radikale, vierteilige Schauspielüberschreibung des „Ring des Nibelungen“ unter dem Titel Wagner – der Ring des Nibelungen (a piece like fresh chopped eschenwood) in einer Fassung von Thomas Köck, bisweilen auch mal als „Stücke-Zertrümmerer“ bezeichnet, mit Musik von Max Andrzejewski inszenierte. (https://www.berliner-ensemble.de/making-of-ring-backstage). Statt einer klassischen Opernfassung war Mondtags Arbeit eine spartenübergreifende Sprechtheater-Adaption, wie man weiter lesen kann. Das Projekt dekonstruiert den Mythos, um ihn mit der heutigen Zeit, Kapitalismuskritik und ökologischen Fragestellungen (die Zerstörung der Natur durch Industrialisierung) zu verknüpfen. Die Inszenierung verzichtete bewusst auf Wagners großen orchestralen Klang!

Ist das schon genug, um an der Wiener Staatsoper einen ganzen „Ring“ machen zu dürfen?!

Das sollte, ja darf nicht passieren. Denn wenn da etwas schiefgeht, wird Wien etwa 20 Jahre mit solch einem misslungenen „Ring“ leben müssen. Und das Wiener Wagner-affine Publikum, aber auch die Wagner-Kenner auf Besuch in der Stadt, haben unter der derzeitigen Direktion schon drei misslungene Wagner-Produktionen zu verkraften, i.e. „Parsifal“, „Tristan und Isolde“ sowie „Lohengrin“, dieser aus Salzburg übernommen.

Einen Abbruch einer Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ hat die Staatsoper 1981 bereits einmal erlebt. Die Inszenierung von Filippo Sanjust, der für Harry Kuper eingesprungen war, stieß bei der Aufführung von „Das Rheingold“ und „Die Walküre“ auf so massive Ablehnung bei Publikum und Kritik, dass der Nachfolger des damaligen Staatsoperndirektors Egon Seefehlner, Lorin Maazel, die beiden restlichen Teile des „Ring“ absagte und die Staatsoper lange ohne einen spielbaren „Ring“ dastand.

Ein ähnliches neuerliches Debakel wäre mit erheblichen Extrakosten für die Staatsoper und damit den österreichischen Steuerzahler verbunden. Denn es müsste erst ein neuer Regisseur gefunden und der gescheiterte wahrscheinlich ausbezahlt werden. Und einige Jahre würden vergehen, ohne dass die renommierte Wiener Staatsoper einen „Ring des Nibelungen“ zeigen könnte. Diese wahrscheinlichen Konsequenzen sollten sich die Geldgeber des Hauses vor Augen führen, jene der öffentlichen Hand wie auch die Sponsoren.

Die missratene „Ariadne“-Produktion bei den Salzburger Festspielen ist mit diesem Sommer Geschichte. Die Festspiele sind mit einem Stagione-Betrieb vergleichbar. Die Wiener Staatsoper ist aber kein Stagione-Betrieb, sondern ein klassisches Repertoire-Theater, eben das größte der Welt. Diese Tatsache sollte bei der Bestellung von Regisseuren, die noch nicht bewiesen haben, dass sie das Opern-Handwerk beherrschen und sich noch weit entfernt vom Opern-Mainstream befinden, nachhaltige Beachtung finden. Natürlich stellt sich im Prinzip hier auch die Frage der wirtschaftlichen Verantwortung im Falle einer Neuauflage eines Desasters wie 1981…

Klaus Billand

 

 

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