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ROM/Accademia di Santa Cecilia: SIEGFRIED (halb-)szenisch Premiere

23.10.2026 | Oper international

ROM/Accademia di Santa Cecilia: SIEGFRIED (halb-)szenisch Premiere am 21. Oktober 2026

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Foto: ANSC/MUSA

Halbszenisch bis szenisch – eine Alternative zum Regietheater?!

Bereits 2025 begann die renommierte Accademia di Santa Cecilia im Auditorium Parco della Musica Rom mit einer halbszenischen Produktion von Richard Wagners Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“. Man verortete mit einer für den großen Konzertsaal ungewöhnlich weitgehenden Interpretation die „Walküre“ im griechisch/römischen Ambiente Italiens und legte den „Siegfried“ nun mit Assoziationen zur christlich-römischen Religion im Umfeld des Vatikan an. Dass wirkte auf den ersten Blick etwas befremdlich, erwies sich im Laufe der Premiere bei gut besetztem Saal aber als durchaus interessant und unterhaltsam.

Man könnte diesen „Ring“ in etwa mit jenem seit Jahren am Palast der Künste – MÜPA im Béla Bartók Saal in Budapest vergleichen. In Rom ging man aber noch einen Schritt weiter, sodass man im Prinzip schon fast von einer szenischen Inszenierung sprechen kann. Denn hier haben alle Sänger auch thematisch angelegte Kostüme und sind auf verschiedenen Ebenen hinter dem fast in Originalbesetzung spielenden Orchester unter Daniel Harding darstellerisch intensiv engagiert. Vincent Huguet führte Regie, die szenische Einrichtung machte Pierre Yovanovitch, die phantasievollen und geschmacksicheren Kostüme schuf Edoardo Russo. Das gute Licht steuerte Christophe Forey bei.

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Foto: ANSC/MUSA

So sieht man Mime in einer schwarzen Mönchskutte bei der Arbeit an dem ihm nie gelingenden Schwert und später Siegfried, wie er es dann nach Wagners Vorgaben neu entstehen lässt. Unterdessen kam der Wanderer herein, der bereits an den Papst denken lässt. Im 3. Aufzug im Gespräch mit Erda, die mit einem Blumenkranz auf dem Haupt aus einer Seitenbox hoch oben herausschaut, sieht er tatsächlich wie ein Papst des Mittelalters aus, mit der typischen weißen Kapuze. Statt des Speeres trägt er einen Holzstab mit einem aufgesetzten Kreuz, das sich bei Siegfrieds Schwertschlag löst und seine Macht beendet. Eine kirchliche Macht? Das kann jeder für sich selbst beurteilen. Es ist zu jedoch begrüßen, dass diese Interpretation des „Ring“ Assoziationsspielräume offen lässt, die durch Regietheater-Versuche allzu oft und zu stark eingeengt werden.

Alberich tritt als Ordensritter mit Rüstung auf, und Fafner kommt goldbekrönt mit schwerem Mantel als bräsiger Vertreter des Großkapitals eine Treppe herunter. Der Waldvogel ist ein Siegesengel mit farbigen Flügeln und geleitet Siegfried persönlich zu Brünnhilde. Der Engel spielt ja auch in der christlichen Religion eine große Rolle. Und Brünnhilde kommt statt aus einem steinernen Sarkophag, in den Siegfried hineinküsst(!), als Nonne aus dem Dunkel einer marmornen Pyramidenwand hervor, die am Stadtrand von Rom zu sehen ist. Es ist also in der Tat ein italienischer, wenn nicht gar ein römischer „Siegfried“. Im Laufe des langen Duetts mit Siegfried legt Brünnhilde nach und nach ihre Kloster-Aperçus ab und umarmt ihn schließlich begehrlich mit ihrem überlangen blonden Haarschopf, der aus der Kutte fällt. Ein stimmiger Schluss!

Clay Hilley sang die Titelrolle. Er singt den Siegfried technisch ausgezeichnet und ist vollkommen da bis zum Schluss, ohne jede Ermüdungserscheinung. Und er bringt alle Töne, auch die dramatischen Spitzen. Hilley ist allerdings nicht charismatisch genug, um die Rolle wirklich authentisch über die Rampe zu bringen, wie das heute Andreas Schager oder Klaus Florian Vogt tun. Er geht mit ihr nicht intensiv genug mit. Da fehlt es ganz einfach. Mime war der bewährte Wolfgang Ablinger-Sperrhacke, schlicht erstklassig in jeder Hinsicht. Das hat er hier wieder sehr gut gemacht, gerade auch die Interaktion mit Siegfried. Natürlich hat er da viel mehr gespielt als Siegfried.

Michael Volle, der derzeit wohl beste Wotan überhaupt, sang wieder glanzvoll und mit sehr guter Artikulation und Mimik den Wanderer, mit einer ausladenden und resonanten Stimme. Wolfgang Koch, als Alberich wie immer ein Garant für gute Qualität, löste dies auch in Rom sowohl sängerisch wie darstellerisch ein. Falk Sruckmann war mit der Basspartie nun ein ausdrucksvoller Fafner – als Mensch dargestellt. Er war zu einer wilden Auseinandersetzung mit Siegfried aufgelegt.

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Foto: ANSC/MUSA

Das heißt, man konnte hier drei ganz große Wotan-Interpreten der letzten 20 Jahre auf der Bühne der Accademia di Santa Cecilia erleben – Falk Struckmann, Wolfgang Koch und Michael Volle! Das allein lohnte schon fast die Reise nach Rom… Anna Kissjudit sang eine außergewöhnlich klangschöne Erda mit tiefem Mezzo und gestaltete die finale Auseinandersetzung mit Michael Volle zu einem der Höhepunkte des Abends.

Elisabeth Strid trat schließlich als Brünnhilde auf, weiterhin schön und sympathisch, sehr mädchenhaft, glanzvoll und mit wohlklingenden, sehr hohen und niemals an vokale Grenzen stoßenden Spitzentönen. Strid brachte wie immer in ihren Rollen auch hier viel Emotion ein. Sie wird diese Partie auch in der „Götterdämmerung“ im Januar 2027 an London Covent Garden singen. Der Waldvogel war Lysa Menu, die leider nicht verständlich war, aber sehr nett aussah als Siegesengel mit den farbigen Flügeln. Stimmlich war also alles gut bis sehr gut.

Daniel Harding dirigierte nun seinen ersten „Ring“ und konnte mit dem Orchestra dell‘Accademia di Santa Cecilia einen spannenden und gute Akzente setzenden „Siegfried“ gestalten. Die Musiker schienen bestens eingespielt und hoch motiviert. Da tat auch ein technisches Problem gleich zu Beginn keinen Abbruch, weshalb man ein zweites Mal beginnen musste. Dennoch ungewöhnlich. Großartig erklangen die Bläsergruppen, die Hörner zumal, und nicht überall erlebt man die von Wagner geforderten sechs Harfen.

Die „Götterdämmerung“ im Oktober nächsten Jahres soll wohl in der Benito Mussolini-Zeit spielen. Das passt dann ja auch ganz gut zum Stück…    

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Foto: ANSC/MUSA                             

Klaus Billand                                                               

 

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