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ROSSINI: RICCIARDO E ZORAIDE – live 25. Wildbad Festival 2013; NAXOS 3 CDs Tenoraler Höhenrausch mit Maxim Mironov und Randall Bills

14.01.2018 | cd

ROSSINI: RICCIARDO E ZORAIDE – live 25. Wildbad Festival 2013; NAXOS 3 CDs

Tenoraler Höhenrausch mit Maxim Mironov und Randall Bills 

Veröffentlichung: 9. Februar 2018

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Nubier gegen Kreuzfahrer ist der kriegerische Hintergrund für eine abstruse Love-Dreiecksgeschichte, in der der mächtige König der Nubier Agorante (Randall Bills) die schöne Zoraide (Alessandra Marianelli) liebt und deshalb seine Gattin Zomira (Silvia Beltrami) verstoßen will. Aber da gibts noch Ricciardo (Maxim Mironov), den feschen christlichen Kreuzfahrer, der natürlich am Ende Zoraide bekommt. Die Schwäche des Librettos von Francesco Maria Berio di Salsa war es letztlich, die einen nachhaltigen Erfolg dieser 1818 in Neapel uraufgeführten Oper hinderte. Nicht wirklich verwunderlich also, dass in der historischen Rezeption Elisabetta, Regina d’Inghilterra, Otello, Armida, Mose in Egitto, Ermione oder La Donna del Lago erfolgreicher waren. Dennoch enthält diese große Rossini Oper jede Menge an allerherrlichster Musik, die Belcanto-Freunde ausflippen lassen.  Arien, Ensembles und Finali erzeugen jenen Rossini-Furor und jene rauschhafte Tempospirale, die sangestolle Melomanen und alle Ritter vom hohen C aus dem Hocker heben. 

Der vorliegende Live-Mitschnitt aus der Jubiläumssaison 2013 hat alles, um dieses zu Unrecht vernachlässigte Werk Rossinis wieder zu rehabilitieren, wird doch überwiegend exzeptionell gesungen und einfühlsam dirigiert. Abgesehen von der Aufnahmetechnik und der unvergleichlichen Raffinesse der Belcanto Primadonna Nelly Miricioiu als Zoraide, ist die neue Aufnahme künstlerisch von den Leistungen der Protagonisten her als auch preislich der einzigen bislang erhältlichen Aufnahme aus dem Jahr 1995 des Labels Opera Rara überlegen. 

Von der erstklassigen Besetzung ist an erster Stelle wohl der Russe Maxim Mironov als Ricciardo zu nennen, der mittlerweile in die allererste Liga der lyrischen Tenöre gehört. Sein Gesang geht runter wie eine heiße Schokolade mit Schlagobershäubchen im Winter. Mironovs schlanker agiler höhensicherer Tenor verfügt über jenen Schmelz und Schönheit des Timbres, die Juan Diego Florez so berühmt machten oder einstens Pavarotti auszeichneten. Seine Cavatine im ersten Akt, eines der aufregendsten Tenorduette der Opernliteratur zu Beginn des zweiten Aktes und das große Duett mit Zoaride ebenfalls im zweiten Akt gehört zu den besten Momenten der Oper. Ihm kaum nach der Amerikaner Randall Bills, der als „böser“ tenoraler Gegenspieler gleich zu Beginn der Oper mit einer virtuosen Arie und Stretta die vokale Latte hoch legt. Seine Stimme ist technisch ebenfalls untadelig, durchschlagskräftig und metallisch in der Höhe; der Rolle gemäß auch dramatischer. Der dritte Tenor im Bunde gehört Ernesto, einem Freund von Ricciardo, der vom Franzosen Artavaszd Sargsyan luxuriös interpretiert wird. Sargsyan wurde in Wildbad verdientermaßen mit dem Belcanto-Förderpreis ausgezeichnet, ein Riesentalent mit Potential. Ebenso macht der Bass Nahuel Di Pierro als nubischer Prinz Ircano der großartigen, temperamentvollen Männerriege alle Ehre. Bei den Damen überzeugt mich die Altistin Silvia Beltrami  in der Rolle der Zomira ohne Einschränkung. Ein echter Rossini-Alt mit einer üppig cremigen Mittellage. Sie ist auf jeden Fall ihrer Kollegin Della Jones auf der Opera Rara Aufnahme um die berühmten Eckhäuser überlegen. In der von Isabella Colbran bei der Uraufführung aus der Taufe gehobenen Titelpartie erfreut die Italienierin Alessandra Marianelli mit prächtigem Timbre und leichter Stimmführung. Mit Verve, Agilität und hoher Intensität gestaltet sie die Rolle. Im Legato schleift sie manche Höhen aber unsauber an, hier muss technisch noch gearbeitet werden. Diana Mian als Fatima, Anna Brull als Elmira und Bartosz Zolubak als Zamorre ergänzen das Ensemble auf hohem Niveau.

Der Camerata Bach Chor Poznan unter der Einstudierung von Ania Michalak als auch die  Virtuosi Brunensis unter der stilsicheren Stabführung José Miguel Pérez-Sierras sind Partner auf Augenhöhe für all die fantastischen Diven und Divos auf der Bühne. 

Fazit: So und nicht anders wird Rossini zur Sucht!

Tipp: Beim heurigen Rossini Festival in Pesaro steht Ricciardo e Zoraide am 11., 14., 17., und 20. August 2018 auf dem Programm. Auf der Besetzungsliste finden sich prominente Namen: Juan Diego Flórez als Ricciardo, Pretty Yende als Zoraide und Sergey Romanovsky als Agorante. 

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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