ROM/Teatro dell’Opera : ROMÉO ET JULIETTE – Neuinszenierung am 2. Mai 2026
Der Schatten des Todes

Copyright: Fabrizio Sansoni
Die Neuinszenierung von Charles Gounods „Roméo et Juliette“ durch Luca de Fusco am schönen Teatro dell’Opera in Rom war in erster Linie von einer Todesahnung der zwischen beiden Geschlechtern der Capuleti und Montecchi unlösbaren Konflikten gekennzeichnet, dem die beiden jungen Liebenden Roméo und Juliette zum Opfer fallen. Die Bühnenbilder von Marta Crisolini Malatesta im auch dunklen Licht von Gigi Saccomandi waren weit weniger farbenfroh als die Szenerie in der Inszenierung von André Heller-Lopes an der Ópera de Tenerife einen Monat zuvor (siehe weiter unten).
Luca de Fusco legt mehr Gewicht auf die Tragik, die hinter dem nicht enden wollenden und immer wieder angefachten Krieg zwischen den beiden Geschlechtern steht. Es geht gleich los mit der Choralszene zu Beginn. Eine Art Todes-Chor in Masken, die an Totenköpfe erinnern, macht mit der Geschichte der beiden Familien alle darauf aufmerksam, dass es hier sehr ernst werden würde. Im Hintergrund sieht man die Konstruktion einer zweigeschossigen typisch alt-italienisch wirkenden Galerie, die wie die Arena di Verona wirkt und wohl auch diese Assoziation hervorrufen soll.

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In den Gängen der Galerie und in ihren romanischen Bögen werden den ganzen Abend über interessante und stets im Zusammenhang mit dem Geschehen stehende Lichtspiele und Bilder gezeigt, in Videos von Alessandro Papa. So zeigt das Bühnenbild, im Prinzip ein Einheitsbühnenbild, auch durch die stimmungsvoll variierende Lichtregie theatralisch spannende Wirkung. Auch die Personenregie war sehr pointiert. Es lag irgendwie über Allem immer der Schatten des Todes.
Auch in der Szene der Liebesnacht, die nur mit einigen vom Bühnernplafond herunterkommenden weißen Tüchern einfach, aber romantisch mit den Bewegungen einiger unsichtbarer Tänzerinnen in den Tüchern gestaltet wurde, war diese Tragik zu spüren, lange bevor Roméo zum Gift griff. Zuvor war als einziges Requisit ein langer Kasten hereingefahren worden, der als (temporärer) Sarkophag für Juliette diente und schließlich für beide zum Grab wurde.

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Auch die Zweitbesetzung an diesem Abend (Vittorio Grigolo und Nino Machaidze waren Erstbesetzung!) brachte zwei gute Sänger, Vannina Santoni als Juliette und den Südkoreaner Duke Kim als Roméo. Beide machten es nach ihren besten Möglichkeiten gut, auch stilistisch. Kim erreichte auch alle Spitzentöne und konnte sich gegen Ende auch noch steigern. Aber seine Stimme ist letztlich doch zu klein, um den dramatischen Anforderungen der Rolle ganz gerecht zu werden. Bei Santoni war das schon viel besser, aber sie sah am Anfang auch leichte Grenzen bei den Höhen. Insgesamt war sie aber eine eindrucksvolle und vokal ansprechende Juliette, vielleicht eher für kleinere Häuser.
Nicolas Courjal war ein kraftvoller Frère Laurent und Duc de Vérone. Alle anderen waren den Anforderungen ihrer jeweiligen Rollen entsprechend gut, Mihai Damian als kämpferischer Mercutio, Aya Wakizono als guter Stéphano, Christian Senn als ein Respekt gebietender Capulet und Valerio Borgioni als engagierter Tybalt. Ein gutes Ensemble!

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Maestro Daniel Oren leitete das Orchesta e Coro del Teatro dell’Opera di Roma versiert und mit starkem Eingehen auf die Sänger. Oren ist ein Maestro der alten Schule, ein absoluter Doyen. Die Mitwirkenden schienen sich um ihn zu sammeln. Eine gute Aufführung, nicht zuletzt auch wegen des beeindruckenden von Ciro Visco einstudierten Chores in der entsprechenden Choreographie von Alessandra Panzavolta.
Klaus Billand

