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SACD RALPH VAUGHAN WILLIAMS – Schauspielmusik zu Richard II, Songs of Travel, Fantasia on Sussex Folk Tunes, Ballettsuite – Dutton Epoch

04.08.2019 | cd

SACD RALPH VAUGHAN WILLIAMS – Schauspielmusik zu Richard II, Songs of Travel, Fantasia on Sussex Folk Tunes, Ballettsuite – Dutton Epoch

Das Scottish National Orchestra unter der Leitung von Martin Yates ist eifrig dran, Unbekanntes aus dem reichen musikalischen Erbe etwa von John Ireland, Edward Elgar oder von Ralph Vaughan Williams auf Tonträger zu bannen. Raritäten, wie das Konzert in C-Dur für zwei Klaviere und Orchester, die Orchestersuite der Oper „Sir John in Love“ oder die komplette Filmmusik zu „Scott of the Antarctic“ bzw. die „Norfolk Rapsodies“ sind dadurch wieder einem breiteren Kreis an Musikfreunden zugänglich geworden.

Auf der meines Wissens nach sechsten Vaughan Williams-CD in der Reihe sind nun die „Incidental Music zu Richard II“, die „Fantasia on Sussex Folk Tunes“ (Solocellistin Nadège Rochat) und die „Suite de Ballet“ (Flötensoli Anna Noakes) zu entdecken. Von den „Songs of Travel“ (Roderick Williams, Bariton) herrscht im Katalog kein Mangel (u.a. gibt es schöne Aufnahme mit Bryn Terfel oder Christopher Maltman). Auch Roderich Williams hat den Zyklus mit Klavierbegleitung (Iain Burnside) bereits 2004 bei Naxos eingespielt.

Die Schauspielmusik zu Richard II (Weltersteinspielung) wurde während des 2. Weltkriegs in Auftrag gegeben und auch bezahlt – wie der Komponist bestätigte – aber nie aufgeführt. Vaughan Williams schrieb die Bühnenmusik für eine BBC-Kriegsproduktion von Shakespeares Drama 1944 zwischen seiner fünften und sechsten Sinfonie. Ähnlich seinen zahlreichen musikalischen Beiträgen zum Film besteht auch diese Schauspielmusik aus zahlreichen lautmalerisch geschickt gebastelten Episoden, die Stimmung und dramatische Zuspitzung überwiegend in eingängigem Wohllaut formulieren.

Den Hit des Albums bildet die Pablo Casals gewidmete Fantasia on Sussex Folk Tunes für Violoncello und Orchester. 1930 von Casals unter der Stabführung des jungen John Barbirolli aus Anlass der Verleihung der Goldmedaille der Royal Philharmonic Society an Vaughan Williams uraufgeführt, handelt es sich um eine reizvolle Abfolge von fünf Liedern ohne Worte, das letzte („I‘ve been to France“) mit einer langen Kadenz für Cello versehen.

Die aus vier Sätzen bestehende, knapp 8-minütige Suite de Ballet, arrangiert für Flöte und Streichorchester von Roger Steptoe, vom französischen Flötenvirtuosen Louis Fleury in Auftrag gegeben, war ursprünglich für Flöte und Klavier konzipiert. Wir hören charmante neoklassische Miniaturen aus Motiven von Volksliedern und Tänzen des 18. Jahrhunderts montiert.

Den wohl bekanntesten Block der CD bilden die neun Songs of Travel nach Gedichten von Robert Louis Stevenson: „The Vagabond“, „Let Beauty Awake“, „The Roadside Fire“, „Youth and Love“, „In Dreams“, „The Infinite Shining Heavens“, „Wither must I Wander“, „Bright is the Ring of the Words“, „I Have trod the Upward and the Dowenward Slope“. Orchestriert wurden die drei ursprünglichen Songs von Vaughan Williams, den Rest hat sein Editor Roy Douglas posthum besorgt. Es ist das klassisch romantische Wanderer-Thema mit der Parabel von Natur, Liebe und Freiheit, das mit einem Blick in die Abendröte des Westens endet. Eine englische Winterreise? Wohl kaum, aber ein gelungener, die vielfältigen Gefühle von Weg, Sehnsucht und Verlust in Schöngesang gehüllter musikalischer Bogen. Roderick Williams singt nicht mehr so üppig dahin wie 2004, vermag aber all die sprachlichen Nuancen mit seinem klangschönen Bariton sinnstiftend zu interpretieren. Ein Stilist der alten Schule!

Dr. Ingobert Waltenberger

 

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