ROTTERDAM / SCHOUWBURG/ OPERA2DAY: OPERA CIRCUS mit Musik von Georg Friedrich Händel
am 17.1.2026

Armato und Armata. Copyright: Opera2Day
Die in Den Haag ansässige niederländische Operncompagnie Opera2day ist eine ganz spezielle : sie macht nur eine Produktion im Jahr, diese geht aber dann auf eine umfangreiche Holland-Tournee z.B. auch nach Alkmaar, Deventer, Den Bosch, Eindhoven, Enschede, Tilburg etc,
Die jeweilige Oper wiederum ist keine der üblichen zehn abgelutschtesten „populären“ Werke, mit der hundertmal höher subventionierte Institutionen sonst ihr einfallsloses Repertoire füllen, sondern immer eine Neuschöpfung, entweder eine Auftragskomposition oder ein „Pasticcio“ von alter Musik auf ein neues Libretto. Ein spannendes Konzept und eine bewunderungswürdig konsequente Praxis.
In den letzten Jahren hatte man z.B.Kompositionen von Bach unter dem Titel „Apokalypse“ zu jener Oper zusammengefügt, die der Meister nie geschrieben hat oder Arien von Vivaldi zu den Texten der „Liaisons Dangereuses“ neu arrangiert.
Heuer war Georg Friedrich Höndel an der Reihe, um von der mutigen Opera2day Company re-kontextualisiert zu werden.
Stefano Simone Pintor hat ein Libretto verfasst, in dem zwei verfeindete Gottheiten ( Armato und Armata), unentwegt gegeneinander Krieg führen, obwohl die Welt unter ihnen bereits dystopischerweise in schwarzem Schutt und grauer Asche liegt. Dann verirrt sich eine fröhlich-bunte Schaustellertruppe in dieses gazastreifenmässig-apokalyptische Szenario. Und baut darin mit Nix ein kleines Barocktheaterchen auf und schafft es mittels ihrer Kunst, den künstlichen Pappmaché-Wellen, ihrem Gesang und ihren ironisch-kodifizierten Gesten die kriegerischen Gottheiten wieder friedlich zu stimmen. Die wunderbar-apotheotische Sonne singt mit Inbrunst ihre Hymne auf das Leben und die Liebe , und siehe da: alles alles alles wird wieder gut…

Die Sonne. Copyright: Opera2Day
Die Musik stammt aus Händels Opern ( Rinaldo, Orlando, Arminio, Alcina, Almira, Ezio etc.), seinen Kantaten ( Apollo e Dafne etc.) und seinen instrumentalen Werken (Violin Sonaten, Trio Sonaten , Recorder Sonaten etc.)
Serge van Veggel (der auch an dem Buch mitgeschrieben hat) hat das Ganze (auch mithilfe eine Circustruppe im ersten Teil – daher der Titel) fantasievoll und augenzwinkernd inszeniert,
Hernán Schwartzman dirigiert die Niederländische Bach-Vereinigung mit großer Leidenschaft. Und Akkuratesse und die drei Sänger ( Maria Schellenberg als Armata, James Hall als Armato und Maude Bessard Morandas als Sonne) sind einfach bravurös und perfekt.
Händel, der ja selbst viele Pasticci zusammengestellt hat, hätte diese Re-Assemblage sicher gefallen. Und wir freuen uns schon auf Opera2days nächsten Streich, der sicherlich so überraschend sein wird wie dieser…
(Die Produktion ist noch bis Anfang März in den Niederlanden zu sehen.)
Robert Quitta, Rotterdam

