Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

SACD THOMAS ARNE „THE JUDGEMENT OF PARIS“ – Weltersteinspielung Arkadische Oper mit der Brook Street Band unter John Andrews, Dutton Epoch

04.08.2019 | cd

SACD THOMAS ARNE „THE JUDGEMENT OF PARIS“ – Weltersteinspielung Arkadische Oper mit der Brook Street Band unter John Andrews, Dutton Epoch

Thomas Arnes Oper „The Judgment of Paris“ auf ein altbekanntes und vielvertontes Libretto von William Congreve aus dem Jahr 1701 wurde im Drury Lane Theater London als Nachspiel zu Händels „Alexanderfest“ uraufgeführt. Das war im März 1742, Thomas Arne war Hauskomponist im Drury Lane, seine Schwester war mit dem dortigen Impresario Theophilus Cibber liiert, und er selbst war mit Cecilia Young, der damaligen „Netrebko“ von London, verheiratet. Dementsprechend gut war er in der Musikszene persönlich und künstlerisch vernetzt. Zumindest diesbezüglich scheint sich bis heute nichts geändert zu haben.

Lieder ist nicht die gesamte Partitur von Arnes „Urteils des Paris“ erhalten, sie wurde vermutlich Opfer eines Brandes in Covent Garden. Glücklicherweise gab es eine Publikation aus dem Jahr 1744, allerdings ohne Secco-Rezitative und Chöre (außer dem großen Finale). Die vorliegende erste Aufnahme der Oper basiert nun auf der Musica Britannica Edition, für welche Editor Ian Spink die fehlenden Teile auf Basis des vorhandenen Materials nachschuf.

Worum es in der Oper geht, ist altbekannt. Zur Erinnerung: Der Schäfer Paris (Ed Lyon, Tenor) muss darüber entscheiden, welche der drei Göttinnen Juno (Gillian Ramm, Sopran), Pallas (Susanna Fairbairn, Sopran) oder Venus (Mary Bevan, Sopran) die schönste ist. Merkur (Anthony Gregory, Tenor) steigt vom Olymp herab zum Schatten spendenden Baum des Ida Gebirges, wo unser schöner Held mit Hirtenstab, Pfeife und Täschchen gemütlich ruht. Er soll jener der drei gleich erscheinenden Frauen, die ihm am besten gefällt, einen Goldenen Apfel überreichen. Gesagt, getan. Die drei auch göttlich Aussehenden nähern sich. Paris, von so viel weiblicher Pracht überwältigt, bekommt einen Hormonschock und stimmt gleich seine Arie „Save me from an excess of joy“ an. Nach dem improvisierten Song-Contest der drei Ladies ist klar, wem sein Herz gehört. Die raffinierte Venus siegt nach Punkten über die mütterliche Juno und die kriegerische Pallas, nicht ohne zuvor mit „Turn to me“, „Stay lovely youth“, „One only joy mankind can know“ und dem schmeichlerischen „Nature fram’d thee sure for loving“ wortreich gurrend seine und ihre Vorzüge anzgepriesen zu haben. Und natürlich die andern beiden Konkurrentinnen anspielungsreich angeschwärzt: „They will deceive you“. Unter dem heftigen Flügelgeschwirr einiger Cupidos und dem huldvollen Beisein der drei Grazien überreicht Paris den Goldenen Apfel schließlich an Venus. Beim glorios die Oper beschießenden Chor „Sing and spread the joyful news around“ (der Bass Andrew Mahon ergänzt die Solisten) glühen Twitter, Instagram und Facebook zugleich.

Die kulinarische, beschwingt koloraturfreudige Musik des Vielschreibers Arne bietet gut sitzende barocke Konfektionsware a la Händel und ist das Hören allemal wert. Das Orchester „The Brook Street Band“, ein nach einer Londoner Straße (einst Wohnsitz von Händel) benanntes Alte-Musik-Ensemble, gibt mit Flöten und Trompeten einen tüchtigen Geburtshelfer ab. John Andrews leitet wie Jupiter sein Schäfchen Paris, den Gott Merkur sowie die Göttinnen und freut sich wie wir alle über den verdienten Sieg der Venus. Gut zu wissen, dass Merkur vor der Entscheidung seinen Schutz für den Schäfer garantiert hat. Das Cover zeigt das prächtige, mit der Oper gleichnamige Gemälde von Frans Floris mit viel nackter Haut, Gemäldegalerie Alte Meister Kassel.

Ravishing. Revival geglückt.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

Diese Seite drucken