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SAALFELDEN: DAS 46. JAZZFESTIVAL SAALFELDEN 20.- 23.8.2026

24.08.2026 | Konzert/Liederabende

Barocke Fülle und Mut zur Moderne
das 46. Jazzfestival in Saalfelden

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Yvonne Moriel/Strange Motian. Foto: Michael Geßler

Das Jazzfestival in der Pinzgauer Kleinstadt Saalfelden verfügt mittlerweile über eine fast 50-jährige auch von vielen Auf und Abs gekennzeichnete Geschichte. Zweimal musste das Musikfest aus finanziellen Gründen entfallen, seit 2006 scheint es aber auf  festeren budgetären Fundamenten zu stehen, auch weil der Pinzgauer Fremdenverkehrsverband den touristischen Wert erkannt hat und so fürs Sponsoring und die Unterstützung durch die öffentliche Hand sorgt. Dass sich der Verband in die Programmierung nicht einmischt, wie der künstlerische Leiter Mario Steidl betont, merkt man auch an der stilistischen Breite und dem unbedingten Streben vor allem die Moderne zu präsentieren. Die 46. Edition belebte von 20. bis 23. August mit 56 Konzerten auf 17 Schauplätzen den Ort. Da kann man schon auf die Idee der Überforderung kommen und die beinah barock zu nennende Fülle zwingt zur Selektion. Es wird aber ein wirklich guter Überblick über das weltweite Geschehen dieses Genres geboten.

Vieles kann kostenlos genossen werden.  Da gibt es Tanzbares im Stadtpark, ein französischer Dudelsackspieler als Kirchturmbläser, Cuong Vu und Chris Speed im Bläserduett in der Einsiedelei, Tini Trampler und die Playbackdolls auf der Alm und und und …
Der Kärtner Bassist Lukas Kranzelbinder ist Stammgast in Saalfelden und hat sich dieses Jahr ein besonderes Projekt ausgedacht. Er schließt seine Band Shake Stew, eine der besten des Landes,  mit zwei lokalen Blaskapellen zusammen. Gemeinsam wird musizierend durch die Stadt gezogen und im übervollen Stadtpark fulminant abgeschlossen. Manche Puristen finden das überflüssig und spekulativ, wenn man aber die Freude in den Gesichtern aller Beteiligten sieht und bedenkt, wie viele Menschen das bewegt, muss man der Aktion zumindest Sympathie entgegenbringen.

Die Hauptbühne, dort muss bezahlt werden, steht im Saalfeldner Congress, in der Blackbox im Kunsthaus Nexus findet die eher der Avantgarde verpflichtete Reihe Short Cuts statt.  
Dort begeistern schon am Donnerstag die vier Frauen von DaughterDaughter. Zwei Saxofone, ein Cello, ein Schlagzeug, ergeben in Summe ein famoses, kompakt und kraftvoll aufspielendes Quartett, das lange, suitenartig zusammengeführte Kompositionen präsentiert, die viel Spielraum für kreative solistische Exkurse geben. Zwischendurch spielt Camila Nebbia ein nahezu unbegleitetes Tenorsaxofonsolo, melancholisch, fast romantisch. Dann ein wenig Geklimper und Gebimmel von Schlagzeug und Cello, quasi als Überleitung bis die Saxofone wieder mitmischen. Fantastischer Auftritt.  Ist das eher dem rauen Freejazz zuzuordnen, gibt es auch Projekte die Bezüge zur Neuen Musik herstellen, Pianist Christoph Cech mit einem Quartett mit Harfe und zwei Posaunen sei genannt.

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Tamara Stefanovich. Foto: Michael Geißler

Umgekehrt kennt man Tamara Stefanovich im Jazzkontext noch nicht, einen Namen hat sich die Pianistin als Spitzeninterpretin der Musik die 20. und des 21. Jahrhunderts gemacht. In Saalfelden spielt sie ein improvisierendes Trio mit Drummer Christian Lillinger und Bass Jonas Westergaard. Man hört einander zu, zollt einander Respekt, reagiert aufeinander. Flexibilität und Fantasie sind gefragt. Mühelos wird der Spannungsbogen durchgehalten. Keiner will den anderen übertrumpfen, virtuoses Spiel wird nicht vor sich hergetragen, sondern ist selbstverständliche Voraussetzung für spannende musikalische Geschichten.
Das Eröffnungskonzert auf der Hauptbühne bestreiten seit vielen Jahren junge österreichische Jazztalente. Das hat schon bei einigen zu Überforderung durch die eigenen Ansprüche geführt. Nicht so dieses Jahr bei der Tiroler Saxofonistin Yvonne Moriel und ihrem Projekt „Strange Motian“. Moriels Stück lässt die Energie fließen, ist kraftvoll und elegant. Mitreißende, höchst originelle Musik, die das Publikum zu Beifallsstürmen veranlasste.
Norwegen verfügt auch dank einer konsequenten Förderpolitik über ein anscheinend unerschöpfliches Reservoir an Musiker:innen. Dieses Jahr gastiert einerseits das fragile, ein wenig zur Wiederholung neigende Trio der Flötistin Henriette Eilertsen und andrerseits das spektakuläre Oktett des Schlagzeugers Dag Magnus Narvesen. Dreimal Saxofon, Trompete und Posaune, dazu eine traditionell besetzte Rhythmuseinheit mit Klavier, Bass und Schlagzeug. Als Intro wird ein Klangteppich gelegt, aus der vereinzelte Melodien spürbar werden. Bass und Schlagzeug bilden eine präzise, verlässliche Rhythmusmaschine, Emil Bø spielt ein herausragendes Posaunensolo. Der Klanghaufen wächst, lärmt, bricht plötzlich ab und Trompete und Bassklarinette gestalten ein ruhiges, melancholisches Duo. Eine mächtige Basslinie, Ingebrigt Håker Flaten, führt zu einem Richtungswechsel.

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Darius Jones und Otomo Yoshhide Quintett. Foto: Julian Gruber

Gerald Cleaver  und Yasuhiro Yoshigaki trommeln sich die Seele aus dem Leib, Nick Dunston spielt stoisch und präzise vier Noten in der Endlosschleife, sorgt so für Ruhe und Verlässlichkeit. Darius Jones Altsaxofon legt schwebende Linien, Yoshihide Otomos Gitarre glänzt und blitzt. Die Band kommt mit wenigen Noten aus und entwickelt einen gewaltigen Sog, eine fast magische Wirkung. Manchmal gibt es ordentlichen Radau, baut die Band faszinierende Krawallhaufen. Otomo leiht sich Sounds aus altem Bluesrock, der mächtige Bass Dunstons sorgt für Zusammenhalt. Manchmal entsteht ganz Zartes, die Gitarre beginnt zu singen, bis der Bass wieder in andere Regionen führt.  Am Ende wird’s ganz leise, verhallt fast verschämt. Otomo und Jones werden zwar als Bandleader genannt, in Wirklichkeit ist es gleichrangige in diesem Sinn auch höchst  demokratische Kunst. Vielleicht das Beste dieses guten Festivaljahrgangs.

Christoph Haunschmid

 

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